Prozess in El Salvador Frau nach Totgeburt vom Vorwurf des Mordes freigesprochen

Drei Jahre saß Evelyn Hernández in El Salvador im Gefängnis - weil sie ein Kind tot auf die Welt gebracht hatte. Nun wurde sie von der Anschuldigung des Mordes entlastet. Der Staatsanwalt hatte 40 Jahre Haft gefordert.

Evelyn Hernández (Mitte): Freiheit nach Jahren in Haft
Jose Cabezas/ REUTERS

Evelyn Hernández (Mitte): Freiheit nach Jahren in Haft


Frauen, die ihr Kind verlieren, wird in El Salvador häufig Mord zur Last gelegt. In einem aufsehenerregenden Prozess ist in dem Land nun eine junge Frau nach einer mutmaßlichen Totgeburt vom Mordvorwurf freigesprochen worden. Ein Richter in der Stadt Ciudad Delgado urteilte am Montag, dass es keine ausreichenden Beweise gegen die 21-jährige Evelyn Hernández gebe.

Die Staatsanwaltschaft hatte 40 Jahre Gefängnis gefordert. In dem zentralamerikanischen Staat herrscht ein drakonisches Abtreibungsrecht. Das Strafrecht sieht bei Abtreibungen zwischen zwei und acht Jahren Haft vor.

Staatsanwälte und Richter stufen Fälle, in denen Kinder tot zur Welt kommen oder kurz nach der Geburt sterben, aber häufig als Mord ein - darauf stehen zwischen 30 und 50 Jahre Haft. Menschenrechtsaktivisten verurteilen dies scharf.

"Ich bin glücklich", sagte die 21-jährige Hernández nach dem Freispruch. "Gott sei Dank wurde heute Gerechtigkeit gesprochen." Die fast drei Jahre, die sie bereits im Gefängnis saß, seien eine "harte Zeit" gewesen.

Hernández hatte im April 2016 in einer Toilette ein Kind zur Welt gebracht. Nach ihren Angaben war die Schwangerschaft das Resultat einer Vergewaltigung. Die junge Frau beteuert, das Baby sei bei der Geburt bereits tot gewesen. Trotzdem wurde sie festgenommen und im Juli 2017 wegen Mordes zu 30 Jahren Haft verurteilt. Das Urteil wurde aber später aufgehoben, der Fall deswegen neu verhandelt.

Weitere Frauen wegen ähnlicher Fälle im Gefängnis

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International begrüßte am Montag den Freispruch für Hernández. El Salvador müsse nun der "diskriminierenden Praxis der Kriminalisierung von Frauen" ein Ende setzen. Keine Frau dürfe wegen Mordes angeklagt werden, weil sie einen medizinischen Notfall erlitten habe.

Auch müssten die "drakonischen Regeln gegen Abtreibungen" abgeschafft werden. Derzeit sitzen in El Salvador 16 Frauen wegen Abtreibungen oder Totgeburten im Gefängnis.

jok/AFP



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