Eifersuchtsdrama Liebestolle Astronautin wegen Mordversuchs angeklagt

Eifersuchtsdrama bei der Nasa: US-Astronautin Lisa Nowak lauerte einer Rivalin auf, rückte ihr mit Pfefferspray und Luftgewehr zu Leibe. Nun muss die dreifache Mutter Fußfesseln tragen - sie steht unter Mordverdacht.


Washington - Erstmals in der Geschichte der US-Raumfahrtbehörde Nasa muss sich eine Astronautin vor Gericht wegen versuchter Entführung, Körperverletzung und Beseitigung von Beweismitteln verantworten. Im Zusammenhang mit einem Liebesdrama, in das auch ein weiterer Astronaut und eine US-Offizierin verwickelt sind, erschien die 43-jährige Lisa Nowak heute vor einem Haftrichter in Orlando im US-Bundesstaat Florida. Später reichten die Ermittler auch noch eine Anklage wegen versuchten Mordes ein.

Nowak hat nach Angaben der Polizei versucht, in einem Parkhaus des Flughafens von Orlando mit Gewalt Kontakt zu ihrer Rivalin herzustellen - beide Frauen waren gleichzeitig mit dem Astronauten liiert. Bei der Angeklagten wurden unter anderem eine Perücke, ein Messer, eine Luftdruckpistole, Pfefferspray, ein Mantel, Wegbeschreibungen und E-Mails sichergestellt.

Die verheiratete Frau und Mutter sollte zunächst gegen eine Kaution von 15.500 Dollar auf freien Fuß gesetzt werden. Als dann die Anklage wegen Mordversuchs hinzukam, verwarf der Richter zunächst eine Freilassung auf Kaution. Später wurde dann aber erklärt, Nowak könne gegen eine Zahlung von weiteren 10.000 Dollar freikommen. Nun soll sie eine elektronische Fußfessel tragen, um zu überwachen, dass sie nicht ohne Genehmigung nach Orlando oder den US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral zurückkehrt.

Nowak wurde jeder Kontakt mit dem Opfer untersagt. Sie dürfe keine Blumen mit einem Entschuldigungsschreiben senden, hatte sie der Richter ermahnt. Auf die Frage, ob sie verstanden habe, sagte Nowak leise: "Ja". Die Nasa-Mitarbeiterin stand während der Anhörung in blauer Gefängnisuniform und mit gesenktem Kopf im Gerichtssaal. Ihr droht jetzt auch ein disziplinarisches Nachspiel bei der Raumfahrtbehörde.

Nowak flog im Juli vergangenen Jahres gemeinsam mit dem deutschen Astronauten Thomas Reiter an Bord der "Discovery" ins All und hielt sich dort mehr als zwölf Tage auf. Nach ihrer Rückkehr wurde sie in eine unglückliche Dreiecksbeziehung mit dem zwei Jahre jüngeren Nasa-Astronauten William Oefelein und Colleen Shipman, Hauptmann bei der US-Armee, verwickelt. Nowak wollte nach eigenen Angaben gestern auf dem Flughafen von Orlando ihre Rivalin, die sie nie zuvor gesehen oder getroffen hatte, zur Rede stellen. Sie fuhr deshalb rund 1500 Kilometer von Houston im US-Bundesstaat nach Orlando in Florida und benutzte Windeln, um keine Pausen machen zu müssen - ähnlich wie es Astronauten bei langen Flügen tun.

Die Anklage wirft Nowak jetzt versuchten Mord, versuchte Entführung, Körperverletzung, versuchten Autodiebstahl und Beseitigung von Beweismitteln vor. Nach Darstellung des Opfers soll Nowak beispielsweise mit Pfefferspray versucht haben, gewaltsam in das Auto einzudringen. Shipman gelang es jedoch, mit ihrem Fahrzeug aus dem Parkhaus des Flughafens zu flüchten und Hilfe zu holen.

ffr/dpa/Reuters



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