Mysteriöse Entführungen Anklage gegen den Maskenmann von Storkow

Mario K. soll eine Unternehmerfamilie terrorisiert und einen Investmentbanker auf eine Insel verschleppt haben. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft ihre Anklage vorgelegt, doch die Beweislage scheint dünn.
Fahndungsbild der Polizei: Diese Kleidung soll der Täter getragen haben

Fahndungsbild der Polizei: Diese Kleidung soll der Täter getragen haben

Foto: Polizei Brandenburg

Berlin - Monatelang hatte das Mobile Einsatzkommando den Tatverdächtigen observiert, dann schlugen die Fahnder zu: In einer spektakulären Aktion verhafteten Elitepolizisten am 17. September vergangenen Jahres den Berliner Dachdecker Mario K. Sie waren sich sicher, den berüchtigten Maskenmann gefasst zu haben - jenen brutalen Serientäter, der, mit einem Imker-Schleier getarnt, mehrere Überfälle auf eine Berliner Unternehmerfamilie verübt und einen Investmentbanker mit einem umgebauten Kanu auf eine Schilfinsel in einem See im brandenburgischen Storkow verschleppt haben soll.

Vier Monate später hat jetzt die ermittelnde Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) eine rund 220 Seiten starke Anklageschrift gegen Mario K. vorgelegt. Wie der Sprecher des zuständigen Landgerichts, Peter Körner, SPIEGEL ONLINE sagte, sei die Anklage am 16. Januar eingegangen.

Bei ihrer Anklage stützen sich die Strafverfolger allerdings offenbar hauptsächlich auf Indizien: So sei bei den Überfällen auf die wohlhabenden Familien eine seltene Pistolenmunition verwendet worden, deren Spur zu einem Schützenverein führe, zu dem auch K. Verbindungen gehabt haben soll. Zudem weise die Vorgehensweise bei der letzten Entführung große Ähnlichkeiten zu einer Serie von Diebstählen auf, die K. in der Vergangenheit verübt hatte.

Der Beschuldigte selbst streitet die Vorwürfe indes ab. Ob das von den Ermittlern zusammengetragene Belastungsmaterial am Ende für eine Verurteilung reicht, ist ungewiss.

K.s Anwalt, der Berliner Strafverteidiger Axel Weimann, zeigte sich auf Anfrage skeptisch. "Mein Mandant bestreitet die Taten", so Weimann. "Die Staatsanwaltschaft meint, dass die Gesamtschau der vermeintlichen Indizien einen hinreichenden Tatverdacht begründet. Es wird sich zeigen, ob diese Indizien einer genauen Prüfung tatsächlich standhalten können".

Jetzt muss das Landgericht Frankfurt (Oder) über die Zulassung der Anklage gegen Mario K. entscheiden. Mit einem möglichen Prozessbeginn dürfte frühestens im Mai zu rechnen sein.

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