Entführer Thomas Wolf Anklage fordert 15 Jahre Haft

Er war einer der meistgesuchten Verbrecher in Deutschland - bis zu seiner Festnahme im Mai 2009: Im Prozess gegen Thomas Wolf hat die Staatsanwaltschaft nun 15 Jahre Haft gefordert. Er soll eine Wiesbadener Bankiersgattin entführt und zwei Banken überfallen haben.

Angeklagter Wolf (l.): Ihm werden Entführung und Banküberfälle zur Last gelegt
dapd

Angeklagter Wolf (l.): Ihm werden Entführung und Banküberfälle zur Last gelegt


Wiesbaden - Die Anklage will Schwerbrecher Thomas Wolf für 15 Jahre hinter Gittern sehen. Bei ihrem Plädoyer vor dem Wiesbadener Landgericht beantragte die Staatsanwaltschaft jedoch keine Sicherungsverwahrung. Der 58-Jährige ist angeklagt, im März 2009 eine Wiesbadener Bankiersgattin entführt und 1,8 Millionen Euro Lösegeld erpresst zu haben. Neben der Entführung werden Wolf in dem Prozess noch zwei Banküberfälle in Hamburg und den Niederlanden zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft wertete dies als schwere räuberische Erpressung und erpresserischen Menschenraub in drei Fällen. Wolf hatte die Taten gestanden.

Zu Beginn des Prozesses vor knapp neun Monaten sei sie noch der Meinung gewesen, es "selten mit einem so klaren Fall für eine Sicherungsverwahrung" zu tun gehabt zu haben, sagte Staatsanwältin Maria Klunke. Doch einem aktuellen Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) zufolge sei das nur möglich, wenn von dem Täter die Gefahr von schweren Gewalt- oder Sexualstraftaten ausgehe. "Das haben wir hier nicht", so die Staatsanwältin. Der Angeklagte habe keine körperliche Gewalt gegen seine Opfer angewandt, "und er hatte es auch nicht vor". Bei seinen Taten habe Wolf stets nur ungeladene Waffen und Bombenattrappen benutzt.

Die Anklage bezeichnete die Entführung als das "I-Tüpfelchen" all der Straftaten, die Wolf in seinem Leben begangen hat. Der Angeklagte wurde nach Angaben der Staatsanwältin allein in den Jahren 1981 bis 1993 zu mehr als 22 Jahren Gefängnis verurteilt. Mehrfach brach er aus Gefängnissen aus. Seine ersten Diebstähle beging er mit 15 Jahren, zum ersten Banküberfall kam es 1990. Aus einem Hafturlaub kurz vor einer geplanten Entlassung Anfang 2000 kam er nach Darstellung der Anklage nicht zurück. Dann sei er untergetaucht - erst in den Niederlanden, dann wieder in Deutschland - und war bis November 2009 auf der Flucht. Bei dem Banküberfall in Hamburg erbeutete er mit einer Bombenattrappe fast 500.000 D-Mark, drei Jahre später erpresste er mit der gleichen Masche in Eindhoven noch einmal rund 110.000 Euro.

"Das ganz große Ding"

Nach dem Hamburger Banküberfall im April 2000 lebte Wolf mit seiner Freundin unter falschem Namen in Frankfurt am Main. Doch schon bald begann der Angeklagte den Angaben zufolge erneut mit der Planung für die nächste Tat. "Diesmal sollte es das ganz große Ding werden", sagte die Staatsanwältin. Er habe so viel Geld erbeuten wollen, dass es bis an sein Lebensende reicht. Am 27. März 2009 klingelte er bei der Ehefrau eines Wiesbadener Bankangestellten, bedrohte sie mit einer Luftpistole und entführte sie. Das Opfer leide bis heute unter Angstzuständen, so Klunke.

Die Frau habe von sich aus das Gespräch mit ihrem Entführer gesucht, ihn im Gefängnis besucht. "Doch sie musste feststellen, dass der Angeklagte in allererster Linie über seine eigenen Befindlichkeiten geredet hat", sagte die Staatsanwältin. In ihren Augen habe kein Opfer-Täter-Ausgleich stattgefunden, der eine mildere Strafe rechtfertige. Dem Angeklagten warf sie vor, mit massiver krimineller Energie vorgegangen zu sein. Wolf wurde nach einem Hinweis aufgrund eines Fahndungsbilds des Bundeskriminalamts im Mai 2009 gefasst.

Das Plädoyer der Verteidigung wird für den 13. Dezember erwartet. An dem Tag könnte auch das Urteil gesprochen werden. Der nach einem Zeckenbiss an Borreliose erkrankte Wolf war während des ganzen Verfahrens nur eingeschränkt verhandlungsfähig gewesen.

wit/dapd/dpa

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Seite 1
s.s.t. 06.12.2011
1. ...
Zitat von sysopEr war einer der meistgesuchten Verbrecher in Deutschland - bis zu seiner Festnahme im Mai 2009: Im Prozess gegen*Thomas Wolf hat die Staatsanwaltschaft 15 Jahre Haft gefordert. Er*soll*eine Wiesbadener Bankiersgattin entführt und zwei Banken überfallen haben. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,802065,00.html
Der wird auch noch mit einem Rollator Straftaten begehen. Bezüglich der Sicherungsverwahrung hat es übrigens der BGH augenscheinlich sehr gefällig formuliert: Nur physische Gewalt zählt. Dass Opfer aufgrund der psychischen Belastung mitunter ein Leben lang leiden, ist ja nur eine Petitesse. Viele, auch schwerwiegende Verletzungen lassen sich weitestgehend heilen, bei psychischen Verletzungen helfen selbst langjährige Sitzungen bei einem Psychiater häufig nicht viel. Selbst bei so einer 'Geringfügigkeit' wie ein Wohnungseinbruch in Abwesenheit haben viele Opfer noch ganz viel zu knabbern, sogar wenn die Versicherung mehr als großzügig war. Na ja, als Opfer erkennt man natürlich stets sofort, dass die Pistole ungeladen ist, alles nur ein Scherz ist und man keinesfalls kurz vor dem Abnippeln steht. Weltfremdheit ist offensichtlich das zweite Studienfach von Juristen.
2hus 07.12.2011
2. Verkommene Justiz
Zitat von sysopEr war einer der meistgesuchten Verbrecher in Deutschland - bis zu seiner Festnahme im Mai 2009: Im Prozess gegen*Thomas Wolf hat die Staatsanwaltschaft 15 Jahre Haft gefordert. Er*soll*eine Wiesbadener Bankiersgattin entführt und zwei Banken überfallen haben. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,802065,00.html
Siehe Mord wg. 20 Cent in Hamburg : Bewährungsstrafe. Da müßte Wolf ja sofort freigelassen werden.
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