Ernst August gegen seinen Sohn Gericht weist Klage im Streit um Schloss Marienburg ab

Entscheidung im Streit der Welfenfamilie: Das Zivilgericht Hannover wies die Klage auf Rückgabe von Schloss Marienburg ab – Hintergrund ist eine Fehde zwischen Ernst August und seinem Sohn.
Schloss Marienburg (Februar 2016)

Schloss Marienburg (Februar 2016)

Foto: Julian Stratenschulte/ picture alliance/dpa

Der Streit um die Marienburg bei Hannover ist vorerst entschieden. Die zuständige Zivilkammer in Hannover wies eine Klage auf Rückgabe des Schlosses zurück.

Hintergrund des Verfahrens ist eine Fehde zwischen Ernst August Prinz von Hannover (Senior) und seinem Sohn, Ernst August Erbprinz von Hannover (Junior). Der Vater hatte dem Sohn das Schloss und andere Immobilien 2004 und 2007 in vorweggenommener Erbfolge geschenkt.

Später verlangte er jedoch die Rückübereignung des Schlosses. Ebenso wollte er das Hausgut Calenberg in der Gemeinde Pattensen-Schulenburg und das Fürstenhaus Herrenhausen in Hannover zurück. Der Sohn weigerte sich – und der Vater zog vor Gericht.

Auch eine Salzburger Firma klagte, da der Senior seine Forderungen an sie verkauft hatte. Zwischenzeitlich zog Ernst August seine Klage zurück. Das Gericht entschied daher nur noch über die Klage der Salzburger Firma.

Die Kammer erklärte, die Firma habe keinen Anspruch auf die Marienburg und die Fürstenhäuser. Die Abtretung der Forderungen des Vaters an die Firma sei aus »rechtlichen Gründen« nicht wirksam.

Kein »grober Undank«

Auch ein zweites Argument der Kläger wiesen die Richter zurück. Sie hatten angeführt, der Vater wolle das Erbe wegen »groben Undanks« seines Sohnes zurück. Der Senior warf seinem Sprössling unter anderem vor, dieser habe ihn, den Vater, nicht am Krankenbett besucht.

Die Richter hatten bereits in einer früheren Verhandlung erklärt, dieser Vorwurf sei zu pauschal. Angesichts der jahrelangen Streitigkeiten habe der 68-Jährige »kaum noch Besuche erwarten« können.

Die Kammer sah keinen »groben Undank« beim Sohn. Denn dazu bedürfe es schwerer Verfehlungen, die nicht feststellbar seien.

Sohn Ernst August Erbprinz von Hannover erklärte, die Entscheidung sei »keine Überraschung«. Er habe die Klage von Anfang an für »aussichtslos« gehalten.

Die Entscheidung ist nicht rechtskräftig. Die Kläger teilten mit, man werde in den kommenden Wochen entscheiden, ob man in Berufung gehe.

Die Auseinandersetzung ist weit mehr als ein Familienzwist, es geht um die Zukunft des Schlosses Marienburg. Im Jahr 2019 war die Familie in die Schlagzeilen geraten, weil der Junior das marode Schloss für einen Euro an die öffentliche Hand verkaufen wollte – gegen den Willen seines Vaters.

Doch nach dem Einspruch des 68-Jährigen scheiterte der mit der niedersächsischen Landesregierung ausgehandelte Deal. Schloss und Inventar kamen in eine Stiftung. Nach Einschätzung des Richters schützte Prinz von Hannover (Junior) damit das Vermögen des Hauses Hannover, denn die »Sanierungslast« des Schlosses sei mit 24 Millionen Euro hoch.

Ernst Augusts Sohn hatte erklärt, die Vereinbarung mit dem Land Niedersachsen sichere den »langfristigen Erhalt der Marienburg«.

jpz/dpa
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