Sieben Jahre Haft Tochter zieht Vergewaltigungsvorwürfe gegen Vater zurück

Es war alles nur erfunden: Eine inzwischen 33-jährige Frau hat vor Gericht in Memmingen zugegeben, ihren Vater zu Unrecht der Vergewaltigung bezichtigt zu haben. Der Mann hatte wegen der Vorwürfe sieben Jahre im Gefängnis gesessen.

Angeklagter Heinz-Dieter G. (r.) mit Anwalt: Schadensersatzklage möglich
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Angeklagter Heinz-Dieter G. (r.) mit Anwalt: Schadensersatzklage möglich


Memmingen - Ein Familienvater aus dem Oberallgäu hat vermutlich sieben Jahre unschuldig im Gefängnis gesessen. Seine Tochter widerrief vor dem Landgericht Memmingen ihren früheren Vorwurf, der heute 62-jährige Heinz-Dieter G. habe sie vergewaltigt. Im Juli 1996 war der Mann wegen dieser Anklage vom Landgericht Kempten verurteilt worden. Schon 2009 hatte Nina G. die Anschuldigungen zurückgenommen. Aufgrund der neuen Aussage wurde der Prozess jetzt neu aufgerollt. Ein Urteil wird nach Angaben des Gerichtssprechers bereits gegen Mittag erwartet.

Unter Tränen erklärte die inzwischen 33-Jährige vor Gericht ihren ursprünglichen Vorwurf damit, dass ihre Mutter sie gegen den Vater aufgehetzt habe: "Mein Hass auf meinen Vater wurde immer größer. Ich dachte, ich müsste mich an meinem blöden Vater rächen."

Im Alter von 15 Jahren hatte Nina G. dem Vater vorgeworfen, sie als kleines Mädchen insgesamt dreimal vergewaltigt zu haben. Heinz-Dieter G. wurde darauf zu sieben Jahren Haft verurteilt. Laut Bayerischem Rundfunk litt das vermeintliche Opfer in der Folge offenbar jahrelang darunter, den Vater mit einer erfundenen Geschichte ins Gefängnis gebracht zu haben.

Keine Konsequenzen für Nina G.

In dem Wiederaufnahmeprozess erwarten Beobachter nun einen Freispruch für Heinz-Dieter G. Später könnte er in diesem Fall auch auf Schadensersatz klagen. Konsequenzen hat Nina G. allerdings kaum zu befürchten. Ihre Falschaussage, die zur Haftstrafe für den Vater führte, ist nach Angaben des Gerichtssprechers inzwischen verjährt.

Erst vor wenigen Wochen hatte ein ähnlicher Fall für Schlagzeilen gesorgt. Dabei hatte das Landgericht Darmstadt die Lehrerin Heidi K. zu einer Haftstrafe verurteilt, nachdem sie einen Kollegen zu Unrecht der Vergewaltigung bezichtigt hatte. Der inzwischen verstorbene Mann hatte darauf fünf Jahre lang im Gefängnis gesessen. Gegen das Urteil legte K. Revision ein.

rls/dpa

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