Ex-Diktator Taylor "Naomi Campbell freute sich, mich zu treffen"

Lupenrein ist die Geschichte nicht: Naomi Campbell will nichts gewusst haben von Charles Taylor und der Fragwürdigkeit seines Diamantengeschenks. Der ehemalige Diktator sieht das anders: Das Supermodel habe sich auf ein Treffen gefreut.

DPA

London - Diamanten sind nicht "a girl's best friend", schon gar nicht die von Naomi Campbell. Im Prozess um die Verbrechen des ehemaligen liberianischen Diktators Charles Taylor gibt es die nächsten Widersprüche.

Erst hatten die Schauspielerin Mia Farrow und die ehemalige Agentin des Models, Carole White, die Aussage von Campbell teilweise bestritten. Beide Frauen waren bei dem besagten Dinner mit Taylor 1997 in Südafrika anwesend und erklärten, Campbell habe gewusst, dass die überreichten Edelsteine von dem liberianischen Warlord stammten.

Campbell hatte vor dem Sondertribunal für Sierra Leone erklärt, sie habe vor dem damaligen Treffen mit Taylor keine Ahnung von Liberia gehabt und erst an dem betreffenden Abend erfahren, um wen es sich bei dem Diktator handele.

Taylor selbst aber gab 1997 gegenüber Regierungskollegen zu Protokoll, an jenem besagten Abend seien zahlreiche Prominente, darunter Hollywood-Stars, der Musiker Quincy Jones und eben auch Campbell zugegen gewesen. Der "Daily Telegraph" zitiert ihn mit den Worten, sie alle seien "sehr interessiert und erfreut gewesen, ihn und sein Gefolge kennenzulernen" und hätten versprochen, ihn in seinem Heimatland zu besuchen.

Ein an diesem Abend gemachtes Foto zeigt Taylor außerdem im Kreis seiner gut gelaunten Gäste - neben Nelson Mandela und Campbell, die zu seiner Rechten steht.

Die Anklage in Den Haag versucht zu beweisen, dass der berüchtigte Staatschef sogenannte Blutdiamanten besaß. Ab 1989 soll Taylor als Anführer einer Rebellengruppe und später als Präsident Liberias Tod und Terror über seine westafrikanische Heimat gebracht haben. Während seiner Präsidentschaft griff die Welle der Gewalt auch auf den Nachbarstaat Sierra Leone über. Terrortrupps plünderten die dortigen Diamantenfelder, die Steine dienten der Finanzierung des immer weiter ausufernden Krieges.

Taylor selbst bestreitet, jemals Diamanten - außer seinen eigenen - besessen zu haben. Er ist angeklagt, mitverantwortlich zu sein für Massenmorde, Folterungen, Vergewaltigungen, sexuelle Versklavungen und die Zwangsrekrutierung von Kindern als Soldaten während des Bürgerkriegs in Sierra Leone Ende der neunziger Jahre. In den Konflikten in Sierra Leone und Liberia wurden zwischen 1989 und 2003 etwa 400.000 Menschen getötet.

dan

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