Urteil in Essen Corona-Testzentren erfunden – 49-Jährige muss in Haft

Mit nie durchgeführten Tests und vermeintlichen Impfungen nahm sie mehr als eine Million Euro ein: Eine Frau aus Essen ist wegen Betrugs in der Coronapandemie verurteilt worden.
Coronatest (Symbolbild)

Coronatest (Symbolbild)

Foto: Marijan Murat / dpa

Eine 49 Jahre alte Frau aus Essen muss drei Jahre und drei Monate ins Gefängnis, weil sie Corona-Testzentren erfunden und mit angeblichen Tests sowie fingierten Impfungen bundesweit mehr als eine Million Euro ergaunert hat.

Die angestellte Busfahrerin habe sich bei der Verhandlung am Donnerstag einsichtig und geständig gezeigt, bestätigte eine Gerichtssprecherin am Freitag. Staatsanwaltschaft und Verteidigung akzeptierten das Urteil.

Strafmildernd wertete das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Sandra Quade, dass der dreiste Betrug der Frau von den Behörden und Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) recht leicht gemacht worden sei. Laut Richterin war das Abrechnungssystem seinerzeit »auf Schnelligkeit angelegt«, wie die »Westdeutsche Allgemeine Zeitung«  berichtet. Quade monierte das sozialschädigende Verhalten der Angeklagten, »während viele andere Menschen Existenzprobleme hatten«.

Elf Corona-Teststationen, die gar nicht existierten

Die Masche der Betrügerin: Sie eröffnete Konten, richtete neue E-Mail-Adressen ein – fertig war die Unternehmensgründung. Mit elf Corona-Teststationen, die gar nicht existierten, Tests, die nie gemacht wurden, sowie vermeintlichen Impfungen nahm die Frau 2021 in wenigen Monaten knapp 1,1 Millionen Euro ein. Fast 925.000 Euro konnten die Ermittler noch sicherstellen. Wo der Rest der Summe geblieben ist, ist unklar. Die mehrfach vorbestrafte Frau gab an, Schulden zurückgezahlt und ein Auto gekauft zu haben, heißt es.

Im Sommer 2021 hatte die Essenerin ihren Beutezug gestartet. Vom Handy aus habe sie online bundesweit am Abrechnungsverfahren mit Kassenärztlichen Vereinigungen teilgenommen. Ihr erstes »Testzentrum« habe sie sogar mit ihrem richtigen Namen unter ihrer echten Wohnanschrift in Essen angemeldet, heißt es. Weitere folgten, vor allem in Bayern und Baden-Württemberg.

Bank schöpfte Verdacht

Zunächst gab es Fehlschläge. So reichte die Frau den Angaben zufolge im August 2021 bei der KV Bayern einen Antrag ein, mit dem sie fast 300.000 Euro für angeblich geleistete rund 27.000 Impfungen erstattet bekommen wollte. Doch die Kassenärztliche Vereinigung zeigte sich zunächst misstrauisch und zahlte kein Geld aus. Auch scheiterte die Essenerin mit zwei weiteren Anträgen und fingierten Abrechnungen für Coronatests im Wert von insgesamt 450.000 Euro.

Die KV Bayern zeigte sich jedoch den Angaben nach hilfsbereit und beriet die Betrügerin unbürokratisch bei ihren Antragstellungen. Danach brummte das Geschäft der Busfahrerin, auch in Nordrhein-Westfalen. Allein die KV Nordrhein soll ihr 187.533,89 Euro überwiesen haben. Der ganze Schwindel flog erst auf, als eine Bank den Verdacht der Geldwäsche hegte und den Behörden anzeigte.

ptz/dpa