Prozess in Essen Millionen-Coup mit falschem Geldtransporter - ein Angeklagter gesteht

Sie sollen einen Supermarktmitarbeiter mit einem falschen Geldtransporter ausgetrickst und weitere Taten begangen haben: Nur einer von sieben Angeklagten äußerte sich zu den Vorwürfen.

Falscher Geldtransporter: Mit "Cleverness hohe Beute" machen
Polizei Borken/ dpa

Falscher Geldtransporter: Mit "Cleverness hohe Beute" machen


Zwei Jahre nach einem Millionencoup mit einem falschen Geldtransporter hat in Essen der Prozess gegen mehrere Mitglieder einer Bande begonnen. Damals wurden in einem Supermarkt in Gronau 1,8 Millionen Euro erbeutet.

Einer der Angeklagten legte ein kurzes Geständnis ab. Der 45-Jährige war zur Tatzeit Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes und soll seine Komplizen mit Insiderwissen versorgt haben. "Die Vorwürfe treffen zu", sagte sein Verteidiger Hans Reinhardt. Insgesamt stehen in dem Prozess sieben Personen vor Gericht. Sie sollen in wechselnder Beteiligung auch für weitere Taten verantwortlich sein.

Laut Anklage hatten die Täter einen weißen VW-Transporter umlackiert und mit Magnetfolien in einen vermeintlichen Geldtransporter verwandelt. Die Nummernschilder waren Dubletten eines tatsächlich existierenden Kennzeichens. Der Mitarbeiter des beraubten Supermarktes hatte keinen Verdacht geschöpft.

"Das war schon fast hollywoodreif", sagte Anwalt Reinhardt am Rande des Prozesses. "Fast so wie im Film 'Die Gentlemen bitten zur Kasse' über den Postzugraub in England." Ziel sei es gewesen, mit "Cleverness hohe Beute" zu machen. "Alles war minutiös geplant und durchdacht."

Überfall auf eine Schmuckhändlerin

Die sechs weiteren Angeklagten aus Recklinghausen, Marl, Köln und Wachtberg bei Bonn äußerten sich bislang weder zu der Tat in Essen noch zu den weiteren Vorwürfen.

In Dortmund wurde Ende 2016 aus einem geparkten Geldtransporter rund eine halbe Million Euro entwendet. Laut Anklage hatten die Täter einen Originalschlüssel. In Werne im Kreis Unna wurde im Juni 2017 ein Geldautomat der Postbank geleert - kurz nachdem er befüllt worden war. Auch hier sollen die Täter einen Schlüssel gehabt haben.

In Mönchengladbach wurde im Frühjahr 2016 eine Schmuckhändlerin vor ihrer Haustür überfallen und ausgeraubt. Der Wert der Beute soll sich auf rund 300.000 Euro belaufen. Außerdem sollen die Angeklagten weitere Überfälle auf Banken und Geldtransporter geplant haben. Die Beute sollen sie für Schmuck, Autos, Urlaube und Bordellbesuche ausgegeben haben.

Das Essener Landgericht hat für den Prozess noch 19 Verhandlungstage bis zum 19. Dezember 2019 vorgesehen.

bbr/dpa



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