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Getötetes Mädchen: Emden im Schockzustand

Foto: Ingo Wagner/ dpa

Emden Tote Elfjährige - Polizei sucht nach jungem Mann

Ein Mädchen aus Emden wurde in einem Parkhaus leblos aufgefunden, nun ist klar: Die Tötung der Elfjährigen war sexuell motiviert. Die Ermittler fahnden nach einem jungen Mann, der dunkel gekleidet war.

Emden - Die Ermittler sitzen nur rund hundert Meter vom Ort des Verbrechens entfernt. Im Polizeikommissariat Emden präsentieren Polizei und Staatsanwaltschaft am Nachmittag der Öffentlichkeit erste - sehr dürftige - Details über die Ermordung der elfjährigen Lena in einem Parkhaus, das von dort aus sogar zu sehen ist.

"Der Täter ist noch unbekannt", sagte Werner Brandt von der Polizeiinspektion Leer-Emden und fügte hinzu: "Nach derzeitigem Stand suchen wir nach einem jungen männlichen Täter, der dunkel gekleidet war." Es könnte sich um einen Jugendlichen beziehungsweise jungen Erwachsenen handeln. Eine nähere Beschreibung wollte Brandt unter Verweis auf die nicht abschließend geklärte Faktenlage vorerst nicht geben. Die Angaben zu dem Mann seien "nicht hundertprozentig verifiziert".

Zur Todesursache wollte die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen noch keine Angaben machen. "Sagen kann ich, dass die Tat sexuell motiviert gewesen ist", so Brandt. Und: "Der Fundort ist nach derzeitigem Stand der Ermittlungen auch der Tatort." Die Angaben seien noch sehr dürftig, aber weitere Informationen gebe es zurzeit noch nicht.

Brandt fasste die bisher bekannten Fakten zusammen: Das Mädchen war am Samstag mit einem gleichaltrigen Freund unterwegs gewesen. Die beiden fuhren zwischen 17.30 Uhr und 19 Uhr mit Fahrrädern über die Wallanlagen zum Cinestar-Kino - und dann in das ans Kino grenzende Parkhaus, wo die Elfjährige später von einem Wachmann leblos aufgefunden wurde. Reanimierungsversuche blieben erfolglos, im Krankenhaus konnte nur noch der Tod des Mädchens festgestellt werden.

Überwachungsvideos beschlagnahmt

Der Junge steht laut Brandt unter Schock: "Seine Angaben sind noch lückenhaft." Er habe nach bisherigen Stand aber nichts von dem Verbrechen bemerkt. Unklar scheint, ob der Junge den Täter gesehen hat. Fest stehe, dass die beiden Kinder gegen 17 Uhr von zuhause in Richtung Wallanlagen aufgebrochen seien, um dort Enten zu füttern, so Brandt. Zu dem Zeitpunkt des Zusammentreffens mit dem Täter konnte er keine Angaben machen. Auch könne er nicht sagen, ob das Mädchen ein Zufallsopfer oder ein gezieltes Opfer war. Der besorgte Freund informierte den Angaben zufolge nach dem Verschwinden des Mädchens seine Eltern. Sie gaben den Eltern des Opfer Bescheid, woraufhin diese sich auf die Suche machten.

Bis zur Pressekonferenz hatte sich die Polizei mit Informationen aus ermittlungstechnischen Gründen stark zurückgehalten. Man wolle dem flüchtigen Täter keine Anhaltspunkte über die Ermittlungen geben, hatte Oberstaatsanwalt Bernard Südbeck erklärt. Nun setzen die Ermittler auf eine andere Strategie. Sie hoffen auf Zeugen, die die Kinder an dem betreffenden Abend gesehen und womöglich verdächtige Beobachtungen gemacht haben.

Bislang seien Dutzende Hinweise aus der Bevölkerung eingegangen, die nach und nach abgearbeitet würden, sagte Brandt. "Wir stehen am Anfang unserer Ermittlungen." Es sei eine Mordkommission mit 40 Beamten eingerichtet worden, um den Ablauf und die Hintergründe des Gewaltverbrechens aufzuklären.

Die Polizei hat sämtliche Aufnahmen der Videoüberwachung beschlagnahmt und wertet diese nun aus. "Wir versprechen uns davon wichtige Hinweise", sagte Brandt. Die Laut "Emder Zeitung" soll es im Parkhaus insgesamt zwölf Kameras geben. Den Stadtwerken zufolge seien die Kameras aber lediglich auf die Parkdecks und nicht auf die Treppenhäuser gerichtet.

"Wir haben nichts mitbekommen"

Viele Menschen in Emden können das Geschehene nicht fassen. "So ein Verbrechen kennen wir hier in Ostfriesland sonst nur aus dem Fernsehen", sagte ein älteres Ehepaar am Montag. Vor dem Parkhaus legten Passanten Blumen ab, zündeten Kerzen an.

Die Polizei suchte den Tatort und die Umgebung nach Hinweisen ab. Etwa zwei Dutzend Polizisten waren am Vormittag auf allen drei Ebenen des Parkhauses im Einsatz, um Spuren zu finden. Außerdem durchforsteten die Beamten Büsche angrenzender Wege nach einer Tatwaffe.

Durch eine Schaufensterscheibe verfolgten Kinder die Spurensuche - vom Hort eines Sportcenters aus, in dem Eltern ihre Kinder während ihrer Fitnessübungen beaufsichtigen lassen. "Hier ist in zehn Jahren noch nie etwas passiert, da gab es nicht einen Kratzer am Auto", sagte der Leiter des Sportcenters, Johannes Podeschwa. Das Parkhaus sei immer gut überwacht und sicher gewesen. Das Treppenhaus werde zwar nicht überwacht, aber die Ein- und Ausgänge. "Dort müssen Täter und Opfer vorbeigekommen sein", so Podeschwa.

Als er Samstagabend sein Geschäft verlassen habe, habe er die Ermittler der Spurensicherung gesehen. "Vorher haben wir nichts mitbekommen." Die Unsicherheit vieler Eltern kann Podeschwa gut nachvollziehen. "Als Vater von fünf Kindern frage ich mich jetzt auch: Wie sicher sind meine Kinder?"

Am Abend legten mehr als tausend Menschen eine Gedenkminute nahe des Tatorts vor dem Bahnhof ein.

siu/wit/dpa/dapd/AFP
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