"El Chapo"-Prozess Der Buchhalter packt aus

Tonnenweise Kokain, Korruption, Milliardengewinne: Im Prozess gegen Drogenboss "El Chapo" hat ein Ex-Mitglied des Kartells ausgesagt. Der Mann gewährte Einblicke in die kriminelle Organisation.
Zeichnung des Prozesses gegen "El Chapo"

Zeichnung des Prozesses gegen "El Chapo"

Foto: Elizabeth Williams/ dpa

Jesus Zambada ist ein gelernter Buchhalter. Dass er mit Zahlen umgehen kann, half ihm möglicherweise bei seiner kriminellen Karriere. Schließlich, erzählte er vor dem New Yorker Gericht, habe er es mit Milliardenumsätzen zu tun gehabt.

Der 57-Jährige sagte als Zeuge im Prozess gegen Joaquin "El Chapo" Guzmán aus. Als Ex-Mitglied des Kartells lieferte er Einblicke in das Drogenimperium.

Guzmán ist unter anderem angeklagt wegen Drogenhandels, Geldwäsche und dem Führen des mexikanischen Drogenkartells Sinaloa. Er soll tonnenweise Kokain und Heroin in die USA geschmuggelt und damit Milliarden verdient haben. Er soll für bis zu 3000 Morde verantwortlich sein.

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Zambada war 2008 festgenommen worden und ist noch immer in Haft. Sein Bruder Ismael "El Mayo" Zambada und Guzmán seien seit Anfang 2000 die Anführer des Sinaloa-Kartells gewesen.

Das kolumbianische Kokain sei über Land, per Flugzeug und auf dem Seeweg in die USA geschmuggelt worden. Ein Kilo Kokain sei für 3000 US-Dollar in Kolumbien gekauft - und etwa in Chicago für das Zehnfache verkauft worden, sagte Zambada.

Er selbst sei für eine Lagerhalle verantwortlich gewesen, in der jedes Jahr zwischen 80 und 100 Tonnen Kokain verarbeitet worden seien. Die Drogen hätten Milliardengewinne eingebracht.

Das Geld floss demnach auch in Korruption: "Ich habe den Flughafen in Mexiko-Stadt kontrolliert, habe die Behörden kontrolliert", sagte Zambada auf Spanisch.

Die Verteidigung hatte Zeugen wie Zambada als Lügner bezeichnet, die nur ihre eigene Strafe verkürzen wollten. Bis zu einem Urteil gegen Guzmán kann es nach Einschätzung des Gerichts noch mehrere Monate dauern. Bei einer Verurteilung droht ihm eine lebenslange Freiheitsstrafe. Die Todesstrafe ist gemäß einer Einigung zwischen Mexiko und den USA ausgeschlossen.

Seit seiner Auslieferung an die USA im Januar 2017 sitzt Guzmán in einem Hochsicherheitsgefängnis in Manhattan. In Mexiko waren dem Drogenboss zuvor mehrfach spektakuläre Gefängnisausbrüche gelungen.

jpz/AP
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