Entführung im Jemen Unterhändler sucht Kontakt zu Chrobogs Geiselnehmern

Bewegung im Entführungsfall Chrobog: In der Region Schabwa ist ein hochrangiger jemenitischer Beamter eingetroffen, der ein Treffen mit den Entführern arrangieren soll. Die Bundesregierung und die örtlichen Behörden hoffen auf eine schnelle Freilassung.


Sanaa - Die ARD meldete inzwischen unter Berufung auf das jemenitische Innenministerium, die Behörde sei in direktem Kontakt mit den Entführern. Aus dem Ministerium verlautete nach Angaben des Senders, mit einer Freilassung könne eventuell schon heute Mittag gerechnet werden.

Der Vermittler des jemenitischen Innenministeriums sei gestern Abend in Schabwa eingetroffen, sagte der aus der Region stammende Parlamentsabgeordnete Nasser Mohammed Badschabal. Zuvor hatten bereits mehrere Stammesälteste aus der Region Verhandlungen mit den Entführern aufgenommen, wie der stellvertretende Gouverneur Nasser Baoum sagte.

Der "Yemen Observer" berichtet in seiner Online-Ausgabe, eine erste Verhandlungsrunde zur Freilassung des entführten Ex-Staatssekretärs und seiner Familie sei heute Morgen gescheitert. Der Vermittler des jemenitischen Innenministeriums habe keine ausreichende Zusicherung gegeben, die Forderungen der Entführer zu erfüllen, sagte der angebliche Anführer der Kidnapper, der seinen Namen mit Abu Baker Abu al-Chair angab, der Zeitung. Der Regierungsvertreter habe keine "feste Garantie gegeben, unsere Gefangenen aus dem Gefängnis in der Provinz Abijan freizulassen", hieß es. Den Vermittler bezeichnete der angebliche Entführer als "neutral und mit der Angelegenheit vertraut". Die Verhandlungen sollten den Angaben zufolge fortgesetzt werden.

Ex-Staatssekretär Chrobog: Der Familie geht es gut
REUTERS

Ex-Staatssekretär Chrobog: Der Familie geht es gut

Aus jemenitischen Sicherheitskreisen hieß es, die Geiselnehmer wollten die Freilassung fünf inhaftierter Angehöriger erpressen, die wegen einer Fehde mit einer anderen Gruppierung in Haft sitzen. Vergleichbare Fälle im Jemen gingen meist glimpflich aus.

Bewaffnete Stammesmitglieder hatten den 65-jährigen ehemaligen Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Jürgen Chrobog, seine Frau und ihre drei Söhne gestern in der Provinz Schabwa im Osten des arabischen Landes verschleppt.

Nach Auskunft Baoums und des Reiseveranstalters Abu Talib Group (ATG) in Sanaa blieben die Geiseln zunächst unversehrt und wurden nicht bedroht. ATG-Chef Mohammed Abu Talib stand mit der Familie nach eigenen Angaben über das Mobiltelefon ihres ebenfalls entführten Reiseleiters in Kontakt. Er habe mit Chrobog selbst gesprochen, und dieser habe ihm versichert, dass es der Familie gut gehe, sagte Abu Talib.

Ein Anrufer, der sich als einer der Entführer ausgab, sagte der Nachrichtenagentur dpa in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa, den Geiseln werde "kein Schaden zugefügt, in keiner Situation". Die Identität des Mannes konnte nicht überprüft werden. Er machte deutlich, dass sein Stamm "die Geiseln nicht gehen lassen wird, wenn unsere Männer nicht aus dem Gefängnis entlassen werden".

DER SPIEGEL
Neben den Chrobogs und ihrem Reiseleiter wurden offenbar auch zwei Fahrer der Gruppe entführt. Die Provinzregierung in Schabwa teilte mit, die Gruppe sei mit zwei Fahrzeugen unterwegs gewesen, die plötzlich von Bewaffneten umringt worden seien. Die Deutschen seien zum Umsteigen in ein anderes Fahrzeug gezwungen worden. Nach Angaben aus örtlichen Sicherheitskreisen gehören die Entführer zum Stamm al-Abdullah bin Dahha.

Das Auswärtige Amt in Berlin bestätigte, dass Chrobog und seine Angehörigen im Jemen vermisst würden. Der 65-jährige befindet sich nach Informationen der Nachrichtenagentur AP seit Heiligabend auf einer Privatreise im Jemen. Anlass war danach eine Einladung des früheren jemenitischen Botschafters in Deutschland, der heute stellvertretender Außenminister ist.



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