Einsatz am Horn von Afrika Im Helikopter auf Piratenjagd

Seine Mannschaft hat zwei Piratenangriffe am Horn von Afrika vereitelt. Mit SPIEGEL ONLINE spricht Fregattenkapitän Hans Kuhfahl über die spektakuläre Hilfsaktion der "Karlsruhe" im Golf von Aden - und indische Kollegen, die gerade ein Seeräuberschiff versenkt haben.


SPIEGEL ONLINE: Sie haben als Kapitän der Fregatte "Karlsruhe" in den vergangenen Tagen mit zwei spektakulären Rettungsaktionen für Furore gesorgt: Erst eilten Sie dem äthiopischen Handelsschiff "Andinet" zur Hilfe, das von Piraten attackiert wurde. Dann vereitelten Sie einen weiteren Überfall auf den britischen Tanker "Trafalgar". Wie ist die Stimmung an Bord nach solchen Heldentaten?

Hans Kufahl: Die Stimmung ist angespannt, aber gut.

SPIEGEL ONLINE: Wann erreichte Sie der Notruf des britischen Tankers?

Kufahl: Wir fuhren etwa 650 Kilometer nordöstlich von Dschibuti durch den Golf von Aden, als wir am frühen Morgen einen energischen Hilferuf von der "Trafalgar" erhielten. Es war sehr viel Aufregung an Bord des Tankers, die Mannschaft nervös, so dass es eine Weile brauchte, bis klar war, was eigentlich geschehen war.

SPIEGEL ONLINE: Piraten waren dabei, den Tanker zu kapern. Wie haben Sie reagiert?

Kufahl: Ich habe mich sofort entschlossen, Nothilfe zu leisten, wie es uns gesetzlich erlaubt ist. Die "Karlsruhe" befand sich 19 nautische Meilen von der "Trafalgar" entfernt - ich habe deshalb unseren Helikopter zu dem Tanker geschickt. Acht oder neun Schnellboote hatten das Schiff umzingelt. Die "Trafalgar" versuchte zunächst, durch Kurs- und Fahrtänderungen die Verfolger abzuschütteln - vergeblich. Die Piraten versuchten, das Schiff zu entern.

SPIEGEL ONLINE: Waren die Angreifer bewaffnet?

Kufahl: Ja, die "Trafalgar" meldete uns, dass der Besetzung Waffengewalt angedroht worden sei. Welche Waffen die Piraten hatten, weiß ich nicht. Vermutlich waren es Handfeuerwaffen.

SPIEGEL ONLINE: Was geschah dann?

Kufahl: Als die Piraten unseren Hubschrauber entdeckten, sind sie sofort geflohen.

SPIEGEL ONLINE: Wer befindet sich bei solchen Einsätzen außer dem Piloten an Bord des Helikopters?

Kufahl: Ein zweiter Pilot und ein weiterer Soldat.

SPIEGEL ONLINE: Sind die Helikopter mit Waffen ausgerüstet?

Kufahl: Unsere Hubschrauber sind ständig bewaffnet, über die Waffensysteme an Bord möchte ich aber nichts sagen.

SPIEGEL ONLINE: Würden Sie solche Einsätze gegen Seeräuber als besonders gefährlich bezeichnen?

Kufahl: Für eine Fregatte stellt ein Pirat keine Gefahr dar, weil die Fregatten in der Regel gut bewaffnet sind. Bei einem Handelsschiff ist das natürlich etwas ganz anderes. Die sind zu 90 Prozent unbewaffnet und können sich schlecht zur Wehr setzen.

SPIEGEL ONLINE: Gerade hat eine indische Fregatte vor der Küste Somalias ein Piratenschiff versenkt, das das Marineschiff angegriffen hatte. Dürfen auch Sie bei akuter Bedrohung das Feuer erwidern?

Kufahl: Ich handele im Rahmen der Nothilfe, das ist ein humanistischer Gedanke, der auf der ganzen Welt Gültigkeit hat: Wenn jemand in Gefahr ist, dann helfe ich. Gleichwohl werden wir immer angemessen auf die Aktionen der Gegenseite reagieren - auch wenn wir beschossen werden.

SPIEGEL ONLINE: Was halten Sie von der Forderung der Reeder, nur noch mit Begleitschutz den Golf von Aden zu passieren?

Kufahl: Ich halte einen gewissen Schutz auf Handelsschiffen für durchaus vernünftig, auch wenn er in der Regel viel Geld kostet. Das ist aber meine ganz private Meinung.

Moderne Piraten - Gefahr am Horn von Afrika
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Maschinengewehre statt Enterhaken
Fernab aller Seeräuberromantik ist die moderne Piraterie eine Form der organisierten Kriminalität. Nach dem Seerechtsübereinkommen von 1982 gelten als Piraterie räuberische oder erpresserische Überfälle auf Schiffe auf hoher See. Angriffe innerhalb nationaler Hoheitsgewässer werden als Strandpiraterie bezeichnet.

Am gefährlichsten sind die Gewässer vor Afrika. Somalia, Nigeria und Tansania sind Schwerpunkte der Angriffe. Vor der Küste Somalias operieren Piraten oft von Mutterschiffen aus, von denen sie auf pfeilschnellen Booten mit Maschinenpistolen und Panzerfäusten bewaffnet zu Raubzügen aufbrechen. Die gekaperten Schiffe werden dann vor die Küste gebracht.
Piratennest Puntland
Puntland ist eine Region am Horn von Afrika, rund 212.000 Quadratkilometern groß, 2,4 Millionen Einwohner. Vor zehn Jahren erklärte sich der trockene Landstrich zum autonomen Teilstaat von Somalia. Tonangebend sind die Stammesstrukturen der Darod, die dort ihr Hauptsiedlungsgebiet haben. Zwei Drittel der Menschen hier sind Nomaden, nahezu alle sunnitische Muslime. Einst lebten sie vom Fischfang vor der 1300 Kilometer langen Küste am Indischen Ozean sowie der Zucht von Kamelen, Schafen und Ziegen.

Gemessen an somalischen Verhältnissen galt die Region bisher als stabil, nach Selbstmordanschlägen auf Regierungsgebäude im Oktober wird aber befürchtet, islamistische Terroristen könnten auch im Puntland Fuß fassen. Inzwischen herrscht auch hier weitgehende Gesetzlosigkeit. Kriminelle Banden verdienten viel Geld mit dem Schmuggel von Flüchtlingen aus Somalia und Äthiopien auf die arabische Halbinsel. Dazu kommen Piratenüberfälle. Die Machthaber von Puntland wurden wiederholt beschuldigt, die Piraten zu unterstützen und einen Teil des Lösegeldes für Schiffe und Besatzungsmitglieder selbst zu kassieren.
Stützpunkte
Das berüchtigtste Piratennest ist Eyl. Gegenwärtig haben Piraten laut Amnesty International nahe der Küstenstadt mehr als 130 Menschen als Geiseln genommen. Insgesamt befinden sich in der Region noch knapp 250 Seeleute und Dutzende Schiffe in der Gewalt der Piraten. Verhandlungen über Lösegeld laufen vielfach.
Lukratives Geschäft
Piraterie in somalischen Gewässern hat sich in den vergangenen Jahren zu einem lukrativen Geschäftszweig ausgeweitet: Erfolgreiche Entführungen bringen nach Schätzungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Lösegelder in Höhe von einer bis fünf Millionen US-Dollar. Der fast 20 Jahren tobende Bürgerkrieg und die damit einhergehende Verarmung und Militarisierung Somalias haben den Angriffen den Nährboden bereitet.
Zunehmende Entführungen
Somalischen Piraten gelingt es immer häufiger, Schiffe in ihre Gewalt zu bringen. Einem Anfang November veröffentlichten Uno-Bericht zufolge wurden trotz des Einsatzes der internationalen Flotte vor der Küste Somalias in den ersten neun Monaten 2011 37 Schiffe gekapert - im Vorjahreszeitraum waren es noch 33.

Es sei "erschreckend", dass die Piraten mittlerweile 438 Besatzungsmitglieder und Passagiere sowie 20 Schiffe in ihrer Gewalt hätten, sagte der Uno-Untergeneralsekretär B. Lynn Pascoe. Es müsse mehr getan werden, um die Ursachen von Raubüberfälle und Entführungen zu beseitigen.

Doch noch ist von einer Lösung keine Spur, im Gegenteil: Die Angriffe werden brutaler. Am 7. November 2011 erschossen somalische Piraten einen Mann, der die von ihnen gekaperte Yacht nicht verlassen wollte. Die anderen Geiseln - darunter eine Frau und ein Junge - wurden Augenzeugen zufolge an Land gebracht. Bislang kam die Tötung von Geiseln selten vor.
Folgen für Reedereien
Die zunehmenden Angriffe haben die Einfahrt ins Rote Meer bereits so unsicher gemacht, dass erste Reedereien Schiffe nicht mehr von dort durch den Suez-Kanal, sondern auf die weit längere Route um das Kap der Guten Hoffnung schicken. So sollen extrem hohe Versicherungsprämien wegen des Piraten-Risikos oder Kosten für eigene Sicherheitsmannschaften an Bord vermieden werden.

Britische Reedereien und Versicherer haben die Idee einer Privatarmee erneut in die öffentliche Diskussion gebracht.
Anti-Piraten-Missionen
Internationale Streitkräfte versuchen im Rahmen der NATO-Mission "Ocean Shield" und der EU-Mission "Atalanta", die Piraterie zu bekämpfen. Doch während die Kriegsschiffe im besonders gefährdeten Golf von Aden zwischen Somalia und Jemen patrouillieren, haben die Seeräuber ihren Aktionsradius zunehmend auf den Indischen Ozean verlagert. Manchmal gelingen allerdings auch Erfolge: Im April 2010 konnte die niederländische Fregatte "Tromp" den deutschen Frachter "Taipan" aus der Hand von Piraten befreien.
Das Interview führte Annette Langer

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Robert B., 18.11.2008
1. Kriegsschiffe
Die gleichen Massnahmen wie seit 5 Jahrhunderten. Kriegsschiffe auf Piratenjagd schicken. Sehr viel sinnvoller als der Afganistaneinsatz der BW.
dcl 18.11.2008
2.
---Zitat--- Die US-Marine erklärte, die meisten Attacken der vergangenen Monate hätten durch "Sicherheitsteams an Bord" abgewehrt werden können. ---Zitatende--- Genau. Diese Sicherheitsteams werden natürlich von internationalen Sicherheitsunternehmen wie Blackwater o.ä. gestellt, in welchen die Spezialisten der US Navy nach ihrer militärischen Karriere ihr Brot verdienen. Handelsschiffe sind weder auf Verteidigung noch auf Angriff gebaut und bei zwei Millionen Barrel Öl möchte ich mir den Beschuss mit sog. reaktiven Panzerbüchsen (Panzerfaust) nicht vorstellen. Sicherheitsteams führen zur Eskalation auf den Handelsschiffen. Wozu gibt es bitte Kriegsschiffe? Die sind genau für solche Operationen gebaut worden und sind personell auf kriegerische Maßnahmen eingestellt. Dieses Rumgeeiere, auch von Seiten der Bundesmarine, ist zum heulen. Haben die Jungs Angst, dass ihre teuren Spielzeuge Kratzer bekommen könnten?
Interessierter0815 18.11.2008
3.
Zitat von sysopDie Kaperung des Super-Tankers weit vor der Küste Somalias zeigt: Das Problem der Piraterie wird für die internationale Seefahrt immer bedrohlicher. Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um den Seehandel wieder sicher zu machen?
Die Welt am techn. Fortschritt teilnehmen lassen? Erst klauen wir die Rohstoffe der Länder und dann flennen wir noch, das sie sich wehren.
yato, 18.11.2008
4. Da war die Realität wieder mal schneller als Hollywood
Zitat von Robert B.Die gleichen Massnahmen wie seit 5 Jahrhunderten. Kriegsschiffe auf Piratenjagd schicken. Sehr viel sinnvoller als der Afganistaneinsatz der BW.
scheint ja nicht sehr viel gebracht zu haben seit 5 jahrhunderten, oder hatten piraten in der weltgeschichte schon jemals so einen dicken fisch an der angel? mit der zivilisierung hat das übrigens wohl doch nicht so gut geklappt - sind wir jetzt eigentlich wieder im mittelalter? ...man mag sich gar nicht vorstellen was mit so einem riesentanker voll öl alles möglich wäre, wenn die piraten durchdrehen...
TranceData, 18.11.2008
5.
Piraten wurden früher von der Marine versenkt. Also: Back to the roots...
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