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19. Juli 2019, 00:22 Uhr

Drogenboss

Mexiko verurteilt Haftbedingungen für "El Chapo" als "unmenschlich"

Mexikos Präsident López Obrador reklamiert das Vermögen des in den USA inhaftierten Drogenbosses "El Chapo" für sein Land. Die Haftumstände für den Kriminellen kritisierte er scharf.

Der frühere Drogenboss Joaquín Guzmán alias "El Chapo" kommt zeitlebens nicht mehr aus dem Gefängnis frei. Bei dem womöglich verbliebenen Vermögen Guzmáns geraten nun die USA und Mexiko aneinander. "Rechtlich gehören die Mittel Mexiko", sagte Mexikos Präsident Andres Manuel López Obrador.

"El Chapo" war am Mittwoch in New York zu lebenslanger Haft und zusätzlich 30 Jahren verurteilt worden. Das Gericht in Manhattan hatte von Guzmán zudem die Zahlung von 12,6 Milliarden Dollar gefordert. Dies sei eine "konservative Schätzung" der Summe, die dieser aus seinen Drogengeschäften eingenommen habe, hieß es von der Staatsanwaltschaft.

"Das akzeptieren wir nicht ohne rechtliche Grundlage", sagte López Obrador nun. Seine Regierung werde die Angelegenheit untersuchen. Es war allerdings unklar, wie an das Geld des Ex-Drogenbosses zu kommen wäre - sofern davon überhaupt etwas übrig ist.

Die Haftbedingungen Guzmáns bezeichnete der Präsident als "unmenschlich". Strafen wie die für "El Chapo" machten das Leben nicht mehr lebenswert.

Guzmán saß vor der Verkündung des Strafmaßes in Manhattan zuletzt in einer fensterlosen Zelle ein. Berichten zufolge wurde er unmittelbar danach mit einem Helikopter aus der Stadt gebracht - vermutlich in das Hochsicherheitsgefängnis ADX Florence im US-Bundesstaat Colorado.

Die Haftanstalt, auch unter dem Namen "Alcatraz der Rocky Mountains" bekannt, gilt als sicherstes Gefängnis der USA, seit der Eröffnung im Jahr 1994 gab es keine einzige Flucht.

Im Video: Lebenslang plus 30 Jahre für "El Chapo"

Präsident López Obrador gelobte zudem, die Drogengewalt in Mexiko zu reduzieren. Dafür brauche es jedoch auch Wandel dahingehend, dass die Gesellschaft weniger auf materiellen Wohlstand fixiert sei.

Schätzungen zufolge starben im vergangenen Jahr mehr als 30.000 Menschen im Zusammenhang mit Drogenkriminalität - so viele wie nie zuvor.

fek/dpa/Reuters

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