Eltern und Schwestern getötet Lebenslange Haft für Vierfachmörder von Eislingen

Die Tat schockierte ganz Deutschland: Gemeinsam mit einem Schulfreund erschoss Andreas H. kaltblütig seine Familie. Nun wurde er zu lebenslanger Haft verurteilt. Das Landgericht Ulm stellte bei dem damals 18-Jährigen eine besondere Schwere der Schuld fest. Sein Mittäter muss zehn Jahre ins Gefängnis.

AP

Ulm - Das Landgericht Ulm hat die beiden Vierfachmörder von Eislingen zu hohen Haftstrafen verurteilt: Gegen den zur Tatzeit 18 Jahre alten Andreas H. verhängte das Gericht eine lebenslange Haftstrafe nach Erwachsenenstrafrecht, sein damals 19 Jahre alter Mittäter Frederik B. muss unter Anwendung des Jugendstrafrechts für zehn Jahre ins Gefängnis.

Das Gericht stellte bei Andreas H. eine besondere Schwere der Schuld fest. Damit ist eine Entlassung nach 15 Jahren ausgeschlossen. Zudem sei nach Verbüßung der Haftstrafe eine Sicherungsverwahrung zu prüfen. Das Gericht folgte damit dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Die beiden Schulfreunde hatten am Gründonnerstag des vergangenen Jahres zunächst die beiden Schwestern von Andreas und anschließend dessen Eltern getötet. Die Tat sorgte bundesweit für Entsetzen. Als Hansjürgen H. und seine Frau Else am Abend des 9. April in einer Gaststätte saßen, gingen die beiden Jugendlichen zur Wohnung der Familie und erschossen die beiden 22 und 24 Jahre alten Schwestern, die gerade vor dem Fernseher saßen.

Anschließend gingen die Täter zu Ehepaar H. in die Kneipe - als sei nichts gewesen. Nach einer halben Stunde verließen sie das Lokal und kehrten an den Tatort zurück. Dort erschossen sie schließlich auch die Eltern, als diese wieder nach Hause kamen. Insgesamt fielen 30 Schüsse. Abgefeuert wurden sie wahrscheinlich alle von Frederik.

Zwar sagte er zunächst aus, Andreas habe die Schwestern und den Vater alleine erschossen. Er selber habe nur auf die Mutter gefeuert. In der Verhandlung dagegen gestand er, alle Schüsse abgegeben zu haben - auf Bitten seines Freundes.

Die beiden 19-Jährigen verband ein sehr inniges Verhältnis. Eine sexuelle Beziehung soll es einem Gutachter zufolge jedoch nicht gegeben haben. Frederik gab in seinem Schlusswort zu, dass die Freundschaft zu Andreas für ihn "sehr schlecht war".

Über das Tatmotiv gab es bis zuletzt keine Klarheit - obwohl im Verlaufe des Prozesses mehr als 30 Zeugen befragt wurden. Die Anklage warf Andreas vor, er wollte das Vermögen der Eltern allein erben. Die Verteidigung hatte hingegen auf die starken Konflikte zwischen Vater und Sohn hingewiesen. Andreas sei in der Familie psychischer Gewalt ausgesetzt gewesen.

Mittäter Frederik hatte laut Staatsanwaltschaft nichts gegen die Familie H., er wollte seinem Freund beistehen und "das Band der Freundschaft auf ewig schmieden". Bei seinem Freund hatte Andreas sich in seinem Schlusswort entschuldigt: "Ich habe eigentlich nie vorgehabt, jemanden für meine Zwecke auszunutzen oder zu missbrauchen."

hut/dpa/AFP

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