Ermittlungen in Fort Hood Amokläufer soll sich beim Militär radikalisiert haben

US-Ermittler kommen dem Motiv des Amokläufers Nidal Malik Hasan auf die Spur. Laut "New York Times" gibt es Hinweise auf islamistische Internetseiten und eine schleichende Radikalisierung des muslimischen Militärpsychiaters. Politiker sind alarmiert, fordern eine Untersuchung, ob Warnzeichen ignoriert wurden.


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Tragödie in Fort Hood: Tote, Verletzte und eine Heldin
New York - Der Amokläufer von Fort Hood hat offenbar keiner terroristischen Vereinigung angehört. Die "New York Times" berichtet unter Berufung auf Insider, dass die Ermittler von der Tat eines Einzelgängers ausgehen. Sie schließen demnach aber nicht aus, dass der Militärpsychiater Nidal Malik Hasan eine Art Selbstmordattentat begehen wollte.

Hasan hatte am Donnerstag auf dem US-Militärstützpunkt im Bundesstaat Texas um sich geschossen, 13 Menschen getötet und 29 verletzt. Dem Zeitungsbericht zufolge wurden auf dem Computer des 39-Jährigen Hinweise gefunden, dass er Internetseiten besuchte, auf denen radikalislamische Ideologien vertreten werden. Außerdem habe er womöglich in E-Mail-Kontakt mit Mitgliedern der islamischen Bewegung gestanden, eventuell in anderen Ländern. Hasan könnte im Internet Hetzparolen verfasst haben, die Selbstmordattentate rechtfertigen - wobei diese Spur noch nicht untermauert sei, berichtet die "New York Times". Geprüft werde auch, ob er vor seinem Amoklauf Dokumente vernichtet hat und mehrere Scheinidentitäten im Internet hatte.

Es gibt dem Bericht zufolge aber keine Hinweise, dass Hasan von Extremisten gesteuert oder unterstützt wurde. Hasan habe nach den bisherigen Ermittlungen nicht im Auftrag einer Terrororganisation oder als versuchter Selbstmordattentäter gehandelt, sagte am Wochenende Chris Grey, Sprecher der Kriminalabteilung der Armee.

"Cop-Killer" auf das Militärgelände geschmuggelt

Der 39-Jährige liegt noch immer schwer verletzt im Krankenhaus. Als ein Erklärungsmodell für seine Tat legen Ermittler laut "New York Times" nahe, dass Hasan seit langem an emotionalen Problemen durch seine Arbeit gelitten habe - er betreute Veteranen der Kriege im Irak und in Afghanistan, die mit schweren seelischen Problemen in die Heimat zurückgekehrt waren. Dies scheine seine Wut auf die US-Politik in Afghanistan und im Irak verstärkt und seine zunehmend militanten Ansichten befeuert zu haben. Er habe immer stärker zu extremen religiösen Ansichten geneigt, die jetzt schließlich ausgebrochen sein könnten, weil er Ende November nach Afghanistan versetzt werden sollte, zitiert die Zeitung Ermittlungsinsider. Gegen einen Einsatz in dem Land hatte sich Hasan vehement gewehrt.

Fest steht, dass es kaum eine spontane Tat gewesen sein kann - denn Hasan musste die Tatwaffe laut US-Medien erst entgegen der Vorschriften ins Camp schmuggeln. Er benutzte den Behörden zufolge eine schwerkalibrige Handfeuerwaffe, die er legal erworben hatte. Die FN 5.7 wird wegen ihrer Fähigkeit, mit spezieller Munition sogar schusssichere Westen durchschlagen zu können, auch "Cop-Killer" genannt. Hasan hatte außerdem in den Tagen vor der Tat begonnen, sein Hab und Gut zu verschenken, darunter seinen Koran. In den vergangenen Wochen habe Hasan zudem häufiger "arabische Kleidung" getragen, berichteten Nachbarn. Kurz bevor er Amok lief, rief er Augenzeugen zufolge "Allahu Akhbar" - "Gott ist groß".

Lieberman hält "schlimmsten Terroranschlag" seit 9/11 für möglich

Das US-Militär muss sich nun vorwerfen lassen, Warnzeichen nicht früh genug erkannt zu haben. Die Verantwortlichen im Pentagon und in Texas sollten sich fragen, ob sie die Alarmzeichen bei Hasan nicht hätten früher sehen müssen, schrieb die "Washington Post". So haben Hasans Kollegen laut der Nachrichtenagentur AP in einem medizinischen Aufbaustudiengang sich wegen dessen "antiamerikanischer Propaganda" beschwert. Von einer schriftlichen Eingabe sahen sie aber ab, da sie nach eigenen Angaben befürchteten, damit diskriminierend gegenüber Muslimen zu erscheinen.

Der unabhängige Senator Joe Lieberman, Vorsitzender des Heimatschutzausschusses, forderte im Sender Fox News Ermittlungen zu der Frage. Es müsse geklärt werden, ob es sich um einen Terrorakt handelte, ob den Streitkräften Hinweise entgangen seien und ob erkennbar gewesen sei, dass sich Hasan womöglich zu einem Islamisten wandelte. In diesem Falle hätten die Streitkräfte "null Toleranz" zeigen dürfen, sagte Lieberman. Sollten die bisherigen Berichte zutreffen, handele es sich um den "schlimmsten Terroranschlag" seit dem 11. September 2001. Der Täter trage die Züge eines Terroristen, der sich in den USA selbst radikalisiert habe.

US-Präsident Barack Obama und der Generalstabschef des Heeres, General George Casey, mahnten, der muslimische Glaube des Täters dürfe nicht dazu führen, dass alle Muslime in den Streitkräften kritisch betrachtet würden. Es sei gerade eine der Stärken der US-Streitkräfte, dass es darin so viele Menschen aus unterschiedlichen Kulturen gebe. Obama forderte Geduld bei der Aufklärung der Tat. "Wir können nicht vollständig wissen, was einen Mann zu so einer Sache treibt", sagte er in seiner wöchentlichen Radio- und Internetansprache. "Wir haben das Schlechteste der menschlichen Natur in seiner deutlichsten Form gesehen. Zugleich sahen wir das Beste von Amerika", fügte er mit Verweis auf die Polizistin Kimberley Munley hinzu.

Sie hatte Hasan mit vier Schüssen verletzt, obwohl sie selbst getroffen wurde - und wird nun als Heldin gefeiert.

plö/dpa/AFP/AP



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rabenkrähe 08.11.2009
1.
Zitat von sysopEin 39-jähriger Muslim läuft in einer US-Kaserne Amok - welche Lehren sollten Gesellschaft und Armee aus dem Fall Fort Hood ziehen?
.... Ist doch ganz einfach: Das Militär abschaffen, dann gibt es täglich Hunderte weniger Tote auf dieser, unserer Welt. rabenkrähe
hmao 08.11.2009
2.
Wie kommt es, dass keiner von einer klinischen Psychose spricht?
Kim, 08.11.2009
3. gesunder Menschenverstand + Einfühlungsvermögen?
Zitat von sysopEin 39-jähriger Muslim läuft in einer US-Kaserne Amok - welche Lehren sollten Gesellschaft und Armee aus dem Fall Fort Hood ziehen?
Man kann den Fall auch so zusammen fassen: Ein Arzt, dessen Aufgabe es jahrellang war, schwer traumatisierte Soldaten nach ihrer Rückkehr aus dem Irak und Afghanistan zu betreuen, und der mehrfach kundgetan hat, dass er die Armee verlassen möchte, soll nun an den Ort dieser Kriegshandlungen geschickt werden, die ihm von seinen Patienten so schillernd beschrieben wurden. Vielleicht wäre ein wenig Einfühlungsvermögen und gesunder Menschenverstand auf Seiten seiner Vorgesetzten bei der Armee hilfreich gewesen? Womit ich allerdings nicht die Tat selbst entschuldigen möchte!
mardas 08.11.2009
4. Vom Opfer zum Täter gemacht
Nun, ganz einfach, man sollte toleranter gegenüber Muslimen sein, sodass sie sich nicht radikalisieren. Es gibt in dieser Sache viele Indizien dafür, dass der Mann gemobbt und ausgegrenzt wurde, nicht zuletzt der zurückgezogene Vorwurf einer "antiamerikanischen Propaganda" seiner ehemaligen Kameraden scheint mir ein deutliches Indiz für eine Vertuschung des Mobbings zu sein, diese "Propaganda" war wahrscheinlich ganz einfach Kritik am US-Militär, vielleicht auch etwas ausfallender. Alle "Islamismus-Vorwürfe" sind bisher nur wohlgemeinte Spekulationen, die noch "überprüft werden müssten". Und dass das der schlimmste ANSCHLAG(!) seit 09/11 gewesen sei, schlägt dem Fass den Boden aus! Es ist die typische Angstspirale, die Opfer zu Tätern machen will und eine Spirale von Vorwürfen beginnen lässt. Ich glaube jedenfalls nicht an einen "Anschlag".
woscha, 09.11.2009
5. Eigentlich ganz einfach,
Zitat von sysopEin 39-jähriger Muslim läuft in einer US-Kaserne Amok - welche Lehren sollten Gesellschaft und Armee aus dem Fall Fort Hood ziehen?
nämlich daß das Adjektiv " friedliebend " nicht umsonst stets im Zusammenhang mit den Mohammedanern genannt werden muß.
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