Ermittlungsakten der Polizei Täter soll Mirco mit Gepäckschnur erdrosselt haben

In wenigen Tagen startet der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder des zehnjährigen Mirco, doch schon im Vorfeld werden Details zum Tathergang bekannt. Demnach hat Olaf H. sein Opfer erst mit einer Schnur erwürgt - und sich dann unter Tränen bei dem toten Jungen entschuldigt. 

Fundstelle von Kleidung des Opfers: Kerzen und Briefe für den verstorbenen Mirco
dapd

Fundstelle von Kleidung des Opfers: Kerzen und Briefe für den verstorbenen Mirco


Krefeld/Grefrath - Wie starb der zehnjährige Mirco? Warum wählte der geständige Olaf H. den Jungen im September 2010 scheinbar willkürlich aus? Diese Fragen soll der Prozess gegen den 45-Jährigen Familienvater klären, der am 12. Juli in Krefeld beginnt. Bereits jetzt sind Einzelheiten aus den Ermittlungsakten der Polizei durchgesickert, die den Ablauf der Tat schildern.

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung zerrte Olaf H. das Kind am Abend des 3. September 2010 in sein Auto, hielt ihm den Mund zu und fuhr zu einem abgelegenen Acker.

Dort soll H. versucht haben, sein Opfer im Kofferraum des Wagens zu missbrauchen, so das Blatt unter Berufung auf die Akten der Polizei. Schon da habe er den Entschluss gefasst, Mirco zu töten.

Wenig später habe Olaf H. den Jungen wieder auf den Beifahrersitz gesetzt, ihm eine Gepäckschnur um den Hals gelegt und diese zugezogen. Laut "Bild" prüfte H. den Herzschlag und die Atmung seines Opfers, um sicherzugehen, dass dieses wirklich tot sei. Zudem habe er dem Jungen mit einem Messer in den Hals gestochen.

Täter schildert die Tränen nach der Tötung

Nach der Tat habe Olaf H. nach eigenen Angaben geweint und seinem leblosen Opfer entschuldigend erklärt, warum er es nun auf dem Acker ablegen müsse.

An der Suchaktion nach dem Kind waren mehr als 1000 Polizisten beteiligt gewesen. Trotzdem hatten erst Hinweise des mutmaßlichen Täters zum Fundort der Leiche geführt - 145 Tage nach Mircos Verschwinden. Der Junge wurde Anfang Februar im Kreise seiner Familie beigesetzt worden.

Während der Verhöre der Ermittler hatte sich der Tatverdächtige immer wieder in Widersprüche verstrickt. Zunächst habe er den Mord komplett abgestritten, dann wollte er Mirco tot auf einem Parklatz entdeckt haben, so die Fahnder. In einer weiteren Variante erklärte H., Mirco sei gestorben, als er ihm beruhigend die Hand auf den Mund gelegt habe.

Über die Motive für die Tat gibt es in den vorab bekannt gewordenen Akteneinträgen keine Angaben. Nach seiner Festnahme hatte der dreifache Familienvater in der Vernehmung angegeben, er habe Mirco aus Frust getötet, weil ihn zuvor sein Chef am Telefon "zusammengefaltet" habe. Doch laut den Ermittlern soll es so ein Telefonat gar nicht gegeben haben.

Auf SPIEGEL ONLINE hatten Experten bereits unmittelbar nach der Festnahme H.s Zweifel an der Darstellung der Polizei angemeldet, der Täter habe aus beruflicher Überlastung getötet. Kriminalpsychiater und Psychologen hielten es für ausgeschlossen, dass Stress allein eine solche Tat erklären kann.

jok

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