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Vor dem Spiel: Unsere Fans feiern friedlich

Foto: FRANCOIS NASCIMBENI/ AFP

Fans und Hooligans in Lille 20.000 feiern, 50 randalieren

20.000 deutsche Fußballfans machen mit friedlichen Feiern Eindruck - und 50 Gewalttäter machen Schlagzeilen: Am Nachmittag randalierten teils rechtsextreme Hooligans in Lille.

Das Ausmaß der gewalttätigen Zwischenfälle ist mit denen in Marseille nicht vergleichbar, ärgerlich ist es trotzdem: Während 20.000 friedliche Fußballfans teils gemeinsam mit den sportlichen Konkurrenten aus der Ukraine feierten, randalierten rund 50 deutsche Gewalttäter in Stadtzentrum von Lille.

Bereits in den frühen Morgenstunden nahmen größere Hooligan-Gruppen unterschiedliche Kneipen in Lille in Beschlag, beobachtete SPIEGEL ONLINE-Korrespondent Rafael Buschmann vor Ort in Lille. Selbst Hooligans, die über Jahre miteinander verfeindet waren und sich sonst eher gegenseitig verprügeln, saßen zusammen, tranken Bier und Schnäpse und sangen "Hurra, die Deutschen, die sind da" und "Deutschland ist die Nummer eins der Welt". Insbesondere eine Gruppe Hooligans, die Fan-Kleidung von Dynamo Dresden und Lok Leipzig trugen, wirkte sehr aggressiv.

Aus einer Brasserie heraus wurden Passanten mit Essen und Getränken beworfen, immer wieder konnte man sehen, wie einige der Hooligans einen Hitlergruß zeigten. An einem Menüschild des Restaurants hängten sie eine Reichskriegsflagge.

Gegen 17:30 Uhr eskalierte die Situation. Etwa drei Dutzend deutsche Hooligans griffen auf einem der Hauptplätze Lilles, dem Place Charles de Gaulle, eine Gruppe friedlich feiernder ukrainischer Fans an. Zunächst warfen die Hooligans mit Pyrotechnik, später rannten sie völlig enthemmt in die Gruppe der sitzenden ukrainischen Fans, traten und schlugen auf alle ein, die nicht schnell genug weglaufen konnten. Die Ukrainer versuchten, durch eine schmale Seitengasse zu flüchten, was nicht jedem gelang.

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Während der Krawalle waren nur wenige Polizisten vor Ort. Verstärkung rückte zwar zeitnah an, blieb aber teilweise in einem Stau rund um die Innenstadt stehen. So konnte man zwar das Martinshorn hören, es dauerte aber eine ganze Weile, bis die Einsatzkräfte am Platz angekommen waren.

"Die französische Polizei hat sehr spät eingegriffen", sagte auch Volker Goll, stellvertretender Leiter der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS). Die KOS begleitet die deutschen Fans in Frankreich. Die deutsche Polizeidelegation, die mit acht szenekundigen Beamten vor Ort ist, gab an, dass die Situation nicht ansatzweise mit den jüngsten Ausschreitungen in Marseille vergleichbar sei. Dort hatten in den vergangenen Tagen immer wieder russische und englische Hooligans für Jagdszenen gesorgt, ein Engländer schwebt nach den Vorfällen in Lebensgefahr.

In Lille flogen am Sonntag nach Augenzeugenberichten vor den Straßencafés Flaschen, Stühle und Rauchbomben. Auch rechtsradikale Parolen sollen skandiert worden sein, zudem wurde eine Reichskriegsflagge gezeigt. Nach SID-Informationen befinden sich rund 150 polizeibekannte Gewalttäter aus Deutschland in Lille. Auch ein Reporter des TV-Senders Sport1 wurde von zwei Krawallmachern attackiert und bekam einen Schlag in die Rippen.

Verhaftungen schon im Vorfeld

Die deutschen Behörden hatten versucht, solche Vorfälle schon im Vorfeld zu verhindern: Bei verstärkten Kontrollen zum ersten Spiel der deutschen Fußballnationalelf bei der Europameisterschaft in Frankreich hat die Bundespolizei in der Grenzregion von Rheinland-Pfalz 21 Hooligans gestoppt. Wie ein Sprecher am Sonntag in Trier sagte, wurde zunächst eine 18-köpfige Gruppe einschlägig bekannter Gewalttäter aus Dresden an der Ausreise gehindert. Die Männer seien in drei Kleinbussen unterwegs gewesen, bei ihnen seien Sturmhauben und Mundschutze gefunden worden. Am Nachmittag wurden noch mal drei Hooligans aus Kaiserslautern gestoppt, wie der Sprecher mitteilte.

Man gehe davon aus, dass sie beim Spiel der deutschen Nationalelf am Sonntagabend gegen die Ukraine in Lille gewalttätige Auseinandersetzungen geplant hätten. Einer der Männer aus Kaiserslautern habe deutschlandweit Stadionverbot, seine beiden Begleiter hätten sich ihre Tickets unter falschem Namen beschafft.

Die Bundespolizei Trier hatte am Sonntag den Grenzraum zu Luxemburg und Belgien verstärkt kontrolliert. Die Beamten versuchen, gewaltbereite Fußballfans herauszufiltern, die nach Frankreich einreisen wollen, um die Fußball-EM zu stören. Feste Grenzkontrollen sind zur EM nicht geplant. Laut Sprecher gab es am Sonntag noch einige kleinere Fahndungserfolge. So sei unter anderem ein Haftbefehl vollstreckt worden.

Noch bis in den Nachmittag hatten sich Tausende Fans aus Deutschland und der Ukraine gemeinsam rund um den Grand Place friedlich auf das Gruppenspiel am Abend (21.00 Uhr) eingestimmt. Um 16.30 Uhr machten sich rund 2000 deutsche Fans im Rahmen eines Fanmarsches von der Innenstadt auf den Weg zum Stade Pierre-Mauroy im Vorort Villeneuve d'Ascq. Sie erreichten das Stadion nach anderthalb Stunden, dabei gab es keine Zwischenfälle. Insgesamt werden 20.000 deutsche Fans beim Spiel der Gruppe C erwartet.

pat/rab/dpa/sid
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