Erstochene Lehrerin 21-Jähriger bereut lange geplanten Mord nicht

In Bremen hat der Prozess gegen einen 21-Jährigen begonnen, der seine ehemalige Lehrerin mit mehr als 20 Messerstichen getötet haben soll. Der Angeklagte offenbarte die grausigen Details seiner monatelang geplanten Tat. Von Reue zeigte er keine Spur.


Bremen - Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen: Ein Schüler eines Gymnasiums im niedersächsischen Osterholz-Scharmbeck soll seine ehemalige Lehrerin getötet haben. Seit Dienstag muss er sich wegen Mordes vor dem Bremer Landgericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, die Lehrerin Heike B. im vergangenen Dezember aus verschmähter Liebe erstochen zu haben.

Zum Prozessauftakt gestand der 21-Jährige die Tat, die er mehr als ein Jahr lang geplant hatte. "Ja, ich habe sie getötet", wiederholte der junge Mann sein bereits bei der Polizei abgelegtes Geständnis, leugnete allerdings, in seine ehemalige Lehrerin verliebt gewesen zu sein. Er habe die Biologie- und Chemie-Lehrerin verachtet und gehasst, sie habe es nicht verdient zu leben. "Ich habe ihr vertraut", so der Angeklagte, doch die 35-Jährige habe ihn enttäuscht.

Dabei zeigte er keine Spur von Reue. In gewisser Weise habe ihm seine Tat anfangs leidgetan, heute sei das nicht mehr der Fall, sagte der 21-Jährige: "Wenn ich drei, vier, fünf Jahre ins Gefängnis komme, ist mir das wumpe."

Die junge Lehrerin war 2006 an die Schule gekommen - und dem Verdächtigen sofort aufgefallen. "Ich fand sie damals schon attraktiv, ganz anders als andere Frauen", sagte der Angeklagte vor Gericht. Nach und nach näherte er sich ihr, erzählte ihr schließlich von seinen Selbstmordgedanken und Depressionen.

Die Lehrerin informierte den Schulleiter und im Januar 2008 die Polizei. Heike B. fürchtete, der Junge, der verhaltensauffällig und ein Einzelgänger war, könnte sich das Leben nehmen. Die Polizei ermittelte damals gegen den Schüler und fand bei einer Wohnungsdurchsuchung unter anderem Schwarzpulver und Silvesterknaller. Strafrechtlich lag gegen ihn zu diesem Zeitpunkt aber nichts vor.

"Ich wollte alles wissen"

Nach Überzeugung des Schülers hatte die Lehrerin einen Verrat begangen. Trotzdem suchte er weiter ihre Nähe, schrieb Mails. Doch Heike B. brach den Kontakt ab. Aus Enttäuschung sei dann Wut geworden, erläuterte der Angeklagte.

Am 6. November 2008 habe er beschlossen, dass sie sterben müsse, sagte der mutmaßliche Täter vor Gericht und schilderte, wie er ihr monatelang nachspionierte, Waffen besorgte und den Ablauf des grausigen Verbrechens plante. Selbst als er im März 2009 das Gymnasium wegen schlechter Noten verlassen musste, hielt er an seinen Plänen fest.

Am 18. Dezember 2009 lauerte er Heike B. vor ihrer Wohnung im Gebüsch auf. In einem Rucksack hatte er eine selbstgebastelte Pistolen-Attrappe, ein Kampfmesser, Aceton, Brennspiritus und Salzsäure - außerdem eine 260 Seiten lange Liste mit mehr als 6500 Fragen zum Lebensstil der Lehrerin. Damit wollte er sie stundenlang verhören, über Krankheiten, Sex und Beziehungen, aber auch zu Versicherungen und Vorsorge. "Ich wollte alles wissen, vor allem die Wahrheit. Wieso sie war, wie sie war. Wieso sie tat, was sie tat", erläuterte er vor Gericht. Am Ende des Verhörs sollte nach seinen Angaben der Tod der Frau stehen.

Doch der Plan ging nicht auf. Heike B. rief um Hilfe, er zückte das Kampfmesser. Insgesamt fügte er seinem Opfer laut Staatsanwaltschaft mehr als 20 Messerstiche zu. Die 35-Jährige starb noch auf der Straße.

Unmittelbar nach der Tat benachrichtigte der 21-Jährige selbst die Polizei - und verletzte sich anschließend mit mehreren Stichen. Am Tatort ließ er sich nach Angaben der Polizei widerstandslos festnehmen.

Am ersten Verhandlungstag waren auch die Eltern der Getöteten im Gerichtssaal. Sie treten in dem Prozess als Nebenkläger auf. Als es am Nachmittag um die Fragen des Verhörs ging, dem der Angeklagte die Lehrerin unterziehen wollte, wurde es für deren Eltern zu viel. Sie verließen den Gerichtssaal.

Die Staatsanwaltschaft hält den jungen Mann für vermindert schuldfähig, weil er an einer Persönlichkeitsstörung leidet. Zwei Gutachter sollen während des Prozesses klären, ob dies zutrifft. Bis Mitte September hat die Strafkammer sieben weitere Verhandlungstermine angesetzt. Der Prozess soll am 5. Juli fortgesetzt werden.

siu/dpa/AFP



insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
Rayon 15.06.2010
1. Was lange währt wird endlich gut..?
Zitat von sysopIn Bremen hat der Prozess gegen einen 21-Jährigen begonnen, der seine ehemalige Lehrerin mit mehr als 20 Messerstichen getötet haben soll. Der Angeklagte offenbarte die grausigen Details seiner monatelang geplanten Tat. Von Reue zeigte er keine Spur. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,700906,00.html
Warum sollte er auch, er hat ja schließlich erreicht was er sich lange vorgenommen hatte... Von seinen Standpunkt aus betrachtet.
e-ding 15.06.2010
2. ...
Zitat von sysopIn Bremen hat der Prozess gegen einen 21-Jährigen begonnen, der seine ehemalige Lehrerin mit mehr als 20 Messerstichen getötet haben soll. Der Angeklagte offenbarte die grausigen Details seiner monatelang geplanten Tat. Von Reue zeigte er keine Spur. http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,700906,00.html
Hach, da stand es ja doch, im letzten Absatz. Mal wieder "vermindert schuldfähig" aufgrund von Bla Blub Bla! Dachte schon, es wäre jemand mal für seine Taten selbst verantwortlich.
Rainer Helmbrecht 15.06.2010
3. Für einen titelfreies SpOn-Forum.
Zitat von RayonWarum sollte er auch, er hat ja schließlich erreicht was er sich lange vorgenommen hatte... Von seinen Standpunkt aus betrachtet.
Wie wir alle wissen, gibt es bei Lebenslänglich, 15 Jahre. Mörder gehen zum Europäischen Gerichtshof, wenn sie nicht mit ausgesuchter Höflichkeit behandelt werden. Die Richter müssen sehr aufpassen, dass sie kein Terrorurteil sprechen. Die Grenzen sind fließend, als Normalbürger hat man Schwierigkeiten, Gesetze und Justiz noch einzuordnen. MfG. Rainer
adal_ 15.06.2010
4. Sicherheitsverwahrung?
Zitat von Rainer HelmbrechtWie wir alle wissen, gibt es bei Lebenslänglich, 15 Jahre. Mörder gehen zum Europäischen Gerichtshof, wenn sie nicht mit ausgesuchter Höflichkeit behandelt werden. Die Richter müssen sehr aufpassen, dass sie kein Terrorurteil sprechen. Die Grenzen sind fließend, als Normalbürger hat man Schwierigkeiten, Gesetze und Justiz noch einzuordnen. MfG. Rainer
Hier gibt es kaum lebenslänglich. Da aber einiges für eine schwer abnorme Persönlichhkeit spricht, ist Sicherheitsverwahrung denkbar, solange er eine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt.
unterländer 15.06.2010
5. Fatalismus
Zitat von Rainer HelmbrechtWie wir alle wissen, gibt es bei Lebenslänglich, 15 Jahre. Mörder gehen zum Europäischen Gerichtshof, wenn sie nicht mit ausgesuchter Höflichkeit behandelt werden. Die Richter müssen sehr aufpassen, dass sie kein Terrorurteil sprechen. Die Grenzen sind fließend, als Normalbürger hat man Schwierigkeiten, Gesetze und Justiz noch einzuordnen. MfG. Rainer
Wenn es gut für diesen Mörder läuft, dann kann er tatsächlich mit der von ihm selbst in den Raum gestellten Strafe davon kommen. 3, 4 oder 5 Jahre. So wie ich es verstanden habe, ist er jetzt 21. Das Jugendstrafrecht mit einer Höchststrafe von 10 Jahren Freiheitsentzug könnte u.U. also noch herangezogen werden (bedingt anwendbar auch für sog. Heranwachsende von 18-21 Jahren). Zusammen mit der verminderten Schuldfähigkeit lässt sich seine Vermutung durchaus nachvollziehen. Für mich ein weiterer Anlass diesen Unfug mit der Möglichkeit, Jugendstrafrecht auch für über 18-Jährige anzuwenden, endlich Schluss zu machen. Das ist doch abartig. 18-Jährige sind erwachsen, somit auch als solche zu behandeln. Andere Möglichkeit: Erwachsenenalter auf 21 Jahre (wieder) hochsetzen.
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