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Entladung einer Bundeswehr-Chartermaschine mit chinesischen Masken auf dem Leipziger Flughafen im April 2020; EU-Abgeordnete Monika Hohlmeier in Brüssel.

Entladung einer Bundeswehr-Chartermaschine mit chinesischen Masken auf dem Leipziger Flughafen im April 2020; EU-Abgeordnete Monika Hohlmeier in Brüssel.

Foto: Jana Neumann / Bundeswehr; Matthias Balk / dpa

Bisher unbekannte Chatprotokolle zur Emix-Maskenaffäre »Wir sind Millionäre«

Eine Schweizer Firma verkaufte Bund und Ländern Masken für 700 Millionen Euro. Jetzt zeigen Textnachrichten, wie die Strauß-Tochter Monika Hohlmeier und eine Vertraute Deals mit ihren Duzfreunden einfädelten.
aus DER SPIEGEL 9/2022

Wer wird Millionär? Eine Frage, die an der Waldfriedenstraße in Grünwald bei München keiner mehr stellen muss: rechts und links Millionenvillen. Das Leben muss es gut gemeint haben, wenn man sich in dieser Lage etwas leisten kann. Zum Beispiel das Traumhaus, das im Herbst 2020 angeboten wurde. In der Anzeige hieß es: »Wunderschöne, luxuriöse Villa im nobelsten Vorort«, 342 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche, Luxusküche, Koiteich, Blick ins Grüne. Und falls es mal ungemütlich wird: »hohe Sicherheitsverglasung«.

Aus: DER SPIEGEL 9/2022

Der Epochenbruch

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Die Villa ist inzwischen verkauft, für 3,75 Millionen Euro. Und wer immer schon wissen wollte, was Masken-Millionarios mit ihren Krisengewinnen aus dem Notjahr 2020 so machen: Hier hat sich offenbar schnell verdientes Geld in langlebiges Betongold verwandelt. Neue Eigentümer sind seit November 2020 Andrea Tandler und ihr Partner Darius N. Die beiden hatten kurz vorher zu Mondpreisen Masken an den Freistaat Bayern, das Land Nordrhein-Westfalen und vor allem an das Bundesgesundheitsministerium vermittelt. Ein paar Monate Arbeit, schon hatten sie sagenhafte 48 Millionen Euro Provision dafür eingesackt, dass sie Ware der Schweizer Firma Emix Trading an deutsche Ministerien losschlugen.

Für Tandler mit ihren Drähten in die CSU war das offenbar kein großes Problem. Schließlich war ihr Vater Gerold mal Minister in Bayern, ein Amigo von CSU-Patron Franz Josef Strauß. Und die Strauß-Tochter Monika Hohlmeier nun die Türöffnerin beim Verticken der Emix-Masken. Allein das Bundesgesundheitsministerium von Jens Spahn (CDU) nahm Ausrüstung für 712,5 Millionen Euro ab. Bei einer bis dato so gut wie unbekannten Minifirma.

Weil Tandler danach aber wohl nicht mehr wusste, wohin mit ihren ganzen Maskenmillionen, war die eine Villa nicht genug. Neben dem Haus an der Waldfriedenstraße, das nicht selbst genutzt wird, kauften sie und ihr Partner in derselben Woche gleich noch eines in Grünwald. Diesmal lief es über zwei ihrer Firmen, Kaufpreis 3,85 Millionen, wieder ohne Bankschulden. Das Haus wird gerade renoviert.

Nachbarn rümpfen die Nase

Das pure Glück ist der neue Reichtum trotzdem nicht: Zum Sozialneid der Normalverdiener und zu den Blicken der gut situierten Nachbarn, von denen einige schon die Nase rümpfen sollen, kommt die Spurensuche der Staatsanwaltschaft München. Sie ermittelt gegen Tandler und Darius N. wegen des Verdachts auf Steuerhinterziehung in Millionenhöhe und Geldwäsche. Beide lassen alle Vorwürfe bestreiten.

Gelandet waren die Provisionen der Emix bei einer putzig klingenden Little Penguin GmbH, auf Deutsch: Zwergpinguin, hinter der Tandler und Darius N. stehen. Dass die Firma zum Zeitpunkt der meisten Maskendeals noch gar nicht existierte und erst später in der Gewerbesteuer-Oase Grünwald gegründet wurde, könnte nach Ansicht der Ermittler als Gewerbesteuerverkürzung zu werten sein. Und dass die Hälfte der Provision bei Darius N. landete, obwohl der Gastwirt offenbar nichts zu den Maskendeals beitrug, könnte Ärger mit der Schenkungsteuer geben.

Jedenfalls sind die Fahnder inzwischen so misstrauisch, dass sie die WhatsApp-Chats von Tandler mit ihren Schweizer Geschäftspartnern sicherstellten. Diese Nachrichten erlauben nicht nur Einblicke in den Maschinenraum des damaligen Maskenbusiness. Aus den Chats und weiteren SMS ergeben sich nun offenbar drei Dinge: wie Tandler an die Schweizer Maskenhändler kam. Wer sonst noch fette Provisionen kassieren sollte. Und wie sehr sich »die Moni« – Strauß-Tochter Hohlmeier – ins Zeug legte, um ihrer Duzfreundin Andrea zu helfen.

Der 21. März 2020: ein Schrei-vor-Glück-Tag für Andrea Tandler. »We are millionaires«, jubelt sie, wir sind Millionäre. Es klingt so, als könnte es Tandler selbst kaum glauben. Gut zwei Wochen nach den ersten Abschlüssen mit Bayern und NRW schickt sie den Triumph-Post in einen Chat mit dem Namen »Döner macht schöner«. Offenbar eine Spaßgruppe, die nur so vor Emojis wimmelt und für die Maskendeals ansonsten keine große Rolle spielt. Einer der beiden anderen Chatfreunde ist allerdings ein Bindeglied für die Geschäfte: Niklas Fruth, Mitgründer einer Werbeagentur in Zürich. Er hat Tandler Ende Februar ins große Maskenbusiness gebracht. Auch Tandler hat eine Werbeagentur. Ob sie sich deshalb kannten, lassen beide auf SPIEGEL-Anfrage offen.

Fruth, heute 38, hat Wirtschaft studiert. Er gründet Firmen oder beteiligt sich an ihnen, meist im Werbe- und IT-Bereich. Aber wenn es was zu verdienen gibt, auch gern in einer anderen Branche. 2019 investierte er in ein Start-up in Zürich, das auf Produkte fürs Gesundheitswesen setzte. Deren Chef: Dean T. Noch so ein Jung-Entrepreneur vom Zürichsee, immer auf der Jagd nach der nächsten Chance. Und zugleich ein enger Geschäftsfreund jener Nachwuchs-Unternehmer der Emix Trading, die Anfang 2020 in der aufziehenden Pandemie das Geschäft ihres Lebens witterten. Mit Masken.

»Hi Moni, geht's Dir gut?«

Am 28. Februar 2020 schloss Fruth mit seiner Beteiligungsfirma Fruth & Partner einen Provisionsvertrag mit Emix Trading ab. Emix versprach ihm zehn Prozent vom Umsatz, wenn er Maskendeals heranschaffen würde. Dafür durfte er auch Untermakler anheuern. Fruth verlor keine Zeit. Er setzte Andrea »Drea« Tandler in die Spur, um Geschäfte in Deutschland hereinzuholen. Noch am selben Tag meldete sich Tandler bei ihrer Freundin Monika Hohlmeier, wollte deren politische Kontakte anzapfen. »Hi Moni, geht’s Dir gut? Haben uns ja leider lange nicht mehr gehört.« Ein Freund aus der Schweiz habe eine Million Masken der Qualitätsmarke 3M übrig. Ob der »Moni« eine öffentliche Hand einfalle, die kaufen wolle. Wäre doch schade, wenn die Masken sonst bei Amazon landen würden.

Am nächsten Tag stellte Fruth in einem Chat die neue Vertriebsfrau für Deutschland bei Emix-Mann Dean T. vor: Drea: Dean. Dean: Drea. Der Name dieser Chatgruppe: »Das Ministerium«. Es ist der Beginn eines Geldrausches, der ein paar wenige auf Kosten der Allgemeinheit reich machen sollte, mit Preisen von bis zu 9,90 Euro für eine FFP2-Maske in NRW, 8,90 Euro in Bayern, 5,95 Euro beim Bund.

Anfang April schlug sich das in einer Provisionsvereinbarung nieder. Auf der einen Seite Fruth & Partner, auf der anderen eine Little Penguin GbR, die Tandler mit Darius N. schnell noch gegründet hatte – die gleichnamige GmbH folgte erst später. Es ging darum, wie die üppige Maklerprovision der Emix, zehn Prozent vom Umsatz, aufgeteilt würde. Demnach sollte Tandlers »Zwergpinguin« 60 Prozent kassieren, Fruth & Partner 40 Prozent.

Offenbar flossen bei Emix noch Provisionen als bekannt

Wieder drei Wochen später folgten noch zwei Abkommen. Das erste direkt zwischen Emix und Little Penguin. Demnach sollte auch die Tandler-Firma zehn Prozent bei Emix-Geschäften bekommen, so wie Fruth. Das zweite zwischen Little Penguin und Fruth & Partner: Wenn sie zusammen ein Geschäft klarmachten, galt zwar generell noch der Split 60 zu 40. Beim Bundesgesundheitsministerium sollten es nun aber 80 Prozent für die Tandler-Seite sein und nur noch 20 für Fruth.

So wie es aussieht, blieb es daher auch nicht bei den bekannten 48 Millionen Euro Provision, die nachweislich über den »Little Penguin« in den Taschen von Tandler und Darius N. gelandet sind. Vermutlich flossen noch mehr Millionen für die Deutschlanddeals, nämlich an Fruths Firma. Am Ende der Kette handelte es sich um Steuergeld, mit dem der deutsche Staat die Maskenmillionäre rund um Emix butterte.

Fruth will auf Anfrage nicht sagen, ob und wie viel er kassiert hat. Überhaupt lehnt er jeden Kommentar zu der Causa ab. In einem vertraulichen Sachstandsbericht der Steuerfahndungsstelle des Finanzamts München aus dem November ist allerdings die Rede davon, man könne noch nicht genau nachvollziehen, wer aus welchen Deals wie viel Provision bekommen habe. Zu vermuten sei aber, dass noch 12 bis 15 Millionen Euro davon in der Schweiz lägen.

Kaufobjekt Waldfriedenstrasse in Grünwald: Zwei Villen in einer Woche

Kaufobjekt Waldfriedenstrasse in Grünwald: Zwei Villen in einer Woche

Foto: DER SPIEGEL

Auffällig auch: Jetzt im Dezember übernahm eine Geschäftsfrau die Hälfte von Fruth & Partner. Sie hatte mal drei Jahre lang in Altötting gearbeitet, im Hotel zur Post, das damals noch der Familienbetrieb der Tandlers war. Angeblich Zufall. Doch zu den Fragen des SPIEGEL schweigt auch Fruths neue Miteignerin. Ebenso das Gespann Tandler/Darius N. Kürzlich hieß es von ihnen lediglich, sie hätten sich nichts vorzuwerfen, alles korrekt gelaufen. Und Emix? Wer Provisionen kassiert habe, wie viel, das gehe die Öffentlichkeit nichts an. Ansonsten: kein Kommentar.

Sollte Hohlmeier naiv gewesen sein – Tandler wusste, wo das Brot gebuttert wird

Doch zurück in die ersten Tage der Emix-Deals, zu Tandler und ihrer Freundin »Moni«. In Chats und SMS wird klar, wie hemmungslos Politnetzwerke unter Duzfreunden in Geld umgemünzt wurden und wie groß deshalb der Vorteil der Emix gegenüber Hunderten Händlern war, die keinen direkten Draht zu Ministerinnen und Ministern hatten. Viele dieser Konkurrenten wurden mit ihren Nachfragen ignoriert, blieben auf ihrer Ware sitzen, manchen drohte die Pleite.

Offen bleibt angesichts der Handynachrichten, ob Hohlmeier wirklich so naiv war, wie sie sich heute gibt. Von Tandlers Provisionen habe sie nichts gewusst, schrieb sie in einer Stellungnahme für die Staatsanwaltschaft München. Ihr selbst sei auch nie Geld angeboten worden, beteuert die Europaabgeordnete, erst recht habe sie nichts gefordert oder gar bekommen. Etwas anderes geht aus den Chats auch nicht hervor, gegen Hohlmeier wird nicht ermittelt. Aber war ihr trotzdem bewusst, wie weit sie für ihre Freundin Andrea ging?

Immerhin behauptete Hohlmeier in ihrer ersten SMS an Gesundheitsminister Spahn, sie sei in das Emix-Angebot weder finanziell noch sonst irgendwie verwickelt. Dass sie tatsächlich für ihre Freundin antichambrierte, verschwieg sie. Spahn sagt heute, Hohlmeier habe das auch später nie offengelegt; deshalb habe er damals nicht gewusst, dass die Dame namens Tandler die Tochter von Gerold Tandler gewesen sei.

Tandler machte Druck in bester Vertretermanier

Wie auch immer: Zumindest Tandler wusste genau, wo das Brot gebuttert wird. Nachdem sie am 28. Februar »die Moni« angeschrieben hatte, ob die ihr helfen könne, telefonierten beide am 1. März. Gleich am nächsten Tag bohrte Tandler nach, ob die »liebe Moni« etwas von Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) oder sonst wem gehört habe. Am 3. März meldete Hohlmeier Vollzug. Bayern habe großes Interesse. Allerdings hatte Tandler FFP2-Markenmasken versprochen, angeblich zu normalen Preisen. Beide Versprechen sollte Emix brechen: Die Preise waren die höchsten, die Bayern in der Pandemie zahlte, geliefert wurden Masken chinesischer Hersteller. Zum Teil mit zweifelhaften Zertifikaten.

Am 4. März setzte Tandler bei Hohlmeier nach. Sie behauptete, ihr Lieferant habe jetzt fünf Millionen Masken erwerben müssen, sonst wäre er nicht herangekommen. Es klang so, als lägen die zuvor erwähnten 3M-Masken schon bereit, nur eben mehr als erwartet. Deshalb seien noch drei Millionen übrig, ob die Moni nicht noch einen Kontakt zum Bund habe. Kaum dass Hohlmeier also den ersten Deal eingestielt hatte, bedrängte Tandler die Freundin, ihr auch die Tür zum Bund aufzumachen. Jene Tür, durch die in der Folge Bestellungen von fast einer Milliarde Euro und Lieferungen für 712,5 Millionen Euro gehen würden. Und ja, sie brauche jetzt schnell eine Entscheidung, schrieb Tandler in bester Vertretermanier. Hohlmeier spurte, es folgte die SMS an Spahn. Der schickte ihr gleich seine persönliche Bundestags-Mailadresse für Tandler.

Wichtig für die Mega-Beschaffung des Bundes bei Emix wurde der Leiter der Zentralabteilung im Gesundheitsministerium, Ingo Behnel. Spahns Maskenchef in jenen wilden Wochen. Am 31. März schrieb Tandler sinngemäß in die Chatgruppe »Das Ministerium«, sie sei jetzt Behnels Liebling. Und: Die Kanzlerin kaufe »alles«, dahinter ein Raketen-Emoji. Wenn es danach Schwierigkeiten beim Bund gab, konnte sich Tandler offenbar gleich an Chefbeschaffer Behnel wenden. Das Ministerium bestätigt direkte Kontakte mit Behnel, angeblich aber »unter strikter Beachtung der Interessen des Bundes«.

Hilfe der Ministerin für Selfies auf dem Rollfeld?

Am 25. April postete Tandler Fotos von der Beladung einer Bundeswehr-Chartermaschine in China und bedankte sich bei Hohlmeier mit Bizeps-Emoji und Herz-Küsschen. Nur leider gab es kurz danach noch ein Problem: Die Emix-Leute wollten offenbar in Leipzig aufs Rollfeld kommen, um nach der Landung Fotos mit sich und dem Flieger zu knipsen. Es hake bei der Akkreditierung, schrieb Tandler, ob die »liebe Moni« da nicht schnell noch etwas über AKK drehen könne? Unklar, ob Hohlmeier erneut die Ministerin anfunkte. Hohlmeier sagt dazu nichts; Kramp-Karrenbauer lässt lediglich ausrichten, sie habe alle Anfragen stets ordnungsgemäß im Ministerium weitergeleitet und mit der Prüfung nichts zu tun gehabt. Tatsächlich soll es aber solche Fotos vom Rollfeld geben.

»Schützt Dich und mich. LG Jens«

Die wohl wichtigste Mission als Schutzengel ihrer Freundin begann für Hohlmeier kurz danach: Im Gesundheitsministerium hatte inzwischen das Beratungsunternehmen EY die Aufgabe übernommen, das Chaos der Maskendeals zu lichten. Viel zu viele Masken waren bestellt, bei Emix zu horrenden Preisen. Als eine Charge bei der Prüfung durchgefallen war, wollte EY aus den Geschäften mit Emix aussteigen, der Bund stoppte die Auszahlung von 168,6 Millionen Euro. Am 10. Mai postete Tandler in die Chatgruppe »Das Ministerium«, Hohlmeier werde mit einem EY-Manager sprechen. Sie, Tandler, habe ein gutes Gefühl, denn Hohlmeier stehe voll auf »unserer Seite«.

Gesundheitsminister Spahn

Gesundheitsminister Spahn

Foto: Britta Pedersen / dpa

Hat Hohlmeier es also bei EY versucht? Ihre Antwort ist trickreich. Nein, sie habe nicht mit EY über Emix-Masken »verhandelt«. »Verhandelt« nicht. Aber aus dem Beratungsunternehmen heißt es, sie habe tatsächlich einen Manager angerufen, Alexander K. Der habe sie aber gleich an das zuständige EY-Maskenteam verwiesen. Dort habe sie sich nicht mehr gemeldet. Offenbar, weil sie für ihre Freundin Andrea lieber gleich ganz nach oben zielte. Am 12. Mai, abends um 18.04 Uhr, 17 Minuten nach der nächsten Bettelnachricht von Tandler, schrieb Hohlmeier an Minister Spahn. Der Maskenanbieter – gemeint ist Emix – sei ausgesprochen seriös, behauptete sie, werde aber von EY aufs Übelste behandelt. Man solle doch bitte mit Händlern wie Emix fair umgehen. Und der »liebe Jens« möge für schnelle und korrekte Klärung sorgen, da EY anscheinend nicht transparent vorgehe.

Doch der »liebe Jens« hatte offenbar seine Antennen für Ärger ausgefahren: Wie die »Süddeutsche Zeitung« zuerst berichtete, antwortete Spahn, solche Dinge würden bestimmt noch Untersuchungsausschüsse beschäftigen, weshalb er keinen politischen Einfluss nehmen wolle. »Schützt Dich und mich. LG Jens«. Politische Einflussnahme? Hohlmeier, sozialisiert mit den Amigo-Affären der CSU, sah das anders. Es gehe doch nur um fairen, transparenten Umgang, schrieb sie.

Was den transparenten Umgang mit ihren Maskengeschäften angeht, hatte aber auch Freundin Andrea Tandler ihre ganz eigene Art. Verena Mayer, Schwester des damaligen Staatssekretärs Stephan Mayer im Bundesinnenministerium und ebenfalls eine alte Tandler-Freundin, hatte auch eine Provision gefordert, obwohl ihr Bruder nach heutigem Stand keine Geschäfte hereingeholt hatte. Der Verena, so Tandler im Chat, habe sie aber erzählt, einer von der Emix habe ihr nur mal ein nettes Essen spendiert, mehr nicht. Angesichts von 48 Millionen Euro für Tandler und ihren Partner eine Untertreibung, die selbst unter Geschäftsleuten dieser Art schwer zu toppen ist.

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