El Salvador Vergewaltigungsopfer wegen versuchter Abtreibung angeklagt

Ihr Stiefvater missbrauchte Imelda Cortez, die junge Frau brachte schließlich ein Kind zur Welt. Weil sie versucht haben soll, die Schwangerschaft abzubrechen, droht der 20-Jährigen nun eine lange Haftstrafe.

Demonstration für Frauenrechte in San Salvador (Archivbild)
AFP

Demonstration für Frauenrechte in San Salvador (Archivbild)


Es ist eines der restriktivsten Gesetze zu Schwangerschaftsabbrüchen weltweit: Im mittelamerikanischen El Salvador sind Abtreibungen unter allen Umständen verboten - selbst dann, wenn eine werdende Mutter vergewaltigt wurde oder bei der Geburt selbst sterben könnte. Zuwiderhandlungen können als Mord eingestuft und mit bis zu 50 Jahren Haft bestraft werden.

Nun beginnt in dem mittelamerikanischen Land ein Prozess gegen eine Frau, der besonders große Empörung hervorruft: Der jungen Salvadorianerin Imelda Cortez droht eine 20-jährige Freiheitsstrafe, weil sie versucht haben soll, eine Schwangerschaft abzubrechen. Wie der "Guardian" berichtet, steht sie nun wegen versuchten Mordes vor Gericht.

Demzufolge war Cortez im April vergangenen Jahres verhaftet worden, kurz nach der Geburt ihrer Tochter. Vater des Kindes ist Cortez' 70-jähriger Stiefvater, der sich an der heute 20-Jährigen immer wieder vergangen hatte - erstmals, als sie zwölf Jahre alt war. Dass er der Vater des Kindes ist, bestätigte laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International ein DNA-Abgleich.

Proteste in San Salvador (im September 2017)
AFP

Proteste in San Salvador (im September 2017)

Cortez, die in ärmlichen Verhältnissen auf dem Land aufwuchs, hatte die Schwangerschaft eigenen Angaben zufolge nicht bemerkt. Sie brachte das Kind zu Hause zur Welt, erst danach kam sie stark blutend in eine Klinik. Dort vermutete ein Arzt, die junge Mutter habe womöglich an sich selbst eine Abtreibung vornehmen wollen. Der Mediziner rief die Polizei, nach einer Woche im Krankenhaus kam Cortez ins Gefängnis.

"Das ist die extremste und skandalöseste Ungerechtigkeit gegenüber einer Frau, die ich jemals erlebt habe", sagte Cortez' Verteidigerin Bertha María Deleón. "Der Staat hat wiederholt Imeldas Opferrechte verletzt." Die 20-Jährige belaste die Situation sehr, trotzdem werde ihr psychologische Unterstützung verwehrt. Cortez beteuert ihre Unschuld.

18 Jahre Haft - weil eine Frau ihr Kind verliert

Der Stiefvater soll die junge Frau im Krankenhaus besucht und ihr damit gedroht haben, sie und weitere Familienmitglieder zu töten, sollte sie mit Behördenvertretern über den jahrelangen Missbrauch sprechen. Dem "Guardian" zufolge hörte ein anderer Patient diese Drohung und informierte eine Krankenschwester, die bei der Polizei anrief.

Nachdem die Vaterschaft des Stiefvaters bestätigt wurde, leitete die Polizei demzufolge auch gegen ihn Ermittlungen ein. Der Prozess gegen den Mann hat noch nicht begonnen.

In El Salvador werden immer wieder Frauen wegen Schwangerschaftsabbrüchen wegen Mordes zu langen Freiheitsstrafen verurteilt. Erst vor wenigen Monaten hatte die Freilassung der 40-jährigen Mariana López Aufsehen erregt: Sie hatte 18 Jahre lang im Gefängnis gesessen, nachdem sie ihr Kind verloren hatte.

Teodora del Carmen Vásquez (im Dezember 2017)
AP

Teodora del Carmen Vásquez (im Dezember 2017)

Für Empörung gesorgt hatte auch der Fall von Teodora del Carmen Vásquez, die 2008 nach einer Totgeburt zu 30 Jahren Haft verurteilt worden war und im vergangenen Februar aus dem Gefängnis entlassen wurde. Vásquez hatte den Abtreibungsvorwurf stets abgestritten und beteuert, ein bereits totes Kind zur Welt gebracht zu haben. Die herbeigerufene Polizei nahm die noch bewusstlose junge Frau jedoch wegen Mordverdachts fest.



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