Ekelfunde Papst-Caterer unter Gammelfleisch-Verdacht

Lebensmittelkontrolleure haben neue Ekelware entdeckt: Diesmal ist nicht nur Fleisch betroffen, sondern auch Fisch, Backwaren und Gemüse. Auch ein Catering-Unternehmen, das den Papst bewirtete, steht unter Gammelfleisch-Verdacht - die Firma bestreitet die Vorwürfe.


Frankfurt am Main/Würzburg - Heute wurde bekannt, dass ein unter Gammelfleisch-Verdacht geratenes Catering-Unternehmen aus Bad Windsheim während des Papstbesuchs hohe kirchliche Würdenträger und Pilger bewirtete. Hinweise, ob dem Papst sowie den Bischöfen, Kardinälen, Priestern, Prominenten, Journalisten und Kirchenmusikern bei der Regensburger Papstmesse auch verdorbenes Fleisch serviert wurde, gebe es bislang aber nicht, teilte die Staatsanwaltschaft Regensburg heute mit. Allerdings soll Benedikt XVI. sein Frühstück von der Firma erhalten haben.

Gammelfleisch in Frankfurter Kühlhaus: "Die Betreiber haben den Überblick verloren"
DPA

Gammelfleisch in Frankfurter Kühlhaus: "Die Betreiber haben den Überblick verloren"

Die Firma bestreitet alle Vorwürfe und warf Polizei und Staatsanwaltschaft Falschinformation der Öffentlichkeit vor. Demnach sei das von der Polizei beanstandete Fahrzeug ordnungsgemäß gekühlt gewesen, die Ware hätte in Bad Windsheim entsorgt werden sollen. Anders lautende Angaben des Fahrers gegenüber der Polizei seien falsch, heißt es.

Die Polizei hatte am Montag einen überladenen Transporter des Unternehmens gestoppt, der mehr als eine halbe Tonne verdorbene Fleisch- und Fischerzeugnisse geladen hatte. Bei der Papstmesse versorgte das Unternehmen nach eigenen Angaben rund 7000 Menschen.

Auf Veranlassung der Ermittlungsbehörde sei das Festzelt der Firma auf der Papstwiese gestern noch einmal von einem Veterinär untersucht worden. Dabei seien keine ungenießbaren Lebensmittel entdeckt worden, sagte der Leitende Regensburger Oberstaatsanwalt Johann Plöd.

Dagegen hätten Lebensmittelkontrolleure bei einer Untersuchung der Bad Windsheimer Firmenräume Indizien gefunden, "die zu einer Einschaltung der Staatsanwaltschaft geführt haben", sagte ein Ministeriumssprecher. Es seien dort Lebensmittel gefunden worden, "bei denen man nicht sicher sein konnte, ob man sie in den Verkehr bringen kann", deutete der Sprecher an.

Auch in anderen Teilen Deutschlands wurde am Donnerstag neues Gammelfleisch entdeckt. In einer Lagerhalle in Baden-Württemberg tauchten mindestens 10 Tonnen Fleisch auf, das teilweise schon seit 1999 abgelaufen ist. Insgesamt wurden dort 40 Tonnen Wildfleisch kontrolliert, wie das Landratsamt in Offenburg mitteilte. Größere Mengen verdorbenen Fleisches wurden in einem Tiefkühllager in Gotha entdeckt. Nach ersten Ermittlungen war das frisch nicht verkäufliche Fleisch erst kurz vor dem endgültigen Verderben eingefroren worden, teilte das Thüringer Gesundheitsministerium mit. Das Lager wurde gesperrt, die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Gammelfleisch, Gammelfisch, Gammelbrot

Vor wenigen Tagen hatte das Veterinäramt in Frankfurt am Main 25 Tonnen verdorbenes Rind- und Schweinefleisch aus Litauen und aus Frankreich sichergestellt. Bei der Räumung des mittlerweile geschlossenen Kühlhauses stieß die Behörde jetzt auf weitere möglicherweise verdorbene Lebensmittel.

Von 170 Tonnen überprüfter Ware seien 90 Tonnen Fleisch sowie kleinere Mengen Fisch, Backwaren und Gemüse wegen erkennbarer Veränderungen zur weiteren Untersuchung sichergestellt worden, teilte das Frankfurter Gesundheitsdezernat mit. "Die Betreiber haben den Überblick verloren, was da noch liegt", sagte Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann (Grüne).

Im rund hundert Kilometer entfernten Würzburg entdeckten Ermittler 17 Tonnen verdorbene Lebensmittel. Deren Haltbarkeitsdatum war teilweise erheblich überschritten und habe zum Teil deutliche Anzeichen von Gefrierbrand und Verderbnis aufgewiesen, so ein Sprecher. Wie erst jetzt bekannt wurde, sei die Ware bereits am Freitag gefunden und der Betrieb am Montag geschlossen worden. Gegen die Inhaberin sei Anzeige erstattet worden. Das Tiefkühlunternehmen hatte nach Angaben der Behörde vor allem Unternehmen in Würzburg und dem Landkreis beliefert. Nun werde geprüft, ob sich darunter auch verdorbene Ware befand.

aki/AP



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