Prozess gegen Ex-Drogenboss Geschworenen-Kandidat bittet "El Chapo" um Autogramm

Im Prozess gegen Joaquín "El Chapo" Guzmán werden derzeit die Geschworenen ausgewählt. Mehrere Kandidaten wurden bereits nach Hause geschickt - einer, weil er angab, "ein bisschen Fan" des Ex-Drogenbosses zu sein.

"El Chapo" bei seiner Auslieferung in die USA im Januar 2017
AFP/INTERIOR MINISTRY OF MEXICO

"El Chapo" bei seiner Auslieferung in die USA im Januar 2017


Die Jury-Auswahl im Prozess gegen den ehemaligen mexikanische Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán ist in New York in die zweite Runde gegangen. Für den 13. November sind die Eröffnungsplädoyers geplant - bis dahin müssen die zwölf Geschworenen und ihre sechs Ersatzkandidaten ausgewählt sein. Die Jury soll dann aus Sicherheitsgründen anonym über Guzmáns Schicksal entscheiden.

Zur Auswahl standen ursprünglich rund hundert Kandidaten. Knapp 30 von ihnen wurden bereits aussortiert, darunter beispielsweise zwei Frauen, die Sorgen vor möglichen Vergeltungsmaßnahmen des Sinaloa-Drogenkartells geäußert hatten. Guzmán war lange Chef des Kartells.

Am Dienstag wurde zudem bekannt, dass einer der Geschworenen-Kandidaten um ein Autogramm des Angeklagten gebeten hatte. Der im kolumbianischen Medellín geborene, aber seit 20 Jahren in New York lebende Mann hatte über einen Vollzugsbeamten um das Autogramm gebeten. Als der Richter ihn am Dienstag nach dem Grund fragte, sagte er: "Weil ich ein bisschen Fan bin."

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Während Guzmán auf der Anklagebank grinste, wurde der Kandidat von der Liste gestrichen. Ein Anwalt des Angeklagten, Jeffrey Lichtman, hatte sich zuvor dafür eingesetzt, dass der Mann in der Jury verbleiben darf: "Ich habe das Autogramm von Charles Manson und von zwei Hamas-Führern, und selbstverständlich bin ich kein großer Fan von ihnen."

Am Montag hatte der Geschworenen-Kandidat bereits gesagt, dass er Krimiserien liebe und sich aufgrund seiner Herkunft bestens mit dem Thema Drogenhandel auskenne - sein Urteil als Geschworener werde dies aber nicht beeinflussen, versicherte er. Medellín war unter dem 1993 gestorbenen Drogenboss Pablo Escobar Zentrum des weltweiten Kokain-Handels.

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Aus Sicherheitsbedenken findet die Juryauswahl im kleinen Kreis statt - neben Richter Brian Cogan, Verteidigung und Staatsanwaltschaft sind nur fünf Journalisten zugelassen, die anschließend die anderen Medien informieren müssen. Zu groß waren die Bedenken, Mitglieder des Sinaloa-Kartells könnten sich unter die Journalisten mischen.

In dem auf vier Monate angesetzten Mammutverfahren in New York muss sich der 61-jährige Guzmán unter anderem wegen Drogenhandels, Geldwäsche und des Führens einer kriminellen Organisation verantworten. Laut Anklage soll das mexikanische Sinaloa-Kartell unter seiner Führung zwischen 1989 und 2014 fast 155 Tonnen Kokain und große Mengen andere Drogen in die USA geschmuggelt haben. Zudem soll Guzmán für bis zu 3000 Morde verantwortlich sein.

Dem Angeklagten droht eine lebenslange Haft. Die Todesstrafe ist nach einer Einigung zwischen Mexiko und den USA ausgeschlossen. Guzmán war im Januar 2017 - nach zweimaliger Flucht aus der Haft in Mexiko - an die USA ausgeliefert worden und sitzt seitdem in einem Hochsicherheitsgefängnis in Manhattan.

aar/dpa/AFP/Reuters

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