Erklärung im Internet Al-Qaida bekennt sich zu Anschlagsversuch auf US-Passagierflugzeug

Die Qaida-Filiale auf der Arabischen Halbinsel bekennt sich zu dem Anschlagsversuch auf einen US-Passagierjet an Weihnachten. In einer Interneterklärung, die SPIEGEL ONLINE vorliegt, erklärt sie den Attentäter zum Helden. US-Präsident Obama kündigte eine konsequente Verfolgung der Hintermänner des Vorfalls an.
Von Yassin Musharbash
Qaida-Propagandabild im Internet: "Einzigartige Operation gegen ein ein Flugzeug"

Qaida-Propagandabild im Internet: "Einzigartige Operation gegen ein ein Flugzeug"

Foto: HO / Reuters

Berlin - Das Bekennerschreiben wurde am Montagabend auf einer dschihadistischen Website veröffentlicht, die al-Qaidas Filialen regelmäßig nutzen, um ihre Kommuniqués zu verbreiten. Es liegt SPIEGEL ONLINE vor.

In dem einseitigen Schreiben heißt es: "Mit der Erlaubnis Gottes hat der heldenhafte Bruder, der Mudschahid, der das Märtyrertum anstrebende Umar Farouk eine einzigartige Operation gegen ein Flugzeug durchgeführt, das auf dem Weg von Amsterdam nach Detroit in den USA unterwegs war, und zwar an 'Christmas'".

Diese Passage bezieht sich offensichtlich auf den Attentäter Umar Farouk Abdulmuttalab, einen 23-jährigen nigerianischen Studenten, der das Flugzeug am ersten Weihnachtstag beim Landeanflug mit Hilfe von Zwei-Komponenten-Sprengstoff zum Absturz zu bringen versucht hatte.

Al-Qaida veröffentlicht angeblich neues Bild des Attentäters

In dem Bekennerschreiben ist auch ein Bild des Attentäters enthalten. Es ist mit der Aufschrift "exklusiv" versehen, was offenbar die Echtheit des Bekennerschreibens bestätigen soll.

Als Grund für den Anschlagsversuch werden "US-Feindseligkeiten auf der Arabischen Halbinsel" angeführt, unter anderem Luftschläge gegen Qaida-Stellungen mit Cruise Missiles in den letzten Wochen. Der Anschlag sei eine "direkte Reaktion".

Des weiteren erklärt die Qaida-Filiale den auf der Halbinsel lebenden Ausländern "den totalen Krieg". Jeder Muslim wird aufgefordert, jeden "Kreuzfahrer" in Saudi-Arabien oder dem Jemen "mit allen Mitteln" zu töten, egal ob "an Botschaften oder sonst wo."

Neue Drohungen gegen USA

Den Soldaten der US-Streitkräfte empfehlen die Autoren des Schreibens, sich den Attentäter Nidal Hasan zum Vorbild zu nehmen, der selbst Mitglied der US-Armee war und in einem Amoklauf mehr als ein Dutzend US-Soldaten getötet hat.

Die Verfasser brüsten sich damit, dass die "Produktionsabteilung" des Terrornetzwerks den Sprengstoff, den Abdulmuttalab benutzte, selbst entwickelt und getestet habe. So sei es dem Nigerianer gelungen, sämtliche Sicherheitskontrollen zu passieren. Nur ein technisches Problem habe verhindert, dass der mitgeführte Sprengstoff gänzlich explodierte. "Wir werden auf diesem Weg aber voranschreiten, bis wir unser Ziel erreichen, welches darin besteht, dass der Islam obsiegt."

Auch neue Drohungen gegen die USA stoßen die Terroristen aus: "Wir haben Männer für euch in Bereitschaft gesetzt, die den Tod mehr lieben als ihr das Leben und mit Gottes Erlaubnis werden wir zu euch kommen mit etwas, das ihr noch nicht kennt."

Das Bekennerschreiben trägt das Datum vom vergangenen Samstag, ist aber nach einer am späten Nachmittag erfolgten Ankündigung am Montagabend veröffentlicht worden.

Ob das Foto und das Bekennerschreiben authentisch ist, kann unabhängig derzeit nicht bestätigt werden. Es spricht aber viel dafür, neben dem Fundort auch der Veröffentlichungsmodus und die verwendete Sprache.

Präsident Obama kündigt Aufklärung an

US-Präsident Barack Obama versprach eine umfassende Aufklärung des vereitelten Anschlags. Seine Regierung werde nicht ruhen, bis alle an den Plänen Beteiligten zur Verantwortung gezogen sind, sagte Obama am Montag in seinem Urlaubsort auf Hawaii. Der Präsident wies auf seine Anordnungen hin, sowohl den Umgang mit Listen verdächtiger Personen wie auch die allgemeinem Sicherheitsvorkehrungen im Luftverkehr grundlegend zu überprüfen.

Obama unterstrich, dass seine Regierung "jedes Element unserer Macht" nutzen werde, um Terroristen "im Jemen, in Somalia oder wo auch immer" zu bekämpfen. Der Präsident lobte darüber hinaus den Mut von Passagieren und Crew der Delta-Maschine, durch deren Eingreifen eine Katastrophe an Bord verhindert wurde.

mit Material von Reuters
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