Beträchtliche Geld- und Sachgeschenke Vier Festnahmen wegen Korruptionsverdachts im EU-Parlament

Sie sollen versucht haben, die Entscheidungen in Brüssel zugunsten Katars zu beeinflussen: Die Polizei hat im EU-Parlament vier Personen festgenommen. Unter den Verdächtigen ist offenbar auch ein ehemaliger Abgeordneter.
Im Plenarsaal des Europäischen Parlaments

Im Plenarsaal des Europäischen Parlaments

Foto: Dwi Anoraganingrum / Future Image / IMAGO

Die belgische Polizei hat einen ehemaligen EU-Abgeordneten und drei weitere Verdächtige wegen mutmaßlicher Korruption durch Katar im EU-Parlament festgenommen. Das berichten die belgische Zeitung »Le Soir«, das flämischsprachige Magazin »Knack« sowie die Nachrichtenagentur AFP übereinstimmend. Demnach sind alle Festgenommenen italienische Staatsbürger oder Menschen italienischer Herkunft. Ermittelt wird laut der belgischen Bundesstaatsanwaltschaft wegen »bandenmäßiger Korruption und Geldwäsche«.

Die Bundesstaatsanwaltschaft ist in Belgien für die Verfolgung von organisierter Kriminalität und Terrorismus zuständig. Sie bestätigte die Festnahmen, machte aber keine weiteren Angaben zu den Verdächtigen oder ihrer Nationalität. Es handle sich aber um Persönlichkeiten, die »eine bedeutende politische und/oder strategische Position« im Parlament innehaben. Bei den Ermittlungen gehe es um mutmaßliche Bemühungen eines Golfstaats, »die wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen des Europäischen Parlaments zu beeinflussen, indem er beträchtliche Geldsummen zahlt oder bedeutende Geschenke macht«.

16 Durchsuchungen, 600.000 Euro

Nach Angaben der Behörde hat die belgische Polizei seit mehreren Monaten den Verdacht, dass ein Golfstaat versucht, die politischen und wirtschaftlichen Entscheidungen des EU-Parlaments zu beeinflussen. Beträchtliche Geldsummen oder Sachgeschenke seien vermutlich an Personen im Parlament verteilt worden, die eine politische oder strategische Position innehätten.

Insgesamt fanden den Angaben zufolge am Freitag 16 Durchsuchungen in Brüssel statt. Dabei habe die Polizei Datenträger und Mobiltelefone sowie Bargeld in Höhe von rund 600.000 Euro beschlagnahmt.

sak/dpa/AFP
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