Ermittlungsbericht Kripo übergibt Akte Maddie an Staatsanwaltschaft

Das Schicksal der Familie McCann liegt nun in den Händen der Staatsanwaltschaft: Die Kriminalpolizei hat ihren Bericht abgegeben. Darin werde den Eltern der verschwundenen Madeleine vorgeworfen, die Leiche ihrer Tochter versteckt zu haben, berichtet eine portugiesische Zeitung.


Lissabon/London - Wie die Zeitung "Público" berichtete, werfen die Ermittler Kate und Gerry McCann keinen Totschlag vor, sondern die Leiche ihrer vierjährigen Tochter verborgen zu haben. Dies gehe aus dem Bericht hervor, den die Kriminalpolizei heute der Staatsanwaltschaft übergab. Die Polizei gehe in dem Papier davon aus, dass Madeleine am 3. Mai zu Tode gekommen sei, dass dies aber ein "Unglücksfall" gewesen sei, schreibt die Zeitung.

Das Verbergen einer Leiche sei ein minderschweres Delikt. Daher hätten die Ermittler auch nicht die Absicht, einen Haftbefehl gegen die Eltern zu erlassen. Die Staatsanwaltschaft muss nun über den weiteren Fortgang der Ermittlungen entscheiden. Sie kann zum Beispiel bei einem Ermittlungsrichter den Antrag stellen, die Meldeauflagen der McCanns zu verschärfen. "Dies ist aber nicht zu erwarten", sagte der Direktor der Kriminalpolizei, Alípio Ribeiro.

Der Polizeichef betonte, die im Leihwagen der McCanns entdeckten Spuren seien nicht eindeutig Madeleine zuzuordnen. "Nach den vorliegenden Laboranalysen kann man nicht mit absoluter Sicherheit sagen, ob das Blut von der Person A oder B stammt." Zuvor hatten britische Zeitungen berichtet, die DNA-Spuren stimmten "zu 100 Prozent" mit den DNA-Werten des vierjährigen Mädchens überein. "Es wäre spekulativ zu behaupten, dass Madeleines Leiche sich in dem Leihwagen befand", sagte hingegen der Polizeichef im staatlichen Fernsehen RTP. Die forensischen Erkenntnisse seien hilfreich, aber nicht von "mathematischer Präzision". Portugiesische Zeitungen bezifferten die Wahrscheinlichkeit, dass die gefundenen DNA-Werte mit denen des Mädchens übereinstimmen, auf 80 Prozent.

Namentlich nicht genannte Quellen aus dem Umfeld der Polizei berichteten, die Ermittler hätten Haare und "Körperflüssigkeiten" von Madeleine in dem Auto gefunden, kein Blut, wie zuerst angenommen. Es seien so viele Haare, dass sie nicht von der Kleidung der Kleinen gekommen sein könne. Kate und Gerry McCann hatten den Wagen 25 Tage nach dem Verschwinden ihrer Tochter geliehen. Ein Freund der Familie hatte betont, die DNA-Spuren in dem Auto könnten auch von einer Fahrt stammen, bei der die Eltern Madeleines Sachen von einem Appartement in das nächste gefahren haben.

"Aufreibend und emotional aufzehrend"

Das Mädchen war am 3. Mai aus einem Ferienappartement an der Algarve-Küste verschwunden, als die Eltern rund 50 Meter von der Wohnung entfernt beim Essen waren. Sie gelten seit dem Wochenende als Verdächtige. Am Sonntag kehrte das Ärztepaar in seinen Heimatort Rothley in Mittelengland zurück. Heute war auch die britische Polizei bei ihnen. In Praia da Luz sollen unterdessen wieder einige Gegenden abgesucht werden.

Der portugiesische Staatsanwalt muss nun prüfen, ob er die McCanns anklagt oder nicht. Bis zur Entscheidung können jedoch bis zu acht Monate vergehen. Gerry McCann beteuerte unterdessen erneut, er und seine Frau seien unschuldig. Das Leben sei derzeit "unerträglich". Er nannte die Entwicklungen "unglaublich aufreibend und emotional aufzehrend".

"Wir haben niemals geglaubt, in solch eine Situation gebracht zu werden", schrieb er in seinem Internet-Tagebuch. Bisher seien keine Anschuldigungen gegen ihn oder seien Frau erhoben worden. "Wir sind absolut überzeugt, dass wir - wenn alle Fakten vorliegen - zeigen können, dass wir keinerlei Rolle in Madeleines Entführung gespielt haben."

Ribeiro wies die in britischen Medien verbreitete Kritik an der Arbeit der portugiesischen Polizei zurück. "Dies ist ein komplexer Fall, der Zeit, Geduld und Besonnenheit erfordert", sagte der Chef der Kriminalpolizei. "Die Öffentlichkeit in Großbritannien wird früher oder später einsehen, dass unsere Beamten mit einem großen Maß an Professionalität und Gewissenhaftigkeit gearbeitet haben."

ffr/dpa/AFP/AP



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