Einsatz vor Somalia Kanadische Marine lässt Piraten nach nächtlicher Jagd frei

Es war eine stundenlange Jagd in finsterer Nacht, doch der Zerstörer der kanadischen Marine ließ nicht locker - am Ende erwischten die Nato-Soldaten die somalischen Piraten, die einen norwegischen Tanker angegriffen hatten. Doch der Triumph währte nur kurz.

New York/Ottawa - Ihren Erfolg durfte die kanadische Marine am Sonntag nur kurz genießen. Die Nato-Soldaten wehrten einen Anschlag somalischer Piraten auf den norwegischen Tanker "MV Front Ardenne" ab.

Hände hoch: Piraten und Geiseln, kurz bevor Nato-Marine-Soldaten an Bord gehen

Hände hoch: Piraten und Geiseln, kurz bevor Nato-Marine-Soldaten an Bord gehen

Foto: REUTERS

Nach Angaben des US-Nachrichtensenders ABC hatten die Piraten das 80.000-Tonnen-Schiff der Norweger in der Nacht mit Maschinengewehren und Granaten attackiert. Ein Sprecher der kanadischen Marine berichtete, dass die Piraten nach dem vereitelten Angriff geflohen waren und ihre Waffen zurückgelassen hatten.

Der Zerstörer "Winnipeg" sei ihnen aber auf den Fersen geblieben und habe sie in der Dunkelheit über Stunden verfolgt. An der Jagd beteiligte sich nach Angaben des britischen Senders BBC auch die US-Marine. Die Kanadier nahmen die Piraten vorübergehend fest - und mussten sie kurz darauf wieder freilassen. Der Grund: Ihre strafrechtliche Verfolgung ist nach kanadischem Gesetz nicht zugelassen.

Ebenso erging es am Samstag Einsatzkräften der niederländischen Marine, nachdem diese einige Piraten festgesetzt hatten. Zudem befreiten die Niederländer bei ihrem Einsatz mehr als ein Dutzend jemenitische Fischer, deren Boot von den Seeräubern aufgebracht und als "Mutterschiff" benutzt worden war, um weiter von der Küste entfernt agieren zu können.

Zu spät kamen die Nato-Helfer in einem anderen Fall: Ein belgisches Schiff wurde von den Seeräubern gekapert. Bei den Besatzungsmitgliedern auf dem belgischen Schiff "Pompei" handelt es sich Nato-Angaben zufolge um zwei Belgier, einen Niederländer, drei Philippiner und vier Kroaten. Das Schiff habe am Samstagmorgen im Indischen Ozean einige hundert Kilometer vor den Seychellen dreimal Alarm gegeben, dass es Angriffen ausgesetzt sei, hieß es. Die "Pompei" hat Steine und Beton geladen und war auf dem Weg zu den Seychellen.

Die Piraten lenkten das entführte Schiff am Samstagabend Richtung Norden zur somalischen Küste. Ein spanisches sowie zwei französische Kriegsschiffe brachen in das Gebiet auf, um die "Pompei" abzufangen. In Brüssel kamen Regierungsvertreter zu einem Krisentreffen zusammen.

Philippiner bekommen Fahrverbot für Somalias Küste

Angesichts der häufigen Piratenangriffe vor Somalias Küste hat die philippinische Staatschefin Gloria Arroyo Seefahrern ihres Landes Fahrten in die gefährliche Region verboten. Arroyo habe eine Reihe von Anordnungen erlassen, die den Einsatz philippinischer Seeleute auf Seerouten mit häufigen Piratenangriffen untersage, teilte ihr Sprecher am Sonntag in Manila mit. Zur Umsetzung der Anordnungen machte er keine Angaben. Arroyos Berater Eduardo Ermita hatte vergangene Woche eingeräumt, dass ein derartiges Verbot möglicherweise nicht greife, da philippinische Seeleute die Behörden nicht über die Routen ihrer Schiffe informieren müssten.

Arroyo ordnete nach Angaben ihres Sprechers zudem verstärkte Bemühungen um die mehr als hundert Philippiner an, die sich in der Gewalt somalischer Piraten befinden. Die Regierung in Manila hatte vergangene Woche mitgeteilt, dass 17 seit Mitte März gefangen gehaltene philippinische Geiseln freigekommen seien.

Seit Jahresbeginn haben Piraten vor Somalia schon mehr als 80 Schiffe angegriffen. 18 davon sowie mehr als 310 Besatzungsmitglieder halten sie derzeit noch fest.

Moderne Piraten - Gefahr am Horn von Afrika

ffr/AP/AFP/dpa
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