Angriffe auf Rettungstaucher Elon Musk muss wegen "Pädophiler"-Beleidigung vor Gericht

Elon Musks Anwälte berufen sich auf die Freiheit "fantasievoller" Meinungen - doch ein US-Richter sieht das anders: Der Tesla-Chef muss wegen der Beleidigung eines Rettungstauchers vor Gericht.

Tesla-Chef Elon Musk: "Implizite Behauptungen objektiver Fakten"
Frederic J. Brown/ AFP

Tesla-Chef Elon Musk: "Implizite Behauptungen objektiver Fakten"


Ist es lediglich eine Meinung, jemanden vor Millionenpublikum als "Pädophilen" und "Kindervergewaltiger" zu beschimpfen - oder möglicherweise doch eine strafbare Beleidigung? Ein US-Richter in Los Angeles hat nun einen Termin für einen Gerichtsprozess festgelegt, in dem diese Frage geklärt werden soll: Am 22. Oktober muss sich Elon Musk dem Vorwurf der Verleumdung stellen.

Der Tesla-Chef hatte den britischen Taucher Vernon Unsworth im vergangenen Jahr wiederholt auf Twitter als "Pedo Guy", also Pädophilen, beschimpft. Unsworth war maßgeblich an der Rettung von zwölf Jugendfußballern und ihrem 25 Jahre alten Trainer im Sommer vergangenen Jahres in Thailand beteiligt. Sie waren in einer Höhle im Norden des Landes von Wassermassen eingeschlossen worden. Erst nach 17 Tagen kamen die letzten von ihnen frei.

Musk hatte damals vorgeschlagen, die Eingeschlossenen mit einem Mini-U-Boot zu retten, das er zur Verfügung stellen könne. Unsworth kritisierte die Idee und bezeichnete sie als "PR-Gag". Musk könne sich "sein U-Boot dahin schieben, wo es wehtut", sagte der Rettungstaucher.

Taucher Vernon Unsworth vor der Höhle in Thailand im Sommer 2018
REUTERS

Taucher Vernon Unsworth vor der Höhle in Thailand im Sommer 2018

Daraufhin hatte Musk Unsworth mehrfach derb auf Twitter beschimpft. Damals folgten 22,5 Millionen Nutzer dem Account des Tesla-Chefs. Zwar entschuldigte Musk sich kurze Zeit später - als der Taucher ihn aber dennoch verklagte, bezeichnete Musk ihn als "Kindervergewaltiger".

Die Anwälte des Tesla-Chefs hatten die Abweisung der Klage beantragt. Das begründeten sie damit, dass Musk lediglich "fantasievolle" und "überzogene" Beschimpfungen vom Stapel gelassen habe - die aber reine Meinungen darstellten, die wiederum von der Verfassung geschützt seien.

Der zuständige Richter Stephen Wilson zeigte sich nun von dieser Interpretation nicht restlos überzeugt. Betrachte man die Gesamtheit der Umstände, so schrieb Wilson, könne eine gewissenhafte Überprüfung zum Schluss kommen, dass die Äußerungen Musks "implizite Behauptungen objektiver Fakten" beinhalteten - also eben keine reine Meinung darstellen.

Der britische Taucher fordert außer einer Strafe wegen Verleumdung von Musk Schadensersatz in Höhe von 75.000 Dollar.

fdi/Reuters

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