Fall Emanuela Orlandi Vatikan sucht nach vermisstem Mädchen - zwei Gräber geöffnet

Auf der Suche nach der seit Jahrzehnten vermissten Tochter eines Bediensteten hat der Vatikan zwei Gräber auf dem deutschen Friedhof öffnen lassen. Ermittler erhoffen sich dadurch neue Hinweise.

Die 15-jährige Emanuela Orlandi verschwand 1983
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Die 15-jährige Emanuela Orlandi verschwand 1983


Der Vatikan hat im Fall der seit mehr als 36 Jahren vermissten Emanuela Orlandi zwei Gräber auf dem deutschen Friedhof Campo Santo Teutonico öffnen lassen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa handelt es sich um die Ruhestätten von Sophie von Hohenlohe (gestorben 1836) und Herzogin Charlotte Friederike zu Mecklenburg (gestorben 1840).

Es sei unmöglich vorherzusehen, wie lange es dauern werde, die Arbeiten abzuschließen, sagte Papstsprecher Alessandro Gisotti. Der deutsche Pilgerfriedhof liegt südlich vom Petersdom und ist nur über vatikanisches Staatsgebiet zugänglich.

Die Grabungen werden bei Ermittlungen über den Verbleib der seit 1983 vermissten Orlandi durchgeführt. Die Tochter eines Vatikan-Hofdieners war damals im Alter von 15 Jahren nach einem Besuch der Musikschule nicht nach Hause gekommen.

Mit der Einwilligung zur Graböffnung habe der Vatikan erstmals eingeräumt, dass es eine "interne Verantwortung" oder Mitwisser im Kirchenstaat gegeben habe, sagte der Bruder der Vermissten, Pietro Orlandi. Er war bei der Graböffnung anwesend. Die Ermittlungen lagen in Vergangenheit bei den italienischen, nicht bei den vatikanischen Behörden.

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Mafia und Vatikan: Der Fall Emanuela Orlandi

In den Fall war erneut Bewegung gekommen, als Orlandis Familie im Sommer 2018 einen Brief mit einem Hinweis erhalten hatte, wonach die Leiche des Mädchens sich auf dem deutschen Friedhof innerhalb der Vatikanmauern befinden könne.

"Sucht dort, wo der Engel hinweist", so die anonyme Botschaft. Gemeint war wohl eine Engelsstatue auf dem Friedhof, die den Schriftzug "Ruhe in Frieden" trägt. Die Angehörigen hatten daraufhin den Vatikan aufgefordert, ein Grab zu öffnen. Laut dem Rektor des Friedhofs waren die betroffen Gräber zuletzt 2010 bei einer Renovierung durch Steinmetze geöffnet worden.

Seit Jahrzehnten ranken sich Gerüchte und Verschwörungstheorien um den Fall. Unter anderem wurde gemutmaßt, dass das Mädchen von einer Verbrecherorganisation entführt wurde, um Druck auf Vatikanverantwortliche auszuüben, geliehenes Geld zurückzuzahlen. Einer anderen Theorie zufolge wurde Emanuela Orlandi entführt, um eine Freilassung des Türken Mehmet Ali Agca zu erzwingen, der 1981 ein Attentat auf Papst Johannes Paul II. verübt hatte.

Im Herbst vergangenen Jahres waren in einem Vatikan-Gebäude Knochen gefunden worden. Schnell wurde von italienischen Medien eine Verbindung zu dem ungelösten Vermisstenfall hergestellt. Untersuchungen ergaben aber, dass diese Knochen viel älter waren.

fek/ala/dpa



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