Behandlungsfehler Klinik zahlt Kind 800.000 Euro Schmerzensgeld

Weil sich der Zustand ihres Sohns im Klinikum Emden verschlechterte, rief die Mutter einen Pfleger - der nichts unternahm. Dem Jungen mussten die Unterschenkel amputiert werden. Nun bekommt er eine Entschädigung.
Das Klinikum Emden muss 800.000 Euro Schmerzensgeld an den ehemaligen Patienten zahlen

Das Klinikum Emden muss 800.000 Euro Schmerzensgeld an den ehemaligen Patienten zahlen

Foto: Carmen Jaspersen/ picture alliance / Carmen Jaspersen/dpa

Das Klinikum Emden muss einem Jungen eines der höchsten Schmerzensgelder in der Geschichte der Bundesrepublik zahlen. Der 14-Jährige erhält wegen eines groben Behandlungsfehlers rund 800.000 Euro, wie das Oberlandesgericht Oldenburg entschied. Das Kind hatte eine schwere Blutvergiftung erlitten, die vom Personal nicht erkannt wurde. Heute lebt er mit großen Einschränkungen.

Der damals Fünfjährige war 2011 mit Fieber und Schüttelfrost in ein Krankenhaus gekommen. Als seine Mutter in der Nacht dunkle Flecken am Körper ihres Sohns bemerkte, rief sie einen Pfleger. Dieser verständigte aber keinen Arzt. (Az.: 5U196/18)

Erst am nächsten Morgen stellte ein Arzt fest, dass die Flecken am Körper und Gesicht abgestorbenes Gewebe waren. Das Kind hatte eine lebensbedrohliche Blutvergiftung, die von Meningokokken ausgelöst worden war. Dem Jungen mussten beide Unterschenkel amputiert werden, zahlreiche weitere Operationen waren und sind auch in Zukunft nötig.

"Eine wirklich angemessene Entschädigung"

Der Behandlungsfehler war 2013 gerichtlich festgestellt und 2015 bestätigt worden. Nun musste noch die Höhe des Schmerzensgeldes festgelegt werden. "Es ist möglicherweise das Urteil mit dem höchsten Schmerzensgeldbetrag, der je in Deutschland zugesprochen wurde", sagte Burkhard Remmers, der Anwalt des Jungen, zu dem inzwischen rechtskräftigen Urteil. Eine Sprecherin des OLG Oldenburg bestätigte dies laut NDR .

"Niemand kann dem Kläger und seiner Familie das Leid abnehmen", so der Anwalt weiter. "Der Kläger erhält jetzt aber eine wirklich angemessene Entschädigung."

Nach Angaben des Gerichts ist das Kind bereits mehr als 20 Mal operiert worden. Dreieinhalb Jahre musste der Junge wegen der Narben einen Ganzkörperkompressionsanzug tragen, den er täglich nur für kurze Zeit ablegen durfte. Mittlerweile geht der inzwischen 14-Jährige in eine Regelschule und nutzt für die Fortbewegung einen Rollstuhl.

Das Krankenhaus wollte sich zu dem Urteil nicht äußern, teilte aber mit: "Das Klinikum Emden bringt sein ausdrückliches Bedauern zu den neun Jahre zurückliegenden Vorgängen rund um die Behandlung des jungen Patienten zum Ausdruck."

lmd/dpa
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