Steinwurf auf A7 Angeklagter droht Opfer vor Gericht

Ein 37-Jähriger soll einen Stein auf die A7 geworfen haben, vier Mitglieder einer Familie wurden dabei schwer verletzt. Im Prozess stieß der Angeklagte während der Aussage eines Opfers wüste Drohungen aus.
Der Ulmer Polizeisprecher Rudi Bauer mit einer Nachbildung des auf die A7 geworfenen Steins (Archivbild)

Der Ulmer Polizeisprecher Rudi Bauer mit einer Nachbildung des auf die A7 geworfenen Steins (Archivbild)

Foto: Nico Pointner/ dpa

In Baden-Württemberg muss sich ein 37-Jähriger wegen eines Steinwurfs auf eine Autobahn vor Gericht verantworten. Laut Anklage soll er in heimtückischer Absicht an der A7 einen zwölf Kilogramm schweren Betonpflasterstein auf die Fahrbahn geworfen haben. Kurz danach prallte der Wagen einer Familie dagegen und überschlug sich mehrfach. Die Eltern und ihre zwei Kinder wurden bei dem Unfall nahe Giengen an der Brenz schwer verletzt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 37-Jährigen versuchten Mord sowie illegalen Waffenbesitz vor. Zu Beginn des Prozesses vor dem Landgericht in Ellwangen stieß der Angeklagte wüste Drohungen gegen den verunglückten Familienvater aus.

Sobald er wieder in Freiheit sei, werde er sich eine Schusswaffe besorgen, rief er während der Zeugenaussage des 33-jährigen Unfallopfers. Der Vorsitzende Richter Gerhard Ilg brachte den Angeklagten mit der Androhung einer Ordnungsmaßnahme zum Schweigen.

Der Familienvater und seine 26-jährige Frau treten in dem Prozess als Nebenkläger auf. Die Frau hatte bei dem Unfall besonders schwere Verletzungen erlitten. Sie lag nach einer Schädel-Basis-Fraktur mit Hirnblutung mehr als zwei Wochen im Koma, Ärzte mussten ihr das rechte Bein unterhalb des Knies amputieren.

"Wieder ein normales Leben führen"

Bis heute sei sie teilweise gelähmt, sagte die Frau vor Gericht. Körperausscheidungen seien nur mit Hilfsmitteln möglich. Sie leide an Schmerzen und nehme täglich bis zu 20 verschiedene Tabletten. "Alles, was ich will, ist, wieder ein normales Leben führen zu können", sagte sie. Zuvor hatte der Richter verfügt, dass der Angeklagte seine Bank zu verlassen habe, damit die Frau ihn nicht anschauen müsse.

Der Vater schilderte in seiner Aussage das Unfallgeschehen. Er habe einen Gegenstand auf der Fahrbahn gesehen, Sekunden später habe es einen Knall gegeben. "Als die Airbags aufgingen, dachte ich, nein, das überlebe ich nicht." Als er wieder zu sich kam, habe er bemerkt, dass die Kinder nicht mehr im Auto gewesen seien. Sie waren aus dem Wagen geschleudert worden und hatten Gehirnerschütterungen und Prellungen erlitten. Er habe gefürchtet, dass sie und seine Frau sterben. "Gott sei Dank sind sie am Leben."

Der Angeklagte hat die Tat laut Staatsanwaltschaft gestanden, jedoch bislang Angaben zum Motiv verweigert. Einem psychiatrischen Gutachten zufolge sei "die Steuerungsfähigkeit des Angeschuldigten zur Tatzeit wegen einer anderen schweren seelischen Abartigkeit erheblich vermindert" gewesen. Der Oberstaatsanwalt geht davon aus, dass der Angeklagte dennoch zumindest eingeschränkt schuldfähig war. Er wurde aus einer psychiatrischen Einrichtung in den Gerichtssaal gebracht.

Neben der Anklage wegen versuchten Mordes muss sich der 37-Jährige wegen illegalen Waffenbesitzes verantworten. Im Zuge der Ermittlungen gegen ihn fand die Polizei laut Anklage in einem Versteck unter anderem einen Revolver, eine Pistole, einen "sechsläufigen Schussapparat" und mehr als 170 Patronen.

cnn/wit/dpa

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