Deutschlandkarte Wo Einbrecher am häufigsten zuschlagen

Die Zahl der Einbrüche in Deutschland steigt - doch die Häufigkeit der Fälle unterscheidet sich von Region zu Region, zum Teil enorm. Schauen Sie in die Karte: Wie oft schlagen Einbrecher in Ihrer Umgebung zu?

Gefragt, ob die Einbrecher die Arbeit der Polizei bei der Auswahl von Tatorten einkalkulierten, zögert der Ermittler keine Sekunde. "Na klar", sagt er. Nach allem, was er aus seiner Praxis wisse, stellten professionelle Täter immer eine einfache Rechnung an: "Sie wägen das Entdeckungsrisiko gegen die mögliche Beute ab." Es gebe sogar entsprechende Karten, die Banden an ihre Leute ausgäben. Dort sei verzeichnet, welche Regionen zu meiden seien.

Unsere interaktive Deutschlandkarte zeigt im Grunde ein ähnliches Bild. Regionen sind erkennbar, in denen vergleichsweise wenige Einbrüche geschehen, in anderen ist das Rot dunkler - hier wird häufig eingebrochen. Es ist, als ginge eine unsichtbare Grenze durch Deutschland, die das Land teilt: Im Norden und Westen schlagen Einbrecher häufiger zu als im Süden und Osten.

Für die Karten haben die SPIEGEL-Dokumentation und SPIEGEL ONLINE Einbruchszahlen aus allen Städten und Kreisen Deutschlands ausgewertet.

Nordrhein-Westfalen gehört bei Kriminellen zu den bevorzugten Regionen. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Polizei im Westen ein Allzeithoch an Wohnungseinbrüchen. Mehr als 62.000 Taten in einem Jahr. Wenn er erklären soll, warum sein Land so massiv betroffen ist, verweist NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) gerne auf äußere Umstände: ein dichte Infrastruktur mit vielen Fluchtmöglichkeiten, die Anonymität von Ballungsgebieten.

Doch zur Wahrheit gehört auch, dass der Verfolgungsdruck durch die NRW-Polizei eher gering ist. Zu diesem Ergebnis kamen hochrangige Beamte vor einiger Zeit selbst in einer vertraulichen Analyse. Als Hauptproblem machten sie aus, dass der träge Behördenapparat mit den hochmobilen Dieben nicht mithalten konnte, die Dienstwege waren zu lang, die Polizei zu langsam.

Selbst die wenigen geschnappten Seriendiebe würden häufig behandelt wie harmlose Ersttäter. Oftmals erkennen die örtlich zuständigen Beamten offenbar gar nicht, wen sie da vor sich haben. Daher ergriffen sie auch zu häufig nur "Mindestmaßnahmen", woraus wiederum "regelmäßig Qualitätsdefizite" entstünden, rügten die Fachleute. So würden Datenbanken schlecht gepflegt, Kriminalakten vernachlässigt und erkennungsdienstliche Instrumente wie Fotos oder Fingerabdrücke nicht aktualisiert.

"Wir müssen die florierenden Märkte der Einbrecher nachhaltig schwächen und unattraktiv machen", sagt der stellvertretende Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Sebastian Fiedler. "Dazu gehören intensive Ermittlungen auf kriminalistisch hohem Niveau. Und wir müssen viel stärker als bislang den Absatz der Beute stören."

Doch in der Praxis scheitert die Strafverfolgung zuweilen schon an Fragen der Zuständigkeit. Ein Mordermittler aus NRW, der mitbekam, wie ein rumänischer Clan Woche für Woche Zehntausende Euro zusammenstahl, versuchte daraufhin, seine örtlichen Kollegen einzuschalten. Doch die waren an dem Fall nicht interessiert: "Die wohnen doch bloß hier", bekam der Hauptkommissar zu hören, "die klauen ja woanders." In den Präsidien an den Tatorten wiederum argumentierten die Beamten genau andersherum.

Der Kriminalist gab dann auf. Die Bande machte weiter.