Entführungsopfer Österreich zahlt Kampusch keine Entschädigung

Wegen Ermittlungsfehlern nach ihrer Entführung hatte Natascha Kampusch vom österreichischen Staat Entschädigung gefordert. Eine solche Zahlung wurde nun abgelehnt. Der Anwalt der jungen Frau nannte dies eine "menschlich völlig unverständliche Haltung".
Natascha Kampusch: "Ablehnende, menschlich völlig unverständliche Haltung"

Natascha Kampusch: "Ablehnende, menschlich völlig unverständliche Haltung"

Foto: Fabian Bimmer/ AP

Wien - Das österreichische Entführungsopfer Natascha Kampusch erhält keine Entschädigung vom Staat. Im Namen des Innenministeriums habe die Finanzprokuratur eine entsprechende Zahlung abgelehnt, teilte Kampuschs Anwalt Gerald Ganzger am Dienstag in einer Presseinformation mit. Die heute 23-Jährige nehme diese "ablehnende, menschlich völlig unverständliche Haltung" des Innenministeriums zur Kenntnis, heißt es in der Mitteilung des Anwalts weiter.

Kampusch, die achteinhalb Jahre lang in einem Keller festgehalten worden war, hatte der Polizei Ermittlungspannen nach ihrem Verschwinden vorgeworfen und deswegen Ansprüche geltend gemacht. Im Alter von zehn Jahren war Kampusch auf dem Weg zur Schule entführt worden. Erst im Sommer 2006 gelang ihr die Flucht aus ihrem Kellerverlies. Der Entführer Wolfgang Priklopil nahm sich wenige Stunden nach Kampuschs Flucht das Leben.

Ganzger hält daran fest, dass die junge Frau früher hätte befreit werden können. Unter anderem sei der Hinweis eines Polizeibeamten auf ihren tatsächlichen Entführer ignoriert worden. Das Innenministerium argumentierte nach Angaben des Anwalts, es habe kein "dringender Tatverdacht" gegen Priklopil bestanden. Ihrem Anwalt zufolge hätte Kampusch die Entschädigungszahlungen für Wohltätigkeitsprojekte verwendet.

siu/dpa/dapd
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