Erschossener Fluggast "Mein Mann ist krank, mein Mann ist krank"

Unmittelbar bevor ein Fluggast in Miami von Sky Marshals erschossen wurde, haben sich nach Augenzeugenberichten dramatische Szenen abgespielt. Demnach flehte die Ehefrau des Mannes die Sicherheitskräfte an, nicht zu schießen.


Miami - Nach einem Bericht des US-Nachrichtensenders CNN hat sich ein Bord der American Airlines Maschine in Miami ein Drama abgespielt. Der 44-jährige Rigoberto Alpizar hatte kurz nach dem Einsteigen in das Flugzeug die Aufmerksamkeit der Sky Marshals an Bord auf sich gezogen. Ein Sprecher der Sky Marshals sagte, Alpizar sei im Mittelgang des Flugzeugs auf und ab gerannt und hätte geschrieen: "Ich habe eine Bombe in meiner Tasche." Daraufhin versuchten die Sicherheitskräfte an Bord, Alpizar zu stellen. Doch anstatt sich zu ergeben,  versuchte er aus dem Flugzeug zu laufen.

"Wir sind bald zu Hause, alles wird gut"

Augenzeugen berichten nun, Alpizars Frau habe verzweifelt versucht, die Situation aufzuklären. Sie habe immer wieder gerufen. "Mein Mann ist krank, mein Mann ist krank." Trotzdem hätten die Sky Marshals schließlich geschossen.

Todesopfer Alpizar: "Er ist manisch-depressiv"
REUTERS

Todesopfer Alpizar: "Er ist manisch-depressiv"

Die Passagierin Mary Gardner aus Orlando berichtete später, sie habe die Frau gehört. "Sie sagte, er ist manisch-depressiv, er hat seine Medizin nicht genommen." Eine andere Mitreisende, Ellen Sutcliff, berichtete, sie habe ganz in der Nähe von Alpizar gesessen. Ihr sei aufgefallen, dass der Mann sehr unruhig gewesen sei, schon bevor sie an Bord gegangen seien. Seine Frau habe immer wieder beruhigend auf ihn eingeredet. "Wir sind bald zu Hause und alles wird gut," habe sie gesagt.

Unklar ist, ob er - wie die Sky Marshals später angaben - wirklich davon gesprochen hat, eine Bombe bei sich zu tragen. Mitreisende sagten, sie hätten ihn überhaupt nicht reden gehört. Ein Sprecher der Sky Marshals sagte dagegen, Alpizar sei im Mittelgang des Flugzeugs auf und ab gerannt und hätte geschrieen: "Ich habe eine Bombe in meiner Tasche."

Den Aufforderungen der bewaffneten Flugbegleiter, seine Tasche abzustellen und sich auf den Boden zu legen, sei er nicht nachgekommen. Stattdessen habe er sich den Sky Marshals immer weiter genähert. Als sie den Eindruck hatten, er würde nach seinem Rucksack greifen, hätten sie geschossen.

Alpizar stand auf keiner Fahndungsliste

Das Heimatschutzministerium wollte sich bisher nicht zu der möglichen Erkrankung des Mannes äußern. Sicherheitsexperten erklärten jedoch, die Flugbegleiter hätten auch dann richtig gehandelt, falls sich dieser Verdacht erhärten sollte. Ihre Aufgabe sei es, für Sicherheit an Bord zu sorgen. Alpizar stand auf keiner Fahndungsliste und hatte keinen terroristischen Hintergrund. Bei einer Durchsuchung aller Gepäckstücke war kein Sprengstoff gefunden worden. Das Flugzeug war auf dem Weg von Medellin in Kolumbien nach Orlando in Florida und landete in Miami zwischen.



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