Entführungsfall Shannon Mutter wegen Vernachlässigung ihres Kindes angeklagt

Jetzt muss sie sich vor Gericht verantworten: Karen Matthews soll in die Entführung ihrer neunjährigen Tochter verwickelt gewesen sein. 24 Tage lang war Shannon aus Yorkshire verschwunden - nun hat die Mutter Angst, dass sie ihr Kind nie wiedersehen könnte.


London - "Wir haben ausreichende Beweise", sagte Staatsanwalt Peter Mann der "Times". Gegen Karen Matthews wurde nun Anklage wegen Vernachlässigung ihres Kindes und Täuschung der Behörden erhoben. Zuvor hatte die Polizei aus Yorkshire die 32 Jahre alte Mutter der entführten Shannon zwei Tage lang verhört.

Laut "Times" hat Matthews in einem Polizeiwagen einer Beamtin und zwei Freundinnen gestanden, dass sie von Anfang an wusste, wo sich ihre Tochter befand. Der Onkel von Shannons Stiefvater Craig Meehan soll das Kind aus Eifersucht in seine Wohnung gesperrt haben, weil sich Matthews nicht von Meehan trennte.

Wider besseres Wissen, meldete die Mutter daraufhin ihre Tochter als verschwunden und richtete im Fernsehen tränenreiche Appelle an die Kidnapper. "Als alles außer Kontrolle geriet, wusste sie nicht mehr, wie sie die Sache beenden sollte", zitiert die "Times" eine namentlich nicht genannte Quelle aus Polizeikreisen.

"Karen hat große Angst davor, dass sie ins Gefängnis muss und Shannon womöglich niemals mehr wiedersieht", sagte ein Bekannter der Familie Matthews der Zeitung "The Sun". Das neun Jahre alte Mädchen lebt derzeit bei einer Pflegefamilie. Laut "Daily Mail" soll sie sich nach ihrer Befreiung am 14. März geweigert haben, zu ihrer Mutter zurückzukehren.

In der "Times" kritisierte Julie Poskitt ihre Schwester Karen Matthews dafür, dass sie zeitweise den Überblick über ihre eigenen Kinder verlor. "Als Shannon verschwand, hat sie allen erzählt, dass sie sechs Kinder hat. Es dauerte Tage, bis ihr einfiel, dass es eigentlich sieben sind."

Die Polizei prüft außerdem, ob Matthews oder Familienmitglieder um Spenden aus einem Fonds gebeten hatten, den die Eltern des in Portugal verschwundenen Mädchens Madeleine McCann gegründet haben. Eine Sprecher von Gerry und Kate McCann sagte der "Times": "Wir hatten eine mündliche Anfrage von jemanden, der behauptete, mit Shannon verwandt zu sein. Weiterhin wurde per Mail finanzielle Unterstützung gefordert."

dek



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