"El Chapo"-Prozess Staatsanwaltschaft wirft Guzmán "blutigen Krieg" vor

In New York hat der Prozess gegen Joaquín Guzmán begonnen. Die Staatsanwaltschaft erhebt schwerste Vorwürfe gegen den Ex-Drogenboss. Die Verteidigung sieht in ihm einen "Sündenbock".

Gerichtszeichnung von Guzmán (M.)
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Gerichtszeichnung von Guzmán (M.)


Mit einem "blutigen Krieg" hat Joaquín "El Chapo" Guzmán nach Ansicht der Staatsanwaltschaft über Jahrzehnte ein "riesiges Drogenschmuggel-Imperium" verteidigt. Hunderte Menschen seien in dieses Kartell verwickelt gewesen, aber Guzmán sei ein Chef gewesen, der die Dinge auch selbst in die Hand genommen habe. Das sagte Staatsanwalt Adam Fels am Dienstag vor Gericht in New York in seinem Eröffnungsplädoyer zum Auftakt des Mammutprozesses gegen den einst mächtigsten Drogenboss der Welt.

Wenn "El Chapo" jemanden loswerden wollte, habe er Auftragskiller gebeten, oder selbst geschossen, sagte Fels. Die US-Regierung habe so viel Kokain von Guzmáns Imperium beschlagnahmt, dass sie theoretisch jedem US-Bürger - mehr als 300 Millionen Menschen - eine Prise abgeben könnte.

So argumentiert Guzmáns Verteidigung

Die Verteidigung wies die Vorwürfe zurück. Guzmán werde als der größte Drogenhändler der Weltgeschichte dargestellt, aber das sei "nicht wahr", sagte Anwalt Jeffrey Lichtman. Sein Klient habe das Scheinwerferlicht genossen, in Wirklichkeit aber "gar nichts kontrolliert". Der eigentliche Boss des Sinola-Kartells sei Guzmáns früherer Partner Ismael "El Mayo" Zambada gewesen.

Dieser habe auch früheren und dem derzeitigen Präsidenten Mexikos Schmiergeld in Millionenhöhe bezahlt, damit sich diese nicht in die Geschäfte des Kartells einmischten. Sein Mandant Guzmán dagegen sei lediglich der "Sündenbock", sagte Lichtman. "Warum braucht die mexikanische Regierung einen Sündenbock? Weil sie zu viel Geld bekommt, indem sie von den Chefs der Drogenkartelle bestochen wird."

Mexikos Präsident Peña Nieto wies die Vorwürfe umgehend zurück. "Die Regierung von Enrique Peña Nieto hat den Kriminellen Joaquín Guzmán verfolgt, gefasst und ausgeliefert. Die Behauptungen seines Anwalts sind komplett falsch und diffamierend", schrieb der mexikanische Regierungssprecher Eduardo Sánchez auf Twitter. Auch Mexikos Ex-Präsident Felipe Calderón wies die Anschuldigungen zurück. "Weder er noch das Sinaloa-Kartell, noch irgendjemand anderes hat Zahlungen an mich geleistet", schrieb er auf Twitter.

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Der Prozess gegen Guzmán hatte am Dienstag unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen im New Yorker Stadtteil Brooklyn begonnen. Bei strömendem Regen hatten sich schon am frühen Morgen Dutzende Reporter und Schaulustige vor dem Gericht angestellt, um einen Platz im Saal zu bekommen. Guzmán verfolgte den Prozessauftakt mit spanischer Simultanübersetzung im Ohr und stoischem Gesichtsausdruck von der Anklagebank aus. Seine Ehefrau, die frühere Schönheitskönigin Emma Coronel, war ebenfalls in den Gerichtssaal gekommen.

Die Eröffnungsplädoyers hatten sich zunächst verzögert, weil zwei der in der vergangenen Woche ausgewählten zwölf Jury-Mitglieder ausgetauscht werden mussten. Eine Frau hatte in einem Brief an den Richter geschrieben, sie sei zu nervös, um an dem Prozess teilzunehmen. Ein anderes Jury-Mitglied hatte angegeben, es arbeite selbstständig und der Verdienstausfall während der Prozesszeit sei zu hoch. Die Jury-Mitglieder sollen auf Anordnung des Richters Brian Cogan zu ihrer eigenen Sicherheit anonym bleiben.

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Joaquín "El Chapo" Guzmán: Zweimal entflohen, nun vor Gericht

Die US-Justiz wirft dem wegen seiner Körpergröße von etwas mehr als 1,60 Meter "El Chapo" (Der Kurze) genannten Guzmán unter anderem Drogenhandel, Geldwäsche und das Führen einer kriminellen Organisation - des mexikanischen Drogenkartells Sinaloa - vor. Er soll tonnenweise Kokain und Heroin in die USA geschmuggelt und damit Milliarden verdient haben. Zudem soll er für bis zu 3000 Morde verantwortlich sein.

Bis zu einem Urteil kann es nach Einschätzung von Richter Cogan noch mehrere Monate dauern. Bei einer Verurteilung droht Guzmán eine lebenslange Freiheitsstrafe. Die Todesstrafe ist gemäß einer Einigung zwischen Mexiko und den USA ausgeschlossen.

Seit seiner Auslieferung an die USA im Januar 2017 sitzt Guzmán in einem Hochsicherheitsgefängnis in Manhattan. In Mexiko waren dem Drogenboss zuvor mehrfach spektakuläre Gefängnisausbrüche gelungen.

aar/dpa/AFP

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