Aussage im "El Chapo"-Prozess Mexikos Ex-Präsident soll Schmiergeld angenommen haben

Im Prozess gegen den ehemaligen Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán hat ein Zeuge Vorwürfe gegen Mexikos früheren Präsidenten erhoben: Enrique Peña Nieto soll mit 100 Millionen Dollar bestochen worden sein.

Mexikos Ex-Präsident Enrique Peña Nieto
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Mexikos Ex-Präsident Enrique Peña Nieto


Mexikos Ex-Präsident Enrique Peña Nieto soll von internationalen Drogenhändlern ein Bestechungsgeld in Höhe von 100 Millionen Dollar erhalten haben. Das hat ein Zeuge im Prozess gegen Joaquín "El Chapo" Guzmán behauptet.

In dem Bundesgericht im New Yorker Stadtteil Brooklyn hatte der kolumbianische Drogenbaron Alex Cifuentes ausgesagt. Er soll von 2007 bis 2013 eng mit "El Chapo" zusammengearbeitet haben. Auf die Frage, ob er 2016 gegenüber US-Behörden angab, dass Guzmán die Bestechung arrangiert habe, antwortete Cifuentes: "Das ist richtig." Das Geld sei von einer Frau namens Maria in Mexico City geliefert worden.

Laut Cifuentes war es Peña Nieto, der zuerst den Kontakt zu "El Chapo" gesucht und dabei 250 Millionen Dollar gefordert habe. Zur Zahlung soll es demnach im Oktober 2012 gekommen sein. Da hatte Peña Nieto die Präsidentenwahl in Mexiko bereits gewonnen, das Amt aber noch nicht angetreten. Er hatte den Posten bis November 2018 inne.

Bestechungsvorwürfe gegen Peña Nieto waren bereits früher im Prozess gegen "El Chapo" zur Sprache gekommen. Damals hatte ein Sprecher des Ex-Präsidenten sie als "falsch und diffamierend" zurückgewiesen. Peña Nieto selbst hat in der Vergangenheit bereits mehrfach angegeben, keinerlei Schmiergelder von Drogenhändlern angenommen zu haben.

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Joaquín "El Chapo" Guzmán: Drogenboss vor Gericht

Joaquín Guzmán war als Anführer des Sinaloa-Kartells Mexikos mächtigster Drogenboss. Die US-Justiz wirft dem 61-Jährigen unter anderem Drogenhandel, Geldwäsche und das Führen einer kriminellen Organisation vor. "El Chapo", der dreimal gefasst wurde und zweimal entkommen konnte, hat in dem Prozess auf nicht schuldig plädiert. Bei einer Verurteilung droht Guzmán eine lebenslange Haftstrafe. Die Todesstrafe ist gemäß einer Einigung zwischen Mexiko und den USA ausgeschlossen.

Seit Beginn des Prozesses im November gab es zahlreiche Hinweise darauf, dass mexikanische und kolumbianische Beamte und Polizisten Schmiergelder erhalten haben. Die Vorwürfe gegen Peña Nieto sind die bisher schwerwiegendsten: Stimmt die Aussage, hätte Korruption durch Drogenkartelle die höchste Stufe des politischen Betriebs in Mexiko erreicht.

kmy/AP/Reuters/dpa



insgesamt 4 Beiträge
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someoneunreal 16.01.2019
1.
Den Kommentar kann man kurz halten: Mal ehrlich wundert es? México ist ein atemberaubend tolles Land, aber Korruption und co sind wie überall in Mittel-und Südamerika allgegenwärtig. Ist wie es ist. Und ändert sich auch nicht. Europa hangt dem in wenig nach - ist nur besser organisiert, was das vertuschen angeht. So what
hevopi 16.01.2019
2. Jeder, der mal in Mexico oder auch
Südamerika gearbeitet hat, weiß doch, wie dort die Machtverhältnisse strukturiert sind. Die Mafia, Großunternehmen und wichtige "Persönlichkeiten" beschäftigen ausgebildete Korruptions-Praktiker, ohne die nichts möglich ist. Die wissen genau, wer wie noch zu korrumpieren ist, um ihre Interessen durchzusetzen. In diesen Ländern ist das völlig "normal" und jeder, der es wagt, dagegen vorzugehen, lebt nicht sehr lange.
sven2016 16.01.2019
3. Tja, aber
stimmt die Aussage? Ein Drogenboss alleine gilt nicht als besonders glaubwürdig, oder?
pteranodon 16.01.2019
4.
Würde mich kein bisschen überraschen. Mexico ist am Ende. Einfach nur traurig.
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