Entführter Frachter Beluga-Reederei hat Kontakt zu Kidnappern

Jetzt melden sich die Piraten mit Forderungen: Die Bremer Beluga-Reederei hat einem Bericht zufolge Kontakt zu den Gangstern, die derzeit die "Beluga Nomination" in ihrer Gewalt haben. Die Reederei kündigte außerdem an, auf ihren Frachtern künftig privates Sicherheitspersonal einzusetzen.


Bremen - Zwei Wochen nach der Kaperung eines ihrer Schiffe hat die Bremer Beluga-Reederei offenbar erstmals Kontakt zu den Entführern. Ein von den somalischen Piraten ernannter Vermittlungsführer habe sich gemeldet und Forderungen gestellt, berichtete Radio Bremen. Eine Sprecherin der Reederei bestätigte den Kontakt mit den Piraten auf Nachfrage des Fernsehmagazins "buten un binnen". Welche Forderungen die Piraten stellten, wollte Reedereichef Niels Stolberg dem Bericht zufolge nicht sagen.

Die "Beluga Nomination" mit ihren zwölf Besatzungsmitgliedern aus der Ukraine, Russland, Polen und den Philippinen war vor rund zwei Wochen von somalischen Piraten im Indischen Ozean attackiert worden. Die Besatzung rettete sich zunächst in einen mit Stahltüren gesicherten Schutzraum, den die Piraten aber nach zweieinhalb Tage öffnen konnten.

Berichten zufolge erreichten später ein dänisches Kriegsschiff und ein Patrouillenboot der Seychellen den Frachter, bei einem Feuergefecht sollen ein oder zwei Seeräuber getötet worden sein. Zwei Matrosen gelang die Flucht mit einem Rettungsboot.

Nach Angaben der Reederei starben im Zuge des Feuergefechts möglicherweise drei Besatzungsmitglieder. Vermutlich seien zwei Seeleute von den Piraten erschossen worden, zudem sei der leitende Ingenieur des Schiffes bei einem Fluchtversuch "womöglich ertrunken". Es sei aber noch immer unklar, "was im Detail wirklich passiert ist", hieß es in der Mitteilung. Zuvor war von womöglich zwei Toten Besatzungsmitgliedern die Rede gewesen.

"Brutalität und Grausamkeit der Entführer"

"Wir sind erschüttert, betroffen und entsetzt über die Vorfälle", erklärte Reedereichef Stolberg. "Die Brutalität und Grausamkeit der Entführer ist schier unfassbar und wir trauern gemeinsam mit den Angehörigen und den Familien der drei Opfer." Den sieben an Bord verbliebenen Besatzungmitgliedern gehe es "den Umständen entsprechend".

Als Konsequenz aus der Entführung kündigte die Reederei an, ab sofort privates Sicherheitspersonal auf den Frachtern in der Region einzusetzen. Einige Schiffe hätten jedoch auch kurzfristig ihre Route geändert, um der Piraterie zwischen dem Horn von Afrika und den Seychellen zu entgehen. Die durch die Sicherheitsmaßnahmen entstehenden Kosten belaufen sich nach Angaben der Reederei allein bis April auf einen "zweistelligen Millionenbetrag".

Einheiten der indischen Küstenwache und Marine stürmten am Sonntag vor der Küste des Landes ein mutmaßliches Piratenschiff. Dabei seien insgesamt 52 Menschen in Gewahrsam genommen worden, sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums zu AFP. Er konnte aber nicht sagen, um wie viele Piraten und wie viele befreite Geiseln es sich handelte, ebenso unklar war deren Nationalität.

Der thailändische Fischkutter war laut Verteidigungsministerium vor rund sechs Monaten vor der somalischen Küste entführt worden und wurde seitdem vermutlich als Mutterschiff für Piraten-Raubzüge genutzt. Marine und Küstenwache hatten die Jagd auf das Schiff begonnen, nachdem die Besatzung eines unter griechischer Flagge fahrenden Frachters gemeldet hatte, vor der südwestindischen Küste von Piraten attackiert worden zu sein. Die Seeräuber hätten nach einem kurzen Feuergefecht aufgegeben.

jjc/AFP



insgesamt 9 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
bonheur 06.02.2011
1. Unverständlich ......
....warum die Schiffe nicht den Seeweg um Afrika nach Asien wählen? Die Reise dauert zwar ca. 10-12 Tage länger, aber man spart die Suez-Passage, die im voraus in bar deponiert werden muß und entgeht der Kaperei.
cassandra13 06.02.2011
2. Hoffentlich stimmt es
was die Reederei verlauten ließ: Privates Sicherheitspersonal an Bord nehmen. Zeit wird es - denn so kann es nicht weitergehen.
elbröwer 06.02.2011
3. Frischfutter für Irre
Ausgeflagte Billiglinien nennen sich grotesker Weise deutsche Reedereien. Das Piratenpack am Horn scheint mehr Intelligenz zu besitzen als die Luden die sich Reeder nennen und in Wirklichkeit Abwracker sind.
law1964 06.02.2011
4. Besser gut bewaffnetes Sicherheitspersonal
Zitat von bonheur....warum die Schiffe nicht den Seeweg um Afrika nach Asien wählen? Die Reise dauert zwar ca. 10-12 Tage länger, aber man spart die Suez-Passage, die im voraus in bar deponiert werden muß und entgeht der Kaperei.
Besser als ein Umweg ist es, sich zu wehren und nich nachzugeben. Wenn man gut ausgebildetes und gut bewaffnetes Sicherheitspersonal(staatlich oder privat) an Bord hat, also sich effektiv wehren kann, lassen die Piratenangriffe schnell nach. Ebenso sollte man sich um die Mutterschiffe kümmern sowie die Piratenhochburgen an Land, dies wäre evtl mit einem UN Einsatz unter Kapitel 7 möglich.
manuelbirke 06.02.2011
5. Kann mir jemand helfen?
Eine Sache kapiere ich nicht - warum patroullieren die vorhandenen Kriegschiffe nicht unmittelbar vor der Küste Somalias. Die wenigen Nester, in denen sich inzwischen eine regelrechte Seeräuberindustrie angesiedelt hat, sind doch bekannt. Man könnte jedes ausfahrende Schiff auf Waffen untersuchen und würde so in kürzester Zeit effektiv dem Spuk ein Ende bereiten. Stattdessen lamentiert man, dass es so schwer sei, in den Weiten des Indischen Ozeans die Schifffahrt zu beschützen. Eine zweite Möglichkeit wäre das Zusammenstellen von Konvois, die dann von wenigen Kriegschiffen durch die gefährdeten Gebiete geleitet werden könnten. Kann mir ein Kenner der Materie erklären, warum diese beiden Möglichkeiten nicht in Betracht gezogen werden?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.