Urteil in Mordprozess Ex-Polizeichef von Guatemala muss lebenslang in Haft

Er gilt als brutaler "Schinder in Uniform" - nun muss der ehemalige Polizeichef von Guatemala lebenslang hinter Gitter. Der 43-Jährige soll an der Ermordung von sieben Gefangenen beteiligt gewesen sein.

Sperisen 2007, damals noch Polizeichef: "Außergewöhnlich niederträchtige" Motive
AFP

Sperisen 2007, damals noch Polizeichef: "Außergewöhnlich niederträchtige" Motive


Genf - Wie ein Gott soll er sich aufgeführt haben, soll Menschen für "unnötig" erklärt und ihren Tod angeordnet haben: Dieses Bild hat die Staatsanwaltschaft im Prozess gegen den Ex-Polizeichef von Guatemala, Erwin Sperisen, von dem Angeklagten gezeichnet. Nun hat das Strafgericht in Genf den schweizerisch-guatemaltekischen Doppelbürger zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

Das Gericht erklärte Sperisen für schuldig, an der Ermordung von sechs Gefangenen in Guatemala beteiligt gewesen zu sein. Einen weiteren Häftling soll er selbst erschossen haben. Die Motive des Angeklagten seien "egoistisch und außergewöhnlich niederträchtig" gewesen, ebenso wie sein gesamtes Handeln als damaliger Polizeichef, erklärte das Gericht. Mit dem Strafmaß folgte es der Forderung der Anklage.

In dem dreiwöchigen Prozess ging es vor allem um eine Polizeiaktion im September 2006 gegen Häftlinge, die das Gefängnis Pavón unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Dabei waren sieben Gefangene erschossen worden. Diese Häftlinge seien Opfer außergerichtlicher Hinrichtungen geworden, befand das Gericht. Es stützte sich auf zahlreiche Zeugen, die es als glaubwürdig einstufte.

Zudem war Sperisen Mitverantwortung für die Erschießung von drei Häftlingen vorgeworfen worden, die im Oktober 2005 aus einem anderen Gefängnis ausgebrochen waren. Von diesem Vorwurf wurde er jedoch aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Der heute 43-Jährige war von Juli 2004 bis März 2007 Chef der seinerzeit berüchtigten "Policia National Civil" (PNC) in Guatemala. Eine UN-Kommission warf ihm vor, zusammen mit anderen hohen Funktionären des Landes eine kriminelle Organisation gebildet zu haben. Dies war aber nicht Hauptgegenstand des Prozesses.

2012 war Sperisen aufgrund eines internationalen Haftbefehls in Genf festgenommen worden. Für ein Verfahren gegen ihn hatte sich seit Jahren eine Koalition von Menschenrechtsorganisationen eingesetzt, die auch half, ihn aufzuspüren. Der Angeklagte bestritt vor Gericht alle Vorwürfe. Die Verteidigung forderte Freispruch.

vks/dpa/AFP



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