Erpressungsvorwurf Reemtsma-Entführer Drach zu 15 Monaten verurteilt

Der Reemtsma-Entführer Thomas Drach ist vom Hamburger Landgericht zu einem Jahr und drei Monaten Haft verurteilt worden. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Drach aus dem Gefängnis heraus seinen jüngeren Bruder erpressen wollte. Die Staatsanwaltschaft erwägt, in Revision zu gehen.


Hamburg - Das Hamburger Landgericht hat den Reemtsma-Entführer Thomas Drach der versuchten Anstiftung zur räuberischen Erpressung schuldig gesprochen. Drach wurde am Dienstag zu einem Jahr und drei Monaten Haft verurteilt. Das Gericht zeigte sich überzeugt, dass der Angeklagte im Februar 2009 aus der Haft heraus versucht hatte, einen Bekannten zur Erpressung seines jüngeren Bruders anzustiften.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten sowie die Sicherungsverwahrung gefordert. Drachs Motiv sei sein Kampf um das Millionen-Lösegeld aus der Reemtsma- Entführung gewesen, hieß es im Plädoyer. Der Angeklagte selbst hatte die Vorwürfe im Prozess stets abgestritten, sein Verteidiger hatte Freispruch gefordert.

"Tat unter zwei Ganoven"

Drach hatte im Jahr 1996 den Multimillionär Jan Philipp Reemtsma entführt und 33 Tage lang als Geisel gehalten. Er konnte flüchten, bis er 1998 in Argentinien festgenommen und 2001 in Hamburg als Strippenzieher der Tat wegen erpresserischen Menschenraubes zu einer Freiheitsstrafe von 14 Jahren und sechs Monaten verurteilt wurde.

Der größte Teil des Lösegeldes von damals - 15 Millionen D-Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken - ist nach wie vor verschwunden. Drachs Bruder Lutz war wegen Geldwäsche eines Teils des Lösegelds zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Er wurde im Mai 2009 entlassen.

Zur versuchten Erpressung von Drachs Bruder sagte die vorsitzende Richterin Ulrike Taeubner, es handele sich um eine "Tat unter zwei Ganoven". Der Bruder sei kein unschuldiges, zufälliges Opfer, sondern ein Schwerkrimineller. Für Thomas Drach sei es wichtig gewesen sicherzustellen, dass der Bruder - von ihm als "die Ratte, der Parasit" bezeichnet - keinen Cent aus der Beute ausgeben könne.

Drach habe vor Gericht keine Reue gezeigt, die objektiven Umstände der Tat aber eingeräumt. Es sei klar, dass er die Briefe geschrieben habe. Bei den Formulierungen in den Briefen handle es sich weder um ein spontanes Dampfablassen noch um impulsive Äußerungen. Erschwerend hat sich laut Taeubner ausgewirkt, dass Thomas Drach seit 1978 vielfach Straftaten beging: "Von Ihnen sind auch in Zukunft kriminelle Taten zu erwarten."

Oberstaatsanwalt hält die Schuld für schwerer

Die Kammer blieb mit ihrem Spruch dennoch deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von zwei Jahren und sechs Monaten. Taeubner begründete dies unter anderem damit, dass die Tat in einem sehr frühen Stadium gescheitert sei. Der Streit zwischen den Brüdern sei schon seit 15 Jahren im Gange. Drach habe befürchtet, dass der Bruder das Lösegeld allein ausgebe.

Drach sagte am Dienstag vor dem Gericht, dass "die ganze Sache an den Haaren herbeigezogen" sei. Wenn er seinen Bruder hätte berauben wollen, hätte er bestimmt nicht seine "arme Mutter" und einen Elektriker geschickt, "sondern ganz andere". Mit dem Verfahren habe die Staatsanwaltschaft "irgendeine Information zum dem Lösegeld bekommen wollen". Der größte Teil des Lösegeldes aus der Reemtsma-Entführung - 15 Millionen D-Mark und 12,5 Millionen Schweizer Franken - ist bis heute verschwunden.

Eine mögliche Sicherungsverwahrung kommt nach dem jetzigen Urteil zunächst nicht in Betracht. Allerdings prüft die Staatsanwaltschaft laut ihrem Sprecher Wilhelm Möller, Revision einzulegen. In seinem Plädoyer hatte Oberstaatsanwalt Karsten Hoffmann betont, dass die geplante Tat so konkretisiert gewesen sei, dass eben jener Freund die räuberische Erpressung an Lutz Drach jederzeit hätte durchführen können, wenn er das denn gewollt hätte.

Die teils geständigen Angaben von Thomas Drach seien nicht von Reue und Einsicht gekennzeichnet gewesen, sagte Hoffmann. Straferschwerend ist laut Hoffmann zudem, dass der Angeklagte bereits erheblich und einschlägig vorbestraft gewesen sei.

bim/dpa/dapd

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Seite 1
zauberer1, 08.11.2011
1. War doch ne gewollte Verurteilung...
Zitat von sysopDer Reemtsma-Entführer Thomas Drach ist vom Hamburger Landgericht zu einem Jahr und drei Monaten Haft verurteilt worden. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass Drach aus dem Gefängnis heraus*seinen jüngeren Bruder erpressen wollte.*Die Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,796624,00.html
...die auf eine angenomme "Annahme" basiert. Justizia läßt grüßen.
egils 08.11.2011
2. Naja...
Wie waere es denn mit einer gesetzesaenderung? Z.B. Verurteilte Entfuehrer bleiben nach der verhaengten Strafe noch solange in haft, bis das Lösegeld wieder aufgetaucht ist, oder es aber plausibel erklaert und bewiesen wurde wo das geld verblieben ist. Dazu noch die Auflage, das jegliche freilassung OHNE das aufgetauchte Lösegld, ist auf Bewaehrung, und wenn dem auf bewaehrung freigelassenem spaeter anchgewiesen werden kann dass er von dem Lösegeld, nach seiner freilassung, etwas erwirbt oder anderweitig benutzt, dies sofort seine erneute festsetzung nach sich zieht, und die freiheitsstarfe ncohmals von vorne abgesessenw erden muss:-) Er hat sich ja dann offensichtlich nicht resozialisiert und auch keine Reue gezeigt wenn er versucht vond e rurspruenglichen Tat nach wie vor zu profitieren..
Dominik Menakker, 08.11.2011
3.
Zitat von egilsWie waere es denn mit einer gesetzesaenderung? Z.B. Verurteilte Entfuehrer bleiben nach der verhaengten Strafe noch solange in haft, bis das Lösegeld wieder aufgetaucht ist, oder es aber plausibel erklaert und bewiesen wurde wo das geld verblieben ist. Dazu noch die Auflage, das jegliche freilassung OHNE das aufgetauchte Lösegld, ist auf Bewaehrung, und wenn dem auf bewaehrung freigelassenem spaeter anchgewiesen werden kann dass er von dem Lösegeld, nach seiner freilassung, etwas erwirbt oder anderweitig benutzt, dies sofort seine erneute festsetzung nach sich zieht, und die freiheitsstarfe ncohmals von vorne abgesessenw erden muss:-) Er hat sich ja dann offensichtlich nicht resozialisiert und auch keine Reue gezeigt wenn er versucht vond e rurspruenglichen Tat nach wie vor zu profitieren..
Stammtischgebabbel. Schon das Urteil ist nach allem was zu lesen war eine reine Haftverlängerung als "Zusatzstrafe". Mit einer erwiesenen Straftat hat das nichts zu tun.
picknicker-hamburg 08.11.2011
4. Hamburger Landrecht
Ich habe den Prozess verfolgt und kann sagen, dass das Urteil vor dem BGH keinen Bestand haben wird. Aberwitzige Auslegung des Tatbestandes der versuchten räuberischen Erpressung! Leider ist aber genauso das Verteidigerverhalten von Drachs Anwalt ein Witz sondergleichen "Das Lösegeld steht meinem Mandanten zu", was vielleicht auch zu diesem Urteil in zumindest emotionaler Weise geführt hat.
benutzer10 08.11.2011
5.
Zitat von egilsWie waere es denn mit einer gesetzesaenderung? Z.B. Verurteilte Entfuehrer bleiben nach der verhaengten Strafe noch solange in haft, bis das Lösegeld wieder aufgetaucht ist, oder es aber plausibel erklaert und bewiesen wurde wo das geld verblieben ist. Dazu noch die Auflage, das jegliche freilassung OHNE das aufgetauchte Lösegld, ist auf Bewaehrung, und wenn dem auf bewaehrung freigelassenem spaeter anchgewiesen werden kann dass er von dem Lösegeld, nach seiner freilassung, etwas erwirbt oder anderweitig benutzt, dies sofort seine erneute festsetzung nach sich zieht, und die freiheitsstarfe ncohmals von vorne abgesessenw erden muss:-) Er hat sich ja dann offensichtlich nicht resozialisiert und auch keine Reue gezeigt wenn er versucht vond e rurspruenglichen Tat nach wie vor zu profitieren..
Schreiben Sie doch mal an die "BILD" wegen dieser Gesetzesänderung. Dort wird man vermutlich begeistert sein, auch in der Leserschaft. Den Vorschlag, dass es doch legitim sei, solchen Menschen Schmerzen zuzufügen, damit sie sagen, wo das Geld ist, habe ich vermisst. Wäre doch seine eigene Schuld, er könnte ja sagen, wo die Kohle ist.
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