Rassistischer Angriff Tatverdächtige von Erfurt wieder frei - Kritik vom Innenminister

Zwölf mutmaßlich rechte Schläger sollen in Erfurt drei Männer brutal angegriffen haben. Nun sind sie wieder frei. Für die Opfer und Anwohner sei das eine Katastrophe, kritisierte Thüringens Innenminister Maier.
Herrenberg in Erfurt: Die Tat ereignete sich vor einem bekannten Treffpunkt der rechten Szene

Herrenberg in Erfurt: Die Tat ereignete sich vor einem bekannten Treffpunkt der rechten Szene

Foto: Martin Schutt/ dpa

Nach dem brutalen Angriff auf drei Männer aus Guinea in Erfurt sind die vorübergehend festgenommenen Tatverdächtigen wieder auf freiem Fuß. Die Ermittler gehen weiter von einem fremdenfeindlichen Motiv aus, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Die zwölf Festgenommenen seien auch weiterhin tatverdächtig, es gebe aber keinen Haftgrund wie Flucht- oder Verdunkelungsgefahr. Es werde aber weiterhin gegen sie ermittelt.

Bei dem Angriff wurde eines der drei Opfer schwer verletzt. Sein Zustand war laut Polizeiangaben zwischenzeitlich kritisch. Ein weiteres Opfer musste mit leichten Verletzungen im Krankenhaus behandelt werden. Die drei Opfer waren in der Nacht zu Samstag vor einem polizeibekannten Ort der rechten Szene zunächst verbal und dann tätlich attackiert worden.

"Ich bin schockiert"

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) schrieb auf Twitter: "Ich bin schockiert! Erneut rechtsextreme Gewalt in Erfurt. Bin in Gedanken bei den Opfern." Der Vorfall zeige eine steigende Gewaltbereitschaft in rechtsextremistischen Strukturen. Die Tat geschah vor einem bekannten Treffpunkt der rechten Szene.

Maier twitterte nach der Freilassung der mutmaßlichen Täter: "Die Nazi-Schläger von Erfurt laufen alle wieder frei rum. Ich weiß, dass es mir nicht zusteht, die Justiz zu kritisieren. Aber für die Opfer und die Menschen am Herrenberg ist das eine Katastrophe." Herrenberg heißt das Plattenbaugebiet im Erfurter Südosten, wo sich die Tat nachts gegen 3 Uhr vor dem Treffpunkt der rechten Szene ereignet hatte. Die Angreifer hielten sich laut Polizei davor auf.

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In die Ermittlungen wurde unter anderem das Landeskriminalamt eingeschaltet. Die Polizei forderte Zeugen auf, sich zu melden. In Thüringer Sicherheitskreisen wird davon ausgegangen, dass sich in dem Szenetreff, vor dem der Angriff erfolgte, auch Mitglieder oder Sympathisanten der rechtsextremistischen Kleinstpartei Dritter Weg regelmäßig aufhalten. Die Polizei äußerte sich dazu nicht.

Die Linkenlandtagsabgeordnete Katharina König-Preuss erklärte, es sei bereits der zweite massive Neonazi-Übergriff in Erfurt innerhalb weniger Wochen. Ein Verbotsverfahren gegen den Dritten Weg sei überfällig.

In Thüringens Landeshauptstadt protestierten am Samstag Hunderte Menschen gegen Rechtsextremismus. Polizei und Veranstalter sprachen von etwa 400 Teilnehmern. Hintergrund war ein Vorfall am vorletzten Juliwochenende vor der Staatskanzlei, bei dem eine Gruppe Jugendlicher angegriffen und verletzt wurde. Einige der Angreifer haben nach Angaben der Ermittlungsbehörden einen rechtsradikalen Hintergrund. Die Ermittlungen dazu laufen ebenfalls noch.

koe/dpa/AFP
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