Entführungsserie Piraten kapern weitere Schiffe vor Somalia

Die Piraten am Horn von Afrika werden immer dreister: Erneut wurden im Golf von Aden zwei Schiffe gekapert. Der deutschen Marine gelang es immerhin, einen weiteren Angriff auf einen britischen Tanker zu vereiteln.


Hamburg - Am Dienstag wurde ein griechisches Frachtschiff im Golf von Aden entführt. Es soll 23 bis 25 Besatzungsmitglieder an Bord haben. "Die Piraten senden ein Signal an die Welt, dass da heißt: Wir können tun, was wir wollen, wir können das Unmögliche denken, das Unerwartete tun", sagte Andrew Mwangura, Sprecher des in Mombasa ansässigen ostafrikanischen Hilfsprogramms für Seefahrer. Auf einem entführten thailändischen Fischerboot sollen sich laut Internationaler Seefahrtsbehörde (IMB) 16 Besatzungsmitglieder befinden. Noel Choong vom Internationalen Überwachungszentrum für Piratenübergriffe in Kuala Lumpur sagte, das unter der Flagge von Kiribati fahrende Schiff habe einen Notruf gesendet, als es von zwei Schnellbooten verfolgt wurde. Die Funkverbindung sei dann allerdings abgebrochen. Die in Bahrain stationierte 5. Flotte der US-Marine habe ein Flugzeug in die Region entsandt, sagte eine Sprecherin.

Deutsche Fregatte vereitelt Piratenangriff auf britisches Schiff

Mindestens acht Schnellboote sollen zudem in der Region den britischen Tanker "Trafalgar" angegriffen haben. Laut dem britischen "Telegraph" sendete es einen Notruf aus, der von einer Fregatte der deutschen Marine gehört wurde, die rund zwölf Seemeilen entfernt im Golf von Aden patrouillierte. Die Fregatte entsandte einen Helikopter, woraufhin die Piraten die Flucht ergriffen hätten, hieß es.

Die deutsche Fregatte "Karlsruhe" war bereits am Montag mit einem Marine-Hubschrauber dem äthiopischen Handelsschiff "Andinet" zur Hilfe geeilt, das von zwei Motorbooten attackiert wurde, teilte die Marine am Dienstag in Glücksburg mit.

Große Besorgnis erregte die Entführung eines saudiarabischen Tankers mit Rohöl im Wert von 100 Millionen Dollar an Bord am Samstag. Der Supertanker "Sirius Star" ist 330 Meter lang und so groß wie drei Fußballfelder - das größte Schiff, dass je in die Hand von Piraten geriet. An Bord befinden sich 25 Besatzungsmitglieder. Die Piraten sollen das Schiff inzwischen nach Somalia gebracht haben, wo es im Hafen von Haradheere vor Anker liegen soll. Die "Sirius Star" war im Auftrag der Reederei Vela International unterwegs, einer Tochter des saudiarabischen Konzerns Aramco.

Dem ostafrikanischen Hilfsprogramm zufolge sind bisher keine Lösegeldforderungen eingegangen. Der arabische Fernsehsender Al-Dschasira zitiert am Mittwoch einen Mann, der eigenen Angaben zufolge zu den schwer bewaffneten Seeräubern gehört. Er habe gesagt, komme es zu einer Geldübergabe für die "Sirius Star", werde das Geld "maschinell nachgezählt". "Wir haben die notwendige Ausrüstung, um Falschgeld zu erkennen." Zur Höhe der Forderung machte er jedoch keine Angaben.

Laut Noel Choong befinden sich derzeit 17 Schiffe mit mehr als 300 Besatzungsmitgliedern in der Hand von Piraten, darunter auch ein ukrainisches Schiff mit Panzern und Waffen an Bord.

Die indische Marine soll Medienberichten vom Mittwoch zufolge vor der Küste Somalias ein Piratenschiff versenkt haben. Die indische Fregatte "INS Tabar", die im Golf von Aden patrouilliert, sei von somalischen Seeräubern am späten Dienstagabend unter Beschuss genommen worden, berichtete die Nachrichtenagentur IANS unter Berufung auf die Marine. Daraufhin habe die Fregatte das Feuer erwidert und das Piratenschiff versenkt. Der Nachrichtensender NDTV berichtete, die Fregatte sei von mindestens drei Schiffen angegriffen worden. Vergangene Woche hatte die "INS Tabar" bereits einen Piratenüberfall auf zwei Handelsschiffe - eines aus Indien und das zweite aus Saudi-Arabien - verhindert.

Bundesregierung offenbar einig über Marineeinsatz gegen Piraten

Laut Informationen der "Welt" hat sich die Bundesregierung nach langem Streit über den rechtlichen Rahmen einer Bundeswehrbeteiligung an einer EU-Militäraktion gegen die Piraten vor Somalias Küste verständigt. Die Ministerien sollen sich der Zeitung zufolge auf ein Verfahren geeinigt haben, wonach die Marine gegen Piraten vorgehen darf.

Die vier beteiligten Ressorts Verteidigung, Außen, Innen und Justiz hätten sich auf Staatssekretärsebene geeinigt. Danach kann die Marine im Rahmen von "Atalanta", einer Mission im Rahmen der Europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (ESVP) und unter Uno-Mandat, militärisch gegen Piraten vorgehen. Eine eventuelle Verhaftung von Piraten bliebe gleichwohl Polizeiaufgabe.

Wie die Zeitung weiter berichtet, will die Bundesregierung ein Vorgehen gegen Piraten vor Somalias Küste am 3. Dezember beschließen.

ala/AP/Reuters/dpa/ddp

Die Nato-Kriegsschiffe im Golf von Aden
Flaggschiff und Zerstörer "Durand de la Penne"
Der italienische Zerstörer ist ein 5000-Tonnen-Mehrzweckkriegsschiff. Es dient der Abwehr von Luft- und U-Boot-Angriffen - letztere werden im Golf natürlich keine Rolle spielen. Bei Landgang und Küstenbombardierungen kann der Zerstörer Schützenhilfe leisten. Dieses erste Schiff der De-la-Penne-Serie wurde 1993 in Betrieb genommen. Der italienische Admiral Giovanni Gumiero führte den Nato-Flottenverband, bevor das Schiff zur Anti-Piraterie-Mission geschickt wurde.
Fregatte "Themistokles"
Die Fregatte "Themistokles" ist ein Schiff aus der Elli-Klasse der griechischen Marine. Sie wurde 1979 in den Niederlanden gebaut und 2003 an Griechenland verkauft. Dort wurde das Schiff modernisiert und zur "HS Themistokles" umbenannt. An Bord der 3100 Tonnen schweren Fregatte befinden sich neben Torpedos und Missiles auch zwei Hubschrauber.
Fregatte "Cumberland"
Die "Cumberland" ist eine F85-Fregatte der britischen Royal Navy. Das in Schottland gebaute Kriegsschiff wurde 1989 in Betrieb genommen. Ursprünglich sollte die Cumberland gegen U-Boote eingesetzt werden, bekämpft jetzt aber auch feindliche Schiffe und Flugzeuge. Sie kann auf eine Maximalgeschwindigkeit von 30 Knoten beschleunigt werden.

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Robert B., 18.11.2008
1. Kriegsschiffe
Die gleichen Massnahmen wie seit 5 Jahrhunderten. Kriegsschiffe auf Piratenjagd schicken. Sehr viel sinnvoller als der Afganistaneinsatz der BW.
dcl 18.11.2008
2.
---Zitat--- Die US-Marine erklärte, die meisten Attacken der vergangenen Monate hätten durch "Sicherheitsteams an Bord" abgewehrt werden können. ---Zitatende--- Genau. Diese Sicherheitsteams werden natürlich von internationalen Sicherheitsunternehmen wie Blackwater o.ä. gestellt, in welchen die Spezialisten der US Navy nach ihrer militärischen Karriere ihr Brot verdienen. Handelsschiffe sind weder auf Verteidigung noch auf Angriff gebaut und bei zwei Millionen Barrel Öl möchte ich mir den Beschuss mit sog. reaktiven Panzerbüchsen (Panzerfaust) nicht vorstellen. Sicherheitsteams führen zur Eskalation auf den Handelsschiffen. Wozu gibt es bitte Kriegsschiffe? Die sind genau für solche Operationen gebaut worden und sind personell auf kriegerische Maßnahmen eingestellt. Dieses Rumgeeiere, auch von Seiten der Bundesmarine, ist zum heulen. Haben die Jungs Angst, dass ihre teuren Spielzeuge Kratzer bekommen könnten?
Interessierter0815 18.11.2008
3.
Zitat von sysopDie Kaperung des Super-Tankers weit vor der Küste Somalias zeigt: Das Problem der Piraterie wird für die internationale Seefahrt immer bedrohlicher. Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, um den Seehandel wieder sicher zu machen?
Die Welt am techn. Fortschritt teilnehmen lassen? Erst klauen wir die Rohstoffe der Länder und dann flennen wir noch, das sie sich wehren.
yato, 18.11.2008
4. Da war die Realität wieder mal schneller als Hollywood
Zitat von Robert B.Die gleichen Massnahmen wie seit 5 Jahrhunderten. Kriegsschiffe auf Piratenjagd schicken. Sehr viel sinnvoller als der Afganistaneinsatz der BW.
scheint ja nicht sehr viel gebracht zu haben seit 5 jahrhunderten, oder hatten piraten in der weltgeschichte schon jemals so einen dicken fisch an der angel? mit der zivilisierung hat das übrigens wohl doch nicht so gut geklappt - sind wir jetzt eigentlich wieder im mittelalter? ...man mag sich gar nicht vorstellen was mit so einem riesentanker voll öl alles möglich wäre, wenn die piraten durchdrehen...
TranceData, 18.11.2008
5.
Piraten wurden früher von der Marine versenkt. Also: Back to the roots...
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