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27. Oktober 2010, 19:41 Uhr

EU-Studie zu Gewaltbereitschaft

Ausgrenzung macht Jugendliche aggressiv

Die Gewaltbereitschaft von Jugendlichen hängt nicht von ihrer Religion ab. Dies hat eine Studie der EU-Grundrechteagentur ergeben. Soziale Ausgrenzung fördere aber aggressives Verhalten.

Wien - "Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass muslimische Jugendliche häufiger oder seltener Gewalt anwenden als nicht-muslimische", heißt es in der Studie, die die EU-Grundrechteagentur (FRA) am Mittwoch in Wien vorstellte. Demnach laufen Jugendliche vor allem dann Gefahr gewalttätig zu werden, wenn sie selbst Opfer von Diskriminierung oder Gewalt waren.

An der Erhebung hatten 3000 muslimische und nicht-muslimische Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren in Frankreich, Spanien sowie Großbritannien und Nordirland teilgenommen. Die Studie konzentrierte sich auf EU-Mitgliedstaaten, in denen es Terroranschläge mit radikalislamischem Hintergrund oder städtische Unruhen unter jugendlichen Einwanderern gab.

"Muslimische Jugendliche berichteten, dass sie häufiger diskriminiert und sozial ausgegrenzt wurden als nicht-muslimische", sagte FRA-Direktor Morten Kjaerum. Das gelte vor allem für Frankreich und Spanien. Etwa jeder fünfte Jugendliche ist der Auffassung, dass Gewalt dann gerechtfertigt ist, wenn seine Religion beleidigt wird. Im Durchschnitt stimmten Muslime dieser Aussage eher zu als Nicht-Muslime - was aber nicht bedeute, dass die Jugendlichen tatsächlich gewalttätig werden, hieß es.

Die Bereitschaft zu emotionaler Gewalt - darunter Hänseln oder Mobbing - war bei Jugendlichen höher, die sich aufgrund ihres kulturellen oder religiösen Hintergrunds oder ihrer Hautfarbe und Sprache sozial ausgegrenzt fühlen.

"Wenn man die Ursachen von Gewalt angehen möchte, ist es wichtig, dafür zu sorgen, dass Kinder nicht Gewalt oder Diskriminierung ausgesetzt werden", betonte Kjaerum. Eine Politik gegen Jugendkriminalität oder gegen den Terrorismus müsse daher alltägliche Situationen der Ausgrenzung junger Menschen bekämpfen.

Die EU-Grundrechteagentur berät die EU bei ihrer Menschenrechtspolitik. Sie nahm ihre Arbeit 2007 auf und trat an Stelle der 1998 gegründeten Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, die ebenfalls in Wien angesiedelt war.

jus/AFP/dpa

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