Eislingen-Prozess Angeklagter gesteht Mord an Familie seines Freundes

Überraschende Wende im Prozess um den Mehrfachmord von Eislingen: Der 19-jährige Frederik B. hat gestanden, die Tat allein begangen zu haben. Sein Freund Andreas H., Sohn der getöteten Familie, soll ihn dazu aufgefordert haben.


Ulm - Im Prozess um den Vierfachmord von Eislingen hat Frederik B. gestanden, die Tat allein begangen zu haben. Ihm und Andreas H., dem Sohn der Familie, wird vorgeworfen, die Eltern und die beiden Schwestern erschossen zu haben. "Unter anderem erklärte er, auf Bitten von Andreas H. die 30 Schüsse auf dessen Familienmitglieder abgegeben zu haben", teilte das Landgericht Ulm am Mittwoch in einer Pressemitteilung nach Verhandlungsende mit.

Zuvor hatte sich der 19-Jährige vor Gericht zu dem Einbruch in die Schützengilde in Eislingen geäußert, bei dem die zwei Angeklagten unter anderem die beiden Tatwaffen gestohlen haben sollen. Die Waffen seien bei dem Einbruch im Oktober 2008 unabhängig von dem späteren Mord entwendet worden, sagte Anwalt Klaus Schulz in einer Verhandlungspause. Die Jugendlichen seien in den Wald gegangen, um dort das Schießen zu üben.

Anschließend legte der 19-Jährige am Mittwoch ein unerwartetes Geständnis ab: Er sei der alleinige Täter bei dem Vierfachmord. "Mit dem Motiv tut er sich ganz arg schwer", sagte Schulz. Nach wie vor gebe es keinen eindeutigen Grund für die Tat. Der Anwalt erklärt sie damit, dass der 19-Jährige in einem Abhängigkeitsverhältnis zu dem Sohn der getöteten Familie gestanden habe. "Er hat ein neutrales Verhältnis zu den Eltern und Schwestern gehabt und weder die Eltern noch Schwestern gehasst." Er habe auch nichts von dem Geld der Familie gewusst, das in der Schweiz angelegt gewesen sei und an das Andreas H. laut Anklage kommen wollte.

Bei der Polizei hatte der 19-Jährige früheren Angaben zufolge noch gesagt: "Wir waren das zusammen." Der Sohn der Familie wollte sich bislang nicht äußern.

30 Schüsse abgegeben

Der 57-jährige Heilpraktiker Hansjürgen H. und seine 55-jährige Frau Else sowie deren 22 und 24 Jahre alten Töchter waren am 9. April dieses Jahres in ihrem Wohnhaus mit insgesamt 30 Schüssen ermordet worden.

Am ersten Prozesstag hatten die Verteidiger bereits Geständnisse der Angeklagten angekündigt. Frederik B. hatte die Tat schon bei der Polizei gestanden. Laut Anklage wollte Andreas H. zu Hause ausziehen und das Vermögen seiner Eltern - 256.000 Euro - erben und seinen Freund beteiligen.

Der Sohn der getöteten Familie, Andreas H., wollte sich zunächst noch nicht zu den Vorwürfen äußern, wie sein Anwalt Hans Steffan sagte. Hintergrund sei, dass das psychiatrische Gutachten noch nicht vollständig vorliege. Andreas H. hatte sich erst kurz vor Prozessbeginn bereiterklärt, mit dem Psychiater zu sprechen.

Das Urteil wird voraussichtlich am 27. Januar 2010 verkündet. Bei der Aussage B.s am zweiten Verhandlungstag Mitte Oktober war es vor allem um Einbrüche und Diebstähle gegangen, die beide zusammen begangen haben sollen, als sie noch nicht volljährig waren. Im Sommer 2007 seien sie in eine Schule in Eislingen eingebrochen und hätten einen Computer und einen Beamer entwendet, hieß es. Ferner seien sie zweimal in ein Vereinsheim und im Herbst 2008 in einen Supermarkt eingebrochen. In dem Discounter stahlen sie laut Anklage einige hundert Euro sowie Alkohol.

jjc/AP/dpa



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