Prozess um Millionen-Coup "Er hat viel Geld verzockt"

Mit ausführlichen Geständnissen ist in Essen der Prozess um einen spektakulären Millionen-Coup mit einem falschen Geldtransporter fortgesetzt worden. Dem Angeklagten wird eine Serie von Diebstählen vorgeworfen.

Essener Landgericht: Prozess um einen Millionendiebstahl mit einem gefälschten Geldtransporter
Bernd Thissen/DPA

Essener Landgericht: Prozess um einen Millionendiebstahl mit einem gefälschten Geldtransporter


Vor dem Essener Landgericht läuft ein Prozess um einen Millionendiebstahl mit einem gefälschten Geldtransporter. Dabei hat ein 25-Jähriger aus Recklinghausen zugegeben, sich wiederholt mit Trickdiebstählen befasst zu haben. "Er hat viel Geld verzockt", hieß es in einer von seinem Verteidiger verlesenen Erklärung. "Er war den Umgang mit größeren Geldbeträgen nicht gewohnt."

Aus diesem Grund habe der 25-Jährige mit dem ebenfalls angeklagten Ex-Angestellten einer Sicherheitsfirma den großen Coup in Gronau geplant. Er selbst habe dabei die Rolle eines der Geldboten übernommen und im Dezember 2016 in einem Supermarkt in Gronau 1,8 Millionen Euro erbeutet. Man habe gezielt einen Tag ausgewählt, an dem viel Geld zu holen war.

"Es war vor allem notwendig, vor dem richtigen Geldtransporter zu erscheinen", hieß es in der Erklärung. Die genaue Planung habe sein Komplize aus der Sicherheitsfirma übernommen, der allerdings nicht mit vor Ort gewesen sei.

"Er war für mich kein Monster"

Die ebenfalls angeklagte Freundin des 25-Jährigen gab zu, zuvor aus den Straftaten angeschafftes Gold verkauft und ein Schließfach angemietet zu haben, um eine Kölner Sparkassenfiliale auszuspionieren. Das habe sie jedoch aus Liebe und Dankbarkeit getan, weil ihr Freund es ihr ermöglicht habe, die Arbeit bei einem Escortservice aufzugeben.

"Er war für mich kein Monster", sagte sie den Richtern. "Er hat mir in der schwierigsten Phase meines Lebens geholfen." Trotzdem bereue sie ihr materielles Denken.

Den insgesamt sieben Angeklagten wird eine Serie von Diebstahls- und Raubtaten vorgeworfen. Die Gesamtbeute soll sich auf knapp drei Millionen Euro belaufen.

In Dortmund wurden Ende 2016 aus einem geparkten Geldtransporter rund eine halbe Million Euro entwendet. Laut Anklage hatten die Täter einen Originalschlüssel. In Werne im Kreis Unna wurde im Juni 2017 ein Geldautomat der Postbank geleert - kurz nachdem er befüllt worden war. Auch hier sollen die Täter einen Schlüssel gehabt haben.

In Mönchengladbach wurde im Frühjahr 2016 eine Schmuckhändlerin vor ihrer Haustür überfallen und ausgeraubt. Der Wert der Beute soll sich auf rund 300.000 Euro belaufen. Außerdem sollen die Angeklagten weitere Überfälle auf Banken und Geldtransporter geplant haben. Die Beute sollen sie für Schmuck, Autos, Urlaube und Bordellbesuche ausgegeben haben.

Das Essener Landgericht hat für den Prozess noch 18 Verhandlungstage bis zum 19. Dezember 2019 vorgesehen.

wit/dpa



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