Homeoffice in der Pandemie Erzbistum Köln verliert Streit über Kündigung wegen mitgenommenem Bürostuhl

Die Ex-Justiziarin des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Woelki hatte ihren Bürostuhl mit nach Hause genommen, um von dort zu arbeiten. Dafür wurde sie entlassen. Die Frau klagte – und erhielt nun Recht.
Kölner Dom: Die Justiziarin des Erzbistums wurde entlassen, weil sie ihren Bürostuhl mit nach Hause nahm

Kölner Dom: Die Justiziarin des Erzbistums wurde entlassen, weil sie ihren Bürostuhl mit nach Hause nahm

Foto: Oliver Berg / picture alliance/dpa

Das Erzbistum Köln muss im Fall eines rückenschonenden Bürostuhls eine juristische Niederlage hinnehmen. Das Arbeitsgericht in Köln entschied am Dienstag, das Bistum hätte der ehemaligen Justiziarin des Erzbischofs Rainer Maria Woelki nicht kündigen dürfen, weil diese ihren Bürostuhl mit nach Hause nahm, um im Homeoffice zu arbeiten. Das Gericht befand die Kündigung für unwirksam.

Kein Schmerzensgeld für die Justiziarin

Die Begründung des Gerichts: Die nicht abgesprochene Mitnahme von Eigentum des Arbeitgebers nach Hause stelle zwar eine Pflichtverletzung dar. In der damaligen Situation – kurz nach Ausbruch der Coronapandemie – habe das aber nicht ausgereicht, um eine außerordentliche Kündigung zu rechtfertigen. Das Erzbistum habe damals der Arbeit im Homeoffice Vorrang eingeräumt. Die dafür notwendige Ausstattung habe es aber so kurzfristig nicht zur Verfügung gestellt.

Ein Schmerzensgeld stand der Frau nach Auffassung der Kammer jedoch nicht zu. Die ehemalige Mitarbeiterin hatte mindestens 50.000 Euro wegen »unzureichender Schulung und Supervision« im Zusammenhang mit der Aufarbeitung von Missbrauchsfällen im Erzbistum gefordert, mit der sie betraut gewesen war. Das Erzbistum sei seiner Fürsorgepflicht als Arbeitgeber nicht nachgekommen, argumentierte sie. Laut ihrem Anwalt leidet die Frau wegen der Arbeit an den Fällen unter einer posttraumatischen Belastungsstörung.

Gericht: Justiziarin hätte selbst um Unterstützung bitten können

Die Justiziarin leitete damals die Rechtsabteilung des Erzbistums und war wohl maßgeblich an der Beauftragung der Münchner Kanzlei Westphal Spilker Wastl (WSW) mit dem ersten Missbrauchsgutachten des Erzbistums beteiligt. Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle war laut dem Gericht notwendig. Die damit verbunden Belastungen für die Mitarbeiter des Erzbistums waren nach Auffassung der Kammer »unvermeidbar«. Der Justiziarin sei zuzumuten gewesen, selbst beim Erzbistum um notwendige Unterstützung zu bitten.

Die Justiziarin hatte in dem Verfahren gegen die Beendigung ihres Arbeitsverhältnisses geklagt. Die Frau hatte seit 2008 beim Erzbistum gearbeitet. Im Juli vergangenen Jahres wurde der Leiterin der Stabsabteilung Recht wegen des Bürostuhls gekündigt. Zudem wurde sie mit der Begründung, dauerhaft dienstunfähig zu sein, in den Ruhestand versetzt. Dagegen ging sie gerichtlich vor. Laut Medienberichten soll das Verhältnis der Bistumsleitung unter Kardinal Rainer Maria Woelki zu der Justiziarin schon seit geraumer Zeit zerrüttet gewesen sein. Gegen das Urteil kann Berufung beim Landesarbeitsgericht in Köln eingelegt werden.

has/dpa
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