Getötetes Mädchen in Emden Verdächtiger verstrickt sich in Widersprüche

Die Ermittler sind sich ziemlich sicher, den Richtigen gefasst zu haben: Der verhaftete Berufsschüler ist laut Polizei und Staatsanwaltschaft dringend verdächtig, die elfjährige Lena in Emden getötet zu haben. Der mutmaßliche Täter habe kein Alibi.

Verdächtiger im Fall der getöteten Lena (schwarze Jacke): Auf dem Weg in die JVA in Vechta
DPA

Verdächtiger im Fall der getöteten Lena (schwarze Jacke): Auf dem Weg in die JVA in Vechta


Emden - Polizei und Staatsanwaltschaft in Emden haben Einzelheiten zum gewaltsamen Tod der elfjährigen Lena und zum verhafteten Verdächtigen mitgeteilt. Der 17-jährige Berufsschüler habe für die Tatzeit kein Alibi und sich bei der Vernehmung in Widersprüche verstrickt, sagte der Leiter der Mordkommission, Werner Brandt, am Mittag im Polizeikommissariat Emden. Es liegt nur gut hundert Meter vom Tatort entfernt. "Die Angaben zum Alibi konnten gestürzt werden", so Brandt.

Der entscheidende Hinweis auf den Verdächtigen kam offenbar von einer Frau. "Eine Zeugin hat sich aufgrund der Fahndungsaufrufe bei uns gemeldet", sagte Brandt. Die Frau habe die Polizei kontaktiert, bevor die Überwachungsvideos veröffentlicht worden seien. Was die Frau genau gesagt hat, wollte Brandt nicht mitteilen.

Der Zeugin zufolge passte die Beschreibung im Fahndungsaufruf der Polizei auf den 17-Jährigen - zudem habe sich der Berufsschüler auffällig verhalten. Weitere Indizien hätten dann zur Festnahme geführt, so der Leiter der Mordkommission. Der Verdächtige habe Fragen der Beamten beantwortet, die Tat selbst aber abgestritten. In der Wohnung des Verdächtigen seien Gegenstände sichergestellt worden, die unter Umständen tatrelevant sind. Sie würden derzeit untersucht. Was genau gefunden wurde, sagte Brandt nicht.

Zudem seien am Tatort Spuren gesichert worden, die nun vom Landeskriminalamt in Hannover auf verwertbares DNA-Material geprüft werden. Das werde aber einige Tage in Anspruch nehmen - ebenso wie der Abgleich mit der DNA des verdächtigen Berufsschülers.

Viele offene Fragen

Sollte der Verdächtige verurteilt werden, droht im eine Haftstrafe von maximal zehn Jahren, sagte Bernard Südbeck, Leiter der Staatsanwaltschaft Aurich. Er wies zugleich ausdrücklich daraufhin, dass weiter die Unschuldsvermutung gelte und warnte vor einer Vorverurteilung des 17-Jährigen. Dies sei teilweise in Sozialen Netzwerken geschehen. "Daran haben wir uns sehr gestört", sagte Südbeck.

Viele Fragen ließen Polizei und Staatsanwaltschaft offen - etwa die nach früheren Auffälligkeiten des Tatverdächtigen, einer möglichen Tatwaffe sowie nach der Todesursache und den Todesumständen des Mädchens. "Die Tat war sexuell motiviert", sagte Brandt.

Bereits zuvor waren die Ermittler davon ausgegangen, dass der Tatverdächtige das Mädchen umgebracht hat, um eine Sexualstraftat zu vertuschen. Das sagte der Direktor des Amtsgerichts Emden, Otto Hüfken, und fügte hinzu: "Das wäre ein Mordmerkmal, dadurch würde es sich um Mord und nicht um Totschlag handeln."

Eine Richterin hatte am Mittwochabend Haftbefehl gegen den 17-Jährigen erlassen, der das Mädchen am Samstag in einem Parkhaus in der Innenstadt umgebracht haben soll. Der junge Mann wurde daraufhin in die Justizvollzugsanstalt nach Vechta gebracht. Er räumte die Tat während des einstündigen Verhörs bei der Haftrichterin nicht ein - wie zuvor schon bei stundenlangen Vernehmungen durch die Polizei.

Mehr als 150 Hinweise aus der Bevölkerung

Seit der Festnahme am Dienstagabend hatten die Ermittler Indizien und Beweismittel zusammengetragen, um den Tatverdacht zu konkretisieren. Nur kurze Zeit nach der Veröffentlichung von Bildern mehrerer Überwachungskameras aus dem Parkhaus war der mutmaßliche Täter festgenommen worden. Die Videos zeigten einen jungen Mann mit dunkler Hose, dunkler Kapuzenjacke und dunklen Turnschuhen mit einer auffallend weißen, dicken Sohle. In einer neuen Videosequenz ist die Person länger zu sehen.

Die Stadt Emden hatte zur Aufklärung der Tat eine Belohnung von 10.000 Euro ausgesetzt. Gezahlt werden sollte das Geld für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen. Bei der 40-köpfigen Mordkommission "Parkhaus" sind bislang mehr als 150 Hinweise eingegangen, besonders viele seit der Veröffentlichung der Bilder einer Überwachungskamera. Man habe zwar einen Verdächtigen, gehe aber trotzdem jedem anderen Hinweis nach. Die Ermittlungen würden mit aller Macht in alle Richtungen weitergeführt werden, sagte Brandt.

In der 50.000-Einwohner-Stadt löste die Verhaftung des mutmaßlichen Täters am Mittwochabend Erleichterung aus. "Ich hoffe, dass sich jetzt endgültig bestätigt, dass der Fall aufgeklärt ist", sagte Oberbürgermeister Bernd Bornemann. Trotz der großen Anteilnahme aus der Bevölkerung soll es laut Bornemann keine öffentliche Trauerfeier geben. Die Angehörigen wollten ein stilles Gedenken und eine Beisetzung im engstem Familienkreis.

Arno Peper, Leiter des Polizeikommissariats Emden, appellierte an die Medien, diesen Wunsch zu respektieren. Laut Brandt sind die Angehörigen des Opfers an einem sicheren Ort untergebracht und werden dort von speziell ausgebildeten Beamten betreut.

wit/ulz/dpa/dapd

insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
heinz-fassbender 29.03.2012
1. kein Alibi?
Zitat von sysopDPADie Ermittler sind sich ziemlich sicher, den Richtigen gefasst zu haben: Der verhaftete Berufsschüler ist laut Polizei und Staatsanwaltschaft dringend verdächtig, die elfjährige Lena in Emden getötet zu haben. Der mutmaßliche Täter habe kein Alibi. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,824486,00.html
Kein Alibi begründet doch keinen zwingenden Tatverdacht!
janne2109 29.03.2012
2. ......
ich bewundere immer wieder wie man jemanden auf so kurzen Videosequenzen wiedererkennen kann, superrrr
mischpot 29.03.2012
3. max. 4 Jahre oder Freispruch
Der 17 jährige wird auf anraten seiner Anwälte nichts mehr aussagen. Wenn die Behörden keine DNA finden ist Ihm nichts nachzuweisen, die Tat hat er nicht zugegeben, also wird er frei gesprochen oder erst gar nicht angeklagt. Sollten die Behörden DNA auf der Tatwaffe oder einem tatausführenden Gegenstand finden. Wird die Staatsanwaltschaft vielleicht auf Mord plädieren. Jugendstrafrecht, soziales Umfeld des Jugendlichen, schwere Kindheit, evtl. Drogen. Hier wird sicherlich eine Therapie von Nöten sein. Auch wird die Entwicklung des Jungen und das er doch aus seinem Umfeld, Berufsschule herausgerissen wurde eine Rolle spielen. Das gibt dann eine Bewährungsstrafe oder max. 4 Jahre mit Unterbringung in einer Erziehungsanstalt, wegen der niedrigeren Rückfallquote. An das Opfer und die Angehörigen denkt kein Mensch. Diese werden vor Gericht höchstens noch verhöhnt, daß sich Ihre Tochter vielleicht sexuell angeboten hat und den mutmaßlichen Täter dann erpressen wollte. Mal sehen welche Story da gestrickt wird. Das schaffen idiotische Strafverteidiger schon.
Andr.e 29.03.2012
4. .
Zitat von heinz-fassbenderKein Alibi begründet doch keinen zwingenden Tatverdacht!
Sie haben auch kein Alibi, werden aber zur Sache wohl eher nicht gefragt werden. Oder anders: Der Tatverdacht ist da, das fehlende Alibi erhärtet.
EinJemand 29.03.2012
5.
Interessant, das bei Ihnen der Täter also schon feststeht -- und gut, dass wir es in Deutschland im Gegensatz zu Ihrer Vorverurteilung mit einer Justiz zu tun haben, die erstmal nur *Tatverdächtige* kennt, bis der Prozeß seinen Abschluß findet.
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