New York Eröffnungsplädoyers im Prozess gegen Drogenboss "El Chapo" verzögern sich

Fast zwei Jahre hat Joaquín "El Chapo" Guzmán im Hochsicherheitsgefängnis darauf gewartet, nun ist der Prozess gegen den Drogenboss gestartet. Schon am ersten Tag kommt es zu Ungereimtheiten.

Gericht in Brooklyn, New York City
AFP

Gericht in Brooklyn, New York City


Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen hat in New York der Prozess gegen den mexikanischen Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán begonnen. Die Eröffnungsplädoyers sind aufgrund des Ausfalls einer Geschworenen allerdings verschoben worden.

Wie die "New York Post" berichtete, präsentierte eine "ängstliche und aufgewühlte" Geschworene ein Attest, demzufolge sie nicht an dem Prozess teilnehmen könne. Der New Yorker Richter Brian Cogan verbrachte somit den Rest des Vormittags damit, mögliche Ersatzkandidaten zu interviewen.

Wie lange es dauern wird, bis ein Ersatz gefunden wird, ist bisher unklar. Bei strömendem Regen hatten sich schon am frühen Morgen Dutzende Reporter und Schaulustige vor dem Gericht angestellt, um einen Platz im Saal zu bekommen.

Die US-Justiz wirft dem wegen seiner Körpergröße von etwas mehr als 1,60 Meter "El Chapo" (Der Kurze) genannten Guzmán unter anderem Drogenhandel, Geldwäsche und das Führen einer kriminellen Organisation - des mexikanischen Drogenkartells Sinaloa - vor. Er soll tonnenweise Kokain und Heroin in die USA geschmuggelt und damit Milliarden verdient haben. Zudem soll er für bis zu 3000 Morde verantwortlich sein.

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Joaquín "El Chapo" Guzmán: Zweimal entflohen, nun vor Gericht

Bis zu einem Urteil kann es nach Einschätzung von Richter Brian Cogan noch mehrere Monate dauern. Die zwölf Geschworenen in "El Chapos" Prozess waren am Mittwoch nach tagelangen Beratungen bestimmt worden. Mehrere Kandidaten wurden vom Jury-Dienst entlassen, weil sie um ihr Leben fürchteten. Ein Kandidat erlitt eine Panikattacke. Die Namen aller Geschworenen werden unter scharfen Sicherheitsmaßnahmen anonym gehalten. Sie werden teilweise von der Außenwelt isoliert und jeden Verhandlungstag von bewaffneten Bundespolizisten zum Gericht begleitet.

16 Zeugen sind geladen

Bei einer Verurteilung droht Guzmán eine lebenslange Haftstrafe. (Lesen Sie hier eine ausführliche Analyse.) Die Todesstrafe ist gemäß einer Einigung zwischen Mexiko und den USA ausgeschlossen.

Seit seiner Auslieferung an die USA im Januar 2017 sitzt Guzmán in einem Hochsicherheitsgefängnis in Manhattan. In Mexiko waren dem Drogenboss zuvor mehrfach spektakuläre Gefängnisausbrüche gelungen.

Rund ein Dutzend Staatsanwälte arbeiten an dem Fall. 16 Zeugen - darunter mexikanische und kolumbianische Dealer, die in US-Gefängnissen sitzen - haben sie in Stellung gebracht, um gegen "El Chapo" auszusagen. Guzmán hat mehrere Starverteidiger engagiert. Das Gericht in Brooklyn gilt als Institution im Kampf gegen das organisierte Verbrechen. Der Drogenkrieg in Mexiko tobt allerdings auch ohne "El Chapo" weiter.

tin/dpa/AP/AFP



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