Erftstadt Razzia gegen Tagebaubetreiber wegen Flutkatastrophe

Nach dem verheerenden Abbruch an einer Kiesgrube während des Hochwassers in Erftstadt geht die Polizei gegen den Betreiber des Tagebaus vor. Er wird verdächtigt, zu der Katastrophe beigetragen zu haben.
Nach den Überflutungen in Erftstadt (Aufnahme aus dem Juli 2021) wurden mehrere Gebäude mitgerissen

Nach den Überflutungen in Erftstadt (Aufnahme aus dem Juli 2021) wurden mehrere Gebäude mitgerissen

Foto:

Rhein-Erft-Kreis / dpa

Im Zusammenhang mit dem verheerenden Abbruch einer Kiesgrube in Erftstadt während der Flutkatastrophe im Juli 2021 durchsucht die Polizei unter anderem die Räume eines Tagebaubetreibers. Ermittelt werde wegen des Verdachts des fahrlässigen Herbeiführens einer Überschwemmung durch Unterlassen, der Baugefährdung sowie Verstoßes gegen das Bundesberggesetz, teilte die Staatsanwaltschaft Köln mit.

Bei dem Unglück im Ortsteil Blessem waren zahlreiche Häuser nahe der Kiesgrube unterspült worden und eingestürzt. Zunächst rutschte der Boden nahe einer Kiesgrube am Fluss Erft weg, nachdem Starkregen die Grube geflutet hatte. Daraufhin wurden auch die Gebäude durch den Erdrutsch mitgerissen, es entstand ein riesiger Krater. Bürgermeisterin Carolin Weitzel hatte angekündigt, dass Gutachter die Ursache der Erosion untersuchen sollten.

Ermittlungen auch gegen die Bezirksregierung

Aktuell seien mehr als 140 Beamtinnen und Beamte der Polizei an den Razzien in mehr als 20 Büro- und Wohnanschriften in Nordrhein-Westfalen sowie an einem Objekt in Thüringen beteiligt, hieß es . Es bestehe der Verdacht, dass sich am Südrand des sogenannten Altbereichs der betroffenen Kiesgrube kein den behördlichen Bestimmungen entsprechender Hochwasserschutzwall und zudem unzulässig steile Böschungen befunden haben.

Beide Aspekte könnten ursächlich für das Eindringen großer Wassermassen in die Kiesgrube gewesen sein. Eine sogenannte rückschreitende Erosion soll Teile von Erftstadt unterspült und zum Einsturz mehrerer Wohnhäuser geführt haben.

Das Ermittlungsverfahren richtet sich gegen den Eigentümer und Verpächter des Tagebaus, fünf Beschuldigte der Betreibergesellschaft mit Sitz in Bergheim – sowie gegen vier Beschuldigte der Bezirksregierung Arnsberg als der nach dem Bundesberggesetz zuständigen Aufsichts- und Genehmigungsbehörde.

Die Durchsuchungen finden in Bergheim, Erftstadt, Köln und Dortmund statt. Betroffen hiervon sind laut Anklagebehörde auch aktuell unverdächtige Beratungs- und Tiefbauunternehmen sowie Sachverständigen- und Vermessungsbüros.

apr/AFP