Entführte Bankiersfrau Polizei sucht nach wichtigem Zeugen

Unter Hochdruck sucht die Polizei nach der entführten Bankiersgattin Maria B. Nachdem die Kidnapper den Kontakt abgebrochen haben, bangen die Angehörigen um das Leben der 54-Jährigen. Jetzt fahnden die Ermittler nach einem wichtigen Zeugen.

dpa

Heidenheim - Vor fünf Tagen wurde die Bankiersfrau aus dem baden-württembergischen Heidenheim von Unbekannten entführt. Nachdem eine Lösegeldübergabe scheiterte, fahndet die Polizei unter großem Zeitdruck nach dem oder den Tätern.

Jetzt haben die Ermittler ihr Augenmerk auf einen möglicherweise wichtigen Zeugen gerichtet. Der Mann soll am Tag der Entführung im Wohnort der Familie im Heidenheimer Stadtteil Schnaitheim als Hausierer unterwegs gewesen sein, wie ein Polizeisprecher am Montag sagte.

Der glatzköpfige Mann sei am vergangenen Mittwoch von mehreren Bewohnern beim Verkauf von Blindenwaren gesehen worden, hieß es weiter: "Er wäre als Zeuge sehr, sehr wichtig", sagte der Sprecher. Aus der Bevölkerung seien bisher 360 Hinweise eingegangen, die derzeit abgearbeitet würden.

"Lebensbedrohlichen Lage"

Die Polizei spricht laut "Bild"-Zeitung von einer "lebensbedrohlichen Lage". Die Situation von Maria B. werde "von Tag zu Tag immer prekärer", zitiert das Blatt einen Polizeisprecher. Möglicherweise sei die Bankiersfrau bereits "tagelang ohne Essen oder Wasser".

Auf der Suche nach der Frau hat die Polizei am Montagmorgen mit einer Hundertschaft ein Waldgebiet durchkämmt. "Es handelt sich um ein schwer zugängliches Waldstück mit teilweise steinbruchartigen Stellen", sagte ein Sprecher. Der Bewuchs sei so dicht, dass Hubschrauber die Bodenkräfte nicht unterstützen könnten. Das Suchgebiet erstrecke sich von der vereinbarten Ablegestelle des Lösegeldes auf einem Betriebshof an der A7 bis zum Fundort des Autos der Entführten im Kloster Neresheim.

Gescheiterte Lösegeldübergabe

Vor fünf Tagen wurde Maria B. aus Heidenheim in Baden-Württemberg entführt. Kurz darauf erhielt ihr Mann, Vorstandsvorsitzender einer örtlichen Sparkasse, per Telefon eine hohe Lösegeldforderung. Laut "Bild"-Zeitung verlangten der oder die Täter 300.000 Euro. Diese Summe wollte die Polizei bisher nicht bestätigen.

Bei dem Anruf konnte der Ehemann kurz mit seiner entführten Frau sprechen. Sie sagte ihm, dass sie sich in Lebensgefahr befinde. Eine Übergabe des Lösegeldes scheiterte, weil die Entführer nicht auftauchten. "Wir wissen nicht, warum das Geld nicht abgeholt wurde. Es ist schwer abzuschätzen, was das zu bedeuten hat", sagte Polizeisprecher Horst Baur am Freitag SPIEGEL ONLINE.

Mit einem Großaufgebot sucht die Polizei auf einem Terrain von etwa 200 Quadratkilometern nach der Vermissten. Am Sonntag waren Hunderte Bereitschaftspolizisten, Hundeführer und zwei Hubschrauber an der Aktion beteiligt. Auch Wärmebildkameras kamen zum Einsatz - bisher ohne Erfolg. Die Familie der Entführten hat laut "Bild" 50.000 Euro Belohnung für Hinweise ausgesetzt und an die Entführer appelliert, wieder Kontakt mit der Familie aufzunehmen.

Bereits am Freitagnachmittag war das Handy der Entführten entdeckt worden, am Abend ihr schwarzer Mercedes.

ala/dpa/ddp



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